zum Inhalt springen

CSR REPORT RANKING 2019

Die besten Nachhaltigkeitsberichte der größten österreichischen Unternehmen.

Ranking of Austrian Online Reports

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der FH Wien analysierten Studierende die Nachhaltigkeitsberichte der größten österreichischen Unternehmen. Das Gesamtergebnis wurde bereits in BUSINESSART 03/2019 veröffentlicht: Auf Platz eins landete Mondi (82.2 Punkte) vor EVN (80.9), Asfinag (75.9), RBI (71.2) und Wienerberger (68.0). Alle Berichte wurden anhand von zwölf Fragen in den Bereichen „Strategic Approach“, „Open Information“ und „User Orientation“ untersucht – mit teilweise sehr unterschiedlichen Bewertungen. Hier die Ergebnisse in den einzelnen Kategorien:

Die Top-5 in „Strategic Approach“

Diese Anforderung wurde als besonders wesentlich festgelegt und mit maximal 50 von insgesamt 100 Punkten bewertet. Überprüft wurden dafür fünf Fragen:

  1. Material Aspects: Were the material aspects identified according to the criteria of the GRI standard?   
  2. Value Chain: Does the company take responsibility for its impact along the entire value chain? 
  3. : Does the corporate strategy include a management approach to all material topics?    
  4. Harm & Benefits: Are both harm reduction strategies and maximization of benefits pursued?   
  5. : Have appropriate structures and processes for sustainability management been set up and sufficiently presented in the report?

Die meisten Punkte erhielt RBI (42.8) vor EVN (42.5), Mondi (42.2) und Casinos Austria (38.4). Am fünften Platz landeten ex aequo Wiener Stadtwerke und Asfinag mit je 37.4 Punkten.

Name der Person auf dem Bild
Tab.1: Ranking der CSR-Berichte in der Kategorie „Strategic Approach“; Quelle: FuturAbility

RBI berichtete besonders umfangreich über das Ermitteln der wesentlichen Themen. Der Prozess lief über mehrere Jahre und umfasste zahlreiche Methoden und Instrumente - von der Themenlandkarte über unterschiedliche Workshops, Online-Befragungen, Stakeholder Councils bis zur externen Validierung. RBI erhielt bei den Fragen 1 und 2 von allen untersuchten Unternehmen die meisten Punkte und gilt als Best Practice für das Erarbeiten der Wesentlichkeit und das Einbeziehen der gesamten Wertschöpfungskette. Verbesserungspotenzial orteten die Studierenden bei Kennzahlen und Userorientierung. Aufgrund des Umfangs, der Struktur, der Textlängen und der komplizierten Darstellung einzelner Themen wurde der Bericht als schwer lesbar eingestuft.

EVN setzt sich mit dem Verhindern negativer Auswirkungen und dem Erzielen positiver Wirkungen gleichermaßen auseinander, engagiert sich für die nachhaltigen Entwicklungsziele und wurde damit zum Best Practice für die Frage 4. Nachholbedarf wurde beim Lieferkettenmanagement geortet, daher gab es Punkteabzüge bei Frage 2.

Casinos Austria erzielte die meisten Punkte durch eine besonders ausführliche Darstellung der Strukturen und Prozesse ihres Nachhaltigkeitsmanagements und gilt bei dieser Frage als Best Practice. Allerdings vermissten die Studierenden konkrete Daten und Fakten und nahmen den Bericht als sehr werblich wahr.

Insgesamt erzielten die Unternehmen in der Kategorie „Strategic Approach“ im Vergleich zu den beiden anderen die besten Bewertungen. Dank der neuen GRI Standards ist das Prinzip der Wesentlichkeit bei der Mehrheit der Unternehmen offensichtlich angekommen und wird zunehmend besser umgesetzt. Auch das Einbeziehen der gesamten Wertschöpfungskette setzt sich immer mehr durch. Großer Verbesserungsbedarf besteht noch beim Offenlegen der Managementpraxis: Die Integration des Nachhaltigkeitsmanagements in bestehende Strukturen und Prozesse scheint bei vielen Unternehmen noch nicht abgeschlossen zu sein.

Die Top-5 in „Open Information“

In dieser zweitwichtigsten Kategorie konnten die Unternehmen 30 der 100 Punkte erzielen, und zwar in drei weiteren Kriterien:

  1. Clear & Complete: Does the report make clear and complete statements? (Key figures on all material topics, interpretation of development, definition/evaluation of goals)
  2. Is the report balanced? (positive / negative developments, solved / unresolved problems, etc.)        
  3. Are internal and external stakeholders appropriately involved and are the relevant structures and processes disclosed?

Mondi schnitt mit 26.9 Punkten am besten ab, gefolgt von EVN (23.0), Asfinag (22.2), Egger (20.5) und RBI (20.2).

Name der Person auf dem Bild
Tab.2: Ranking der CSR-Berichte in der Kategorie „Open Information“; Quelle: FuturAbility

Mit 9.2 Punkten für Frage 6 und 8.8 für Frage 7 liegt Mondi in dieser Kategorie klar an der Spitze und zeichnet sich durch eine besonders faktenreiche, konkrete und ausgeglichene Information über positive und negative Entwicklungen aus. Kaum ein anderes Unternehmen kann da mithalten!

