Im Weinviertel sind die Klimarisiken 2080 am höchsten
Drei Viertel der Regionen mit hohem Risiko befinden sind laut refinq aber in Italien, Spanien und Griechenland.
Das Wiener Klimarisiko-Unternehmen refinq bewertete alle 1.165 NUTS-3-Regionen der EU27 nach der physischen Klimaexposition dessen, was dort gebaut ist. NUTS-3 bedeutet laut EU-Vorgabe in der Regel eine Einwohnerzahl von mehr als 150.000. Das Weinviertel, in dem rund 340.000 Personen leben, gehört folglich dazu. Es hat als einzige Region Österreichs 2080 ein besonders hohes Klimarisiko. Wien erreicht bis 2080 „nur“ beim Hochwasser die oberste Gefahrenstufe.
Hitze, Wasserknappheit, Waldbrand und Hochwasser-Risiko
Bewertet werden vier Gefahren: Hitze, Wasserknappheit, Waldbrand und Hochwasser. Die Gefahrendaten stammen vom Copernicus Climate Change Service, aus dem Aqueduct-4.0-Datensatz des World Resources Institute und vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission. Bewertet wird die Exposition dessen, was in einer Region gebaut ist; die Werte werden auf Regionsebene aggregiert. Die Kennzahlen beschreiben das Jahr 2080 in einem Hochemissionspfad (RCP8.5 / SSP5-8.5), gemessen an der Basisperiode 2006 bis 2025.
Drei Länder stellen drei Viertel unter den risikoreichsten 100: Italien mit 40 Regionen, Spanien mit 22 und Griechenland mit 12. Die übrigen 26 verteilen sich auf sechs Mitgliedstaaten. 18 der 27 Mitgliedstaaten sind in den Top 100 überhaupt nicht vertreten. Aus Italien sind drei Regionen unter den ersten fünf dabei: Ferrara, Pisa und Ravenna wegen der Hitzegefahren im Jahr 2080.
Die zehn exponiertesten Regionen
(kombinierter Wert für 2080 in einem Hochemissionspfad, Skala 0 bis 100 von sehr niedrig bis sehr hoch):
- Ferrara, Italien, Hitze, 97,4
- Bouches-du-Rhône, Frankreich, Hitze, 95,6
- Pisa, Italien, Hitze, 94,6
- Giurgiu, Rumänien, Waldbrand, 92,7
- Ravenna, Italien, Hitze, 91,6
- Cremona, Italien, Hitze, 91,2
- Caserta, Italien, Wasserknappheit, 90,8
- Serres, Griechenland, Wasserknappheit, 90,7
- Padova, Italien, Hitze, 89,7
- Rovigo, Italien, Hitze, 89,4
Das Weinviertel ist Österreichs höchst platzierte Region
Österreich steigt in der Projektion für das Jahr 2080 auf Rang 294 von 1.165 in das Ranking ein. Stellt also keine Region in den Top 100. Höchstplatzierte österreichische Region ist das Weinviertel nördlich von Wien.
Das Weinviertel ist die einzige der 35 Regionen Österreichs, die 2080 bei allen vier Risiken mindestens die mittlere Stufe erreicht. Hitze und Wasserknappheit stehen auf „hoch", Waldbrandgefahr und Hochwasser auf „mittel". Bei der Wasserknappheit steht die Region österreichweit allein da. Keine andere Region des Landes kommt bis 2080 auf die Stufe „hoch".
Die Hochwassergefahr ist in Wien am höchsten
Beim Hochwasser ist Wien die einzige österreichische Region, die bis 2080 die oberste Stufe erreicht. Die Hitze liegt mit knapp zwölf Tagen in Hitzeperioden auf „hoch", die Wasserknappheit dagegen ganz unten.
Lukas Fischer, Mitgründer und Geschäftsführer von refinq, stellt deshalb fest:
„Die Übung zeigt ziemlich genau, wo Österreich unter anderem infrastrukturell investieren muss: Wasser im Weinviertel, Hochwasserschutz in Wien, Hitze in praktisch jeder Region. 2080 klingt weit weg. Die Infrastruktur, die dann stehen muss, wird in den nächsten zwanzig Jahren geplant, genehmigt und gebaut."
Karte, Ranking und Methodik sind frei zugänglich unter www.refinq.com/refinq-100. Für jede Region lässt sich dort zwischen heutigem Stand und der Projektion für die Jahre zwischen 2006 bis 2080 wechseln.