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Top-Banker neue Spitze von Oikocredit Austria

Nach sechs Jahren im Ehrenamt übergibt Peter Püspök den Vorsitz an Friedhelm Boschert

Foto: C Berg
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„Oikocredit trägt dazu bei, Menschen in Armut beim Aufbau einer tragfähigen Lebensgrundlage zu unterstützen“, begründete Friedhelm Boschert seine Entscheidung, von Peter Püspök das Ehrenamt als Vorstandsvorsitzender von Oikocredit Austria zu übernehmen. Dass weltweit mehr als eine Milliarde Menschen in Armut lebten, habe er noch nie akzeptieren können. „Deshalb hatte ich mich schon früh als Experte für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit engagiert. Das waren – wie auch Oikocredit – immer Projekte der Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt der erfahrene Genossenschaftsbanker, der in den vergangenen Jahren unter anderem auch als Vorstandsvorsitzender der Sberbank und der Ärztebank arbeitete.

Für Püspök ist nun nach zwei Wahlperioden zu je drei Jahren die Zeit des Abschieds gekommen. „Es war eine erfüllende und bereichernde Zeit bei Oikocredit. Das Wichtigste war für mich, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Ich will mich meiner Hauptaufgabe als Großvater widmen, da meine berufliche Laufbahn mir wenig Zeit für meine Kinder ließ. Mit Friedhelm Boschert werde ich meine Funktion nun in jüngere und sehr vertrauenswürdige Hände legen“, gibt sich der Ex-Vorstandschef überzeugt. Püspök betont, weiterhin als Testimonial für Oikocredit aktiv sein zu wollen.

Für den gebürtigen Schwarzwälder Boschert war Entwicklungszusammenarbeit schon immer ein Thema. Schon früh als Entwicklungshelfer in Jordanien und Vietnam tätig, widmete er sich auch während seiner Bankenkarriere im Genossenschafts- und Volksbankenbereich der Mikrofinanz, die er als angewandte Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnet. Als drei Hauptkriterien bezeichnet er die soziale und ökologische Entwicklung sowie die Governance. Inclusive Finance muss auch Bildung, Ernährung und soziale Absicherung der Menschen berücksichtigen. Dafür, so Boschert, gibt es eine Reihe bewährter Messinstrumente, mit denen Oikocredit den Social Impact und das Capacity Building überprüft. Nur Kapital zu generieren, sei alte Ökonomie, so Boschert. Es gehe um die sozio-ökonomischen Begleitmaßnahmen wie Beratung und Coaching der Kreditnehmenden vor Ort.

Auf Erfolgskurs
Nach mehreren Jahren einer starken Expansion von Oikocredit Austria hat auch das vergangene Jahr 2013 erneut gute Ergebnisse gebracht. Die Anzahl der Anleger ist von 3.462 um 20,91 Prozent auf 4.186 gestiegen. Die Veranlagungen haben sich per 31. Dezember 2013 von 42,1 Millionen Euro um sogar 36,8 Prozent auf 57,5 Millionen Euro erhöht.
„Der Erfolgskurs geht weiter“, so Boschert. Das Anteilskapital ist in diesem Jahr bereits um rund 7,1 % auf 61,66 Mio. Euro gewachsen, auch die Mitgliederzahl erhöhte sich 2014 bereits um 4,2 % auf 4.360.

Von 2006-2013 betrug die durchschnittliche Steigerung p.a. 30% bei den Mitgliedern und 39% bei Anteilskapital. 59% der Neuveranlagungen kamen 2013 von bestehenden Mitgliedern, 41% von neuen Mitgliedern.
Püspök sieht den Erfolg von Oikocredit im glaubwürdigen Produkt, der sozialen Zielsetzung, dem professionellen Management und der konsequenten Beschränkung des Geschäftsfeldes auf die Realwirtschaft. Damit werden kleine und mittlere Unternehmen in sogenannten Entwicklungsländern gestärkt. Hinzu tritt das genossenschaftliche Prinzip und das Engagement der ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder und Multiplikatoren.

591 Millionen Euro Kreditportfolio
Auch dank dieser guten Entwicklung in Österreich konnte Oikocredit International im Jahr 2013 die Finanzierungen ihrer Partnerorganisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern um elf Prozent auf 591 Millionen Euro steigern. „Oikocredit vergibt die Darlehen und Kapitalbeteiligungen dort, wo sie besonders hohe soziale und entwicklungsfördernde Wirkungen entfalten“, betont Boschert.

Doch nicht nur nachhaltige Finanzierungen dienen diesem Ziel. 2013 wurden Oikocredit-Partner zusätzlich mit rund drei Millionen Euro in den Bereichen Weiterbildungen, Organisations- und Personalentwicklung sowie anderen Maßnahmen gefördert.

Besonders das Engagement in ländlichen Regionen will Oikocredit im globalen Süden weiter intensivieren. Denn dort lebt weltweit die größte Zahl von Menschen in Armut. 2014 sollen allein 27 Millionen Euro neue Darlehen im Bereich Landwirtschaft vergeben werden – mit einem Schwerpunkt auf kleinbäuerliche Genossenschaften und ländliche Wertschöpfungsketten. So sollen Arbeitsplätze und eine bessere Lebenssituation für die ländliche Bevölkerung entstehen. Dabei muss nicht nur in eine bessere Ernte sondern auch in die Verarbeitung der Erzeugnisse vor Ort und in eine bessere Vermarktung investiert werden.

In Menschen investieren
Oikocredit ist eine genossenschaftliche Finanzierungseinrichtung. Sie unterstützt Menschen in Armut durch die Refinanzierung sozial nachhaltig arbeitender Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften aber auch kleiner und mittlerer Unternehmen in sogenannten Entwicklungsländern. 86% der Kreditnehmenden sind Frauen.

Über 800 Oikocredit-Partner weltweit ermöglichen Start-Ups für Millionen armer Menschen, die von Finanzdienstleistungen ausgeschlossen sind. Kleinstkredite zur Anschubfinanzierung einkommensgenerierender Tätigkeiten und soziale Begleitung bieten dabei Hilfe zur Selbsthilfe. Ohne faires Geld wären die Menschen örtlichen Kredithaien ausgeliefert.

Die 1975 gegründete Entwicklungsgenossenschaft engagiert sich deshalb weltweit für eine faire Vergabe von Darlehen und bietet nicht nur finanzielles Service, sondern unterstützt die Partner mit Know-how. Das Kreditportfolio beträgt per 31.12.2013 rund 591 Millionen Euro, das von insgesamt 52.000 AnlegerInnen weltweit stammt. Fast 4.200 davon kommen aus Österreich, die per Jahresende insgesamt 57,5 Millionen Euro veranlagen.

Soziale Geldanlage
Die Dividende für Oikocredit-Anleger ist mit zwei Prozent p.a. limitiert. Die Gelder werden über eine zentrale Koordinationsstelle in den Niederlanden an 36 Regional- und Länderbüros in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa geleitet, die vor Ort mit Partnerorganisationen in Kontakt stehen, darunter auch über 60 Fair Trade Genossenschaften mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft.

www.oikocredit.at

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