RBI wiederum errang bei der Frage 8 den ersten Platz. Mit dem seit vielen Jahren organisierten jährlichen Stakeholder Council etablierte sie sich als Vorreiterin in Österreich. Die Qualität der Stakeholder-Einbindung wurde von Jahr zu Jahr weiterentwickelt und kann sicher als Best Practice in Österreich gelten. Deutliche Abzüge gab es für mangelnde Fakten und Ausgeglichenheit: Positive Leistungen sahen die Studierenden weit umfassender dargestellt als negative Wirkungen oder ungelöste Probleme.  

In der Kategorie „Open Information“ erhielten die Berichte insgesamt schlechtere Bewertungen als in „Strategic Approach“. Die Gründe dafür liegen in erster Linie bei fehlenden Kennzahlen und Zielen. Nur wenige Unternehmen liefern umfassende und vergleichbare Daten über aktuelle und angestrebte Entwicklungen. Das Controlling der Nichtfinanzkennzahlen – insbesondere jener Zahlen, die einen konkreten Impact auf Gesellschaft oder Umwelt abbilden - steckt vielfach noch in den Kinderschuhen. Teilweise verfügen die Unternehmen allerdings gar nicht über die notwendigen Daten und sind daher nicht in der Lage, diese Probleme eigenständig zu lösen. Da bedarf es noch gemeinsamer Anstrengungen.

Ausschlaggebend für die vergleichsweise schlechteren Werte ist aber auch die noch mangelnde Stakeholder-Einbindung. Umfragen allein sind da nicht ausreichend, und Multi-Stakeholder-Dialoge oder gemeinsames Handeln und Entscheiden verlangt von allen Beteiligten – auch von den betroffenen Stakeholdern - Mut zu Veränderung und neuem Denken.

Es gibt aber auch handfeste, hausgemachte Gründe für die schlechtere Bewertung, und das ist die mangelnde Glaubwürdigkeit der Berichte. Diese lässt aufgrund der fast überall umfassenderen Darstellung positiver Entwicklungen noch sehr zu wünschen übrig!

Die Top-5 in „User Orientation”

Diese Kategorie trug mit maximal 20 Punkten zum Gesamtergebnis bei, wobei folgende vier Kriterien bewertet wurden:

  1. Is the report clearly structured according to the material topics?      
  2. Is the text clear and precise, easy to understand and read?          
  3. Is the visualization appealing and does it support the understanding of the content?       
  4. Online Features: Is the report user-friendly and are online features sufficiently utilized? (Target group specific approach, optional information, links, timeliness, interactivity etc.)

Sieger in dieser Kategorie ist wiederum Mondi mit 17.0 Punkten vor Asfinag (16.4), EVN (15.4), Wienerberger (13.8) und Egger (13.6).

Name der Person auf dem Bild
Tab.3: Ranking der CSR-Berichte in der Kategorie „User Orientation“; Quelle: FuturAbility

Mondi schneidet mit seinem technisch und optisch gut aufgemachten Flipbook bei allen vier Fragen sehr gut ab. Leider ist der Bericht für Handy-User nicht gut lesbar. EVN erhielt die besten Bewertungen für Struktur und Textierung, und Asfinag gilt als Best Practice für Online-Reports. Sie gestaltete den Bericht als eines der wenigen Unternehmen auf einer eigenen Website und ermöglicht damit ihren Usern ein leichtes und geräteunabhängiges Navigieren durch gewünschte Daten und Fakten inklusive Feedback.

In der Kategorie User-Orientation schnitten die Nachhaltigkeitsberichte insgesamt am schlechtesten ab. Das liegt vor allem daran, dass es erst wenigen Unternehmen gelang, ihr Reporting auf eine umfassendere und viel heterogenere Zielgruppe auszurichten, als das bei klassischen Geschäftsberichten der Fall war. Die unterschiedlichen Stakeholdergruppen und -interessen sowie die ebenfalls sehr unterschiedlichen Themen und Nicht-Finanzkennzahlen sind in einer Broschüre-artigen Struktur nicht lesbar. Die Zukunft des Reporting ist daher online – und das bedeutet mehr als einen Bericht in Form eines pdf-Dokuments zum Herunterladen anzubieten. Da braucht es userorientierte Zugänge, einen variablen, wählbaren Detaillierungsgrad bei der Aufbereitung fachlicher Informationen, übersichtliche und leichte Navigation durch alle Themen und vieles mehr. Wenn Unternehmen daher wollen, dass ihre Berichte auch tatsächlich gelesen werden, sollte sich Einiges ändern. Manche Unternehmen im In- und Ausland zeigen auf, in welche Richtung es gehen könnte.

Die kompletten Bewertungen aller im Rahmen der Lehrveranstaltung analysierten Berichte mit Links zu den Berichten und weiteren Empfehlungen der Studierenden finden Sie auf http://www.social-responsibility.at/current-projects/csr-report-ranking/.

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen