zum Inhalt springen

Handel muss Armut bekämpfen FAIRTRADE wirkt seit 20 Jahren.

Was einst utopisch schien, ist heute Realität: das FAIRTRADE-Gütesiegel zeigt, dass gerechtere und nachhaltige Handelsalternativen möglich sind. Der Faire Handel hinterlässt Spuren.

Foto: Fairtrade
c_fairtrade

Weltweit sind über 1,2 Millionen Kleinbauern und –bäuerinnen sowie ArbeiterInnen auf Plantagen und Blumenfarmen ins FAIRTRADE Netzwerk eingebunden. Allein aus den Verkäufen von FAIRTRADEProdukten in Österreich gingen in den letzten zwei Jahrzehnten über 140 Millionen USD Direkteinnahmen in Form von FAIRTRADE-Mindestpreis, -Sozialprämie und –Bioaufschlag an Produzentenorganisationen im Fairen Handel in über 66 Ländern. „Handel darf nicht Armut verursachen, sondern muss Armut besiegen“, so FAIRTRADE Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner anlässlich des Jubiläums, das unter dem Motto „FAIRTRADE wirkt. Seit 20 Jahren.“ steht. Es bleibt noch viel zu tun. Auftakt im Jubiläumsjahr bildet Afrika.

Trotz hoher Rohstoffpreise weltweit kämpfen immer noch viele Bauernfamilien ums Überleben. Hinzu kommt, dass oftmals Druck auf die Zulieferer in Entwicklungsländern ausgeübt wird, damit diese noch billiger produzieren, was zu unsicheren Arbeits- und Lebensverhältnissen und in weiterer Folge zu Armut führt. In der afrikanischen Blumenindustrie fehlt es beispielweise oft an Schutzkleidung, die Gewächs häuser werden gar nicht oder nur kurz geräumt, wenn Pestizide zum Einsatz kommen. Ähnlich stellt sich auch die Situation in der Baumwollproduktion Westafrikas dar, wo Kleinbauernfamilien mit den niedrigen Abnahmepreisen für Baumwolle zu kämpfen haben, während der Anbau im Norden durch Subventionen den Wettbewerb verzerrt. „Wir fordern daher die Politik auf, gesetzlich zu regeln, dass Unternehmen für die Einhaltung fairer Preise für Kleinbauernfamilien und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette sorgen müssen“, so Kirner weiter. FAIRTRADE bietet die Möglichkeit, den Mangel an Infrastruktur, der den Handel erheblich beeinträchtigt und auf dem afrikanischen Kontinent eine der größten Herausforderungen ist, zu beheben. „Afrikanische Produzentenorganisationen nutzen die FAIRTRADE-Prämie, die zusätzlich zum FAIRTRADE-Mindestpreis ausbezahlt wird, vielfach um Straßen und Brücken zu sanieren oder zu errichten“, so Kirner weiter. Die Investitionen in lokale Infrastruktur haben große Auswirkungen auf die ländlichen Gebiete und führen in weiterer Folge zur Verbesserung im Bildungs- und Gesundheitswesen. Daneben bieten die afrikanischen FAIRTRADE-Kooperativen oftmals wichtige Dienstleistungen und Weiterbildungen für ihre Mitglieder an, damit diese auf die Risiken eines instabilen Marktes besser reagieren können. Außerdem werden die Kooperativen darin bestärkt, die Möglichkeiten innerafrikanischer Handelsbeziehungen zu nutzen, in Kenia und Südafrika gibt es bereits Pilotprogramme.

FAIRTRADE-Produktsortiment
Die wichtigsten Profiteure des Fairen Handels sind die weltweit über 1.000 Produzentenorganisationen vor Ort, da ihre Produkte wertgeschätzt werden und sie den internationalen Markt mitgestalten können. Auf allen Kontinenten, in 120 Ländern, gibt es inzwischen FAIRTRADE-Produkte zu kaufen. In Österreich ist das Produktsortiment auf knapp 750 Produkte erweitert worden. Bananen sind das wichtigste Produkt, gefolgt von Schokolade und Kaffee. Die fair gehandelte Produktpalette umfasst weiters Fruchtsäfte, Baumwolle und Blumen, wobei fair gehandelte Rosen in Österreich besonders beliebt sind.

Hintergrund zur Organisation
Das FAIRTRADE-Gütesiegel auf einem Produkt steht für faire und stabile Preise für Bauernorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika, als Strategie zur Armutsbekämpfung. Mittels garantierter Mindestpreise können die Genossenschaften eine nachhaltige Produktion langfristig und sicher planen. Über die Bezahlung einer fixen, zusätzlichen Prämie (für Entwicklungsprojekte und Investitionen in die Qualität und Produktivität), der Förderung einer selbstbestimmten Entwicklung der Mitglieder sowie der Stärkung der Organisationsstrukturen werden die Bauernorganisationen und ihre Mitglieder zu selbstbewussten Handelspartnern auf dem Weltmarkt. Die FAIRTRADE-Standards enthalten Anforderungen aller drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökonomische, Soziale und Ökologische Entwicklung). Unabhängige InspektorInnen sind in regelmäßigen Abständen vor Ort und kontrollieren, ob die strengen Standards (wie ua. Verbot illegaler Kinderarbeit, Einhaltung arbeitsrechtlicher Richtlinien, …) eingehalten werden. Einzigartig ist das Mitbestimmungsrecht der Produzentenorganisationen am FAIRTRADE-System. Diese haben in allen FAIRTRADE Entscheidungsgremien einen 50%igen Stimmanteil, d.h. die Produzentenorganisationen sind ein aktiver Teil des Systems, alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.

Autorin: Veronika Polster, FAIRTRADE.

Weitere Informationen: www.fairtrade.at

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen