LKW laden beim Laden
Das Logistik-Unternehmen Schachinger erhielt für sein E-Fahrzeug- und Ladekonzept den VCÖ-Mobilitätspreis.
Die Schachinger Logistik Gruppe, eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Oberösterreich, wurde für den Ausbau der Energieautarkie und nachhaltige Mobilität am Hauptstandort Hörsching mit dem VCÖ-Mobilitätspreis 2026 ausgezeichnet. "Batterieenergiespeicher, Photovoltaik und eine wachsende Flotte an Elektro-LKW zeigen, dass Gütertransport, ökologischer Fortschritt und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen", heißt es von Seiten des Unternehmens.
Umstellung auf Elektro-Lkw
Schachinger Logistik wurde für die Umstellung auf Elektro-Lkw und den Aufbau eines intelligenten Defossilisierungsmodells ausgezeichnet. Das Unternehmen hat das Ziel bis 2030 seinen gesamten Lkw-Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Aktuell sind bereits 30 Elektro-Lkw im Einsatz, die im aktuellen Jahr bereits insgesamt rund 2,5 Mio. Kilometer zurückgelegt haben. Um die Energieversorgung zu optimieren, wurde ein Speichersystem in Hörsching errichtet, das überschüssigen Sonnenstrom speichert und die Lkw nachts lädt.
Das eingereichte Projekt ist nach Unternehmensangaben Europas größter Logistik-Batteriespeicher und das Herzstück für ein integriertes