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CSR-Circle: Die neue Welt der Nachhaltigkeitsberichte

Mehr Relevanz und Anwendungsfreundlichkeit soll die weiterentwickelte Richtlinie der Global Reporting Initiative G4 bringen.

Foto: Draper
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Darüber diskutieren am 18. September im DSCHUNGEL Wien Univ.Doz. Mag. Dr. Christine Jasch, Jury Vositzende des ASRA, Mag. Bettina Steinbrugger, Projektleiterin der Arbeitsgruppe NH Berichte von respACT, Ursula Pritz, MSc, Leiterin gugler brand und Monika Piber-Maslo, Nachhaltigkeitsteam  Austria Glas Recycling, moderiert von Mag. Cornelia Dankl, BONUS Vorsorgekasse und Reinhard Herok, gugler.

Hier finden Sie eine kurze Zusammenfassung der Diskussion:

Wozu braucht es einen Nachhaltigkeitsbericht?

Monika Piber-Maslo: Wir haben vor einigen Jahren mit einem EMAS-Umweltbericht begonnen obwohl uns damals noch nicht klar war, wie sinnvoll ein Umweltbericht für Austria Glas Recycling ist. Heute ist unser Nachhaltigkeitsbericht das essentiellste Insturment um unsere Stakeholder zu informieren und zu motivieren. Er ist aktuell und geprüft und damit ein höchst glaubwürdiges Informationsinstrument. Der Bericht soll natürlich auch gelesen werden – eine gute Gestaltung ist uns daher sehr wichtig. Durch unsere langjährige – auch durch Auszeichnungen gewürdigte - Berichterstattung haben wir an Glaubwürdigkeit und Kompetenz gewonnen. Unser Wort hat Gewicht.

Bettina Steinbrugger: Wenn es ein Unternehmen mit der Nachhaltigkeit ernst meint braucht es einen Nachhaltigkeitsbericht, um das zu dokumentieren und auch, um die eigene Performance zu evaluieren. Durch die intensive Beschäftigung kommt man immer wieder auf neue Dinge drauf. Der Nachhaltigkeitsbericht dient dem Employer-Branding: Manche Unternehmen berichten, dass High Potentials häufiger den Nachhaltigkeitsbericht als den Geschäftsbericht lesen. Viele KMU in Österreich beliefern große Kunden, die zunehmend Nachhaltigkeitsberichte einfordern. Klein- und Mittelbetriebe, die über einen Nachhaltigkeitsbericht verfügen, haben da ganz klar einen Wettbewerbsvorteil.

Ursula Pritz: Für die Unternehmenskommunikation ist  der Nachhaltigkeitsbericht eines der wichtigsten Instrumente zur internen wie auch externen Stakeholderkommunikation. Eine Chance, die Unternehmen auch aktiv nutzen sollten. Er ist aber auch Innovationsinstrument, um das Kerngeschäft zu überprüfen und ein großartiges Tool, Stakeholder frühzeitig in die Produktentwicklung einzubeziehen. Mit der Intention, die unterschiedlichen Anspruchsgruppen gleichermaßen zu erreichen, ist der Bericht einerseits glaubwürdige Imagebroschüre als auch Visitenkarte, um Markenwerte authentisch auf den Punkt zu bringen.

Christine Jasch: Unternehmen stehen zunehmend unter öffentlichem Druck, aber auch unter dem Druck von Ethik Fonds, zu erklären, was sie zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beitragen. Ein Nachhaltigkeitsbericht ist eine saubere Antwort darauf. Die EU hat einen Entwurf zur Konkretisierung der Anforderungen der 4. EU-RL, in Österreich umgesetzt über § 243 Rechnungslegungsgesetz vorgelegt, der Unternehmen ab 500 Mitarbeiter ab 2017 verpflichten soll, über wesentliche ökologische, soziale und gesellschaftliche Themen im Lagebericht zu berichten. Dabei wird auf bekannte Standards wie GRI und IIRC referenziert. Wenn diese angewendet werden, ist die Sorgfaltspflicht erfüllt.

Was steckt hinter der GRI 4?

Die GRI (Global Reporting Initiative) ist aus den Verhandlungen zur ISO 14.001, der Norm zu Umweltmanagementsystemen entstanden. Die GRI G4 ist die vierte Version dieser Richtlinien. Sie steht außerhalb der ISO-Welt und ist öffentlich zugänglich: https://www.globalreporting.org/languages/german/Pages/default.aspx

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Mit der vierten Version der Richtlinien ist die Berichterstattung einfacher geworden. Der wichtigste Punkt dabei ist das Wesentlichkeitsprinzip: Es soll über die wesentlichen Aspekte, anhand definierter Kennzahlen, berichtet werden. Darüber hinaus hat sich die Betrachtungsebene verändert: Es soll die gesamte Wertschöpfungskette in der Wesentlichkeitsanalyse beurteilt werden, und wenn ein Aspekt wesentlich ist, soll die Berichterstattung auch über den Konsolidierungsrahmen in die Wertschöpfungskette hinausgehen.

Es gibt mittlerweile nur mehr zwei Berichtsebenen: Die Variante „core“ ist für eigentümergeführte Unternehmen sehr gut geeignet. Sie können die für ihr Geschäft wesentlichen Kennzahlen auswählen und müssen nicht über alle berichten. Die Variante „comprehensive“ ist für große Unternehmen gedacht. Sie müssen alle Kennzahlen zu einem wesentlichen Aspekt anführen, außer sie erläutern, warum eine bestimmte Kennzahl z.B. nicht relevant ist, oder aus Geheimhaltungsgründen nicht veröffentlicht wird, oder aufgrund von Dateninkonsistenzen erst aufgebaut wird. Aktuell diskutiertes Beispiel dazu ist die Kennzahl zur Offenlegung der Gehälter. Dazu Jasch: „Das kann man in Österreich noch nicht fordern. Das killt das Kind im Bade und schüttet es damit aus.“

Die aktuell von einigen Unternehmen begonnene Kombination von Nachhaltigkeitsbericht nach GRI G4, Geschäftsbericht und Integriertem Bericht nach IIRC aus Investor Perspektive stellt eine große Herausforderung dar, da bei der Wesentlichkeitsanalyse die Nachhaltigkeitsperspektive und die Investorperspektive zu unterschiedlichen Wertungen kommen und Nachhaltigkeitsthemen dabei untergehen können.

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Die Herausforderungen bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes

Viele Vorstände und Geschäftsführer wollen zwar einen schönen Bericht haben, heikle Themen möglichst aber nicht ansprechen. Gerade das ist aber wesentlich für die Glaubwürdigkeit. Steinbrugger „Wir fühlen uns manchmal wie in einer Selbsthilfegruppe. Die CSR-Verantwortlichen stecken ihr ganzes Herzblut in die Erstellung des Berichtes und der Vorstand streicht dann oftmals kritische Aspekte raus.“ Aber auch die Ideen wie CSR-Verantwortliche erfolgreich sein können kamen nicht zu kurz: Man muss sich Mitstreiter suchen, die richtigen Fragen stellen „Haben Sie Kinder? Wie soll ihre Zukunft aussehen?“, wichtige Kunden oder Mitstreiter aus der Branche suchen und entsprechend einbinden.

Diskurs und Transparenz weisen in Österreich noch großes Potential nach oben auf. Daher stellen Stakeholderdialoge oder die Offenlegung mancher Kennzahlen teilweise noch zu große Hürden dar.

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Inwieweit repräsentieren die Berichte die Realität in Unternehmen?

Bettina Steinbrugger: Die Berichte repräsentieren die Bemühungen eines Unternehmens. Auch wenn am Ende des Tages nicht alle Nachhaltigkeitsaktivitäten Eingang in den Bericht finden, spiegeln die meisten Berichte doch klar den Prozess wider, der hinter dem Ganzen steht.

Ursula Pritz: Der Bericht spiegelt wider, wo das Unternehmen steht. GRI bewertet dabei aktuell nicht wie nachhaltig ein Unternehmen tatsächlich agiert, sondern die Qualität des Berichts und somit die Transparenz

Christiane Jasch: Die Zukunft liegt sicher im integrated thinking. Früher war es so, dass man glaubte, es handelt sich um zwei verschiedene Unternehmen, wenn man den Nachhaltigkeitsbericht und den Geschäftsbericht gelesen hat. Das hat sich schon geändert.

Monika Piber Maslo: Früher oder später wird man erkennen, ob sich ein Unternehmen gut entwickelt. Mangelt es an den entsprechenden Prozessen im Unternehmen, wird der Bericht offensichtliche Schwachstellen haben. Andererseits kann der Bericht ein Schuhlöffel sein, um Themen anzuleiern. Und ich bin optimistisch: Es werden immer mehr Berichte gelegt werden, und damit wird automatisch die Qualität des Berichts und der Prozesse steigen.

Weitere Informationen
Der nächste CSR-Circle zum Thema „Energieeffizienz“ findet am Dienstag, 19. November 2013 statt.

Roswitha Reisinger, roswitha.reisinger@businessart.at, www.csr-circle.at.

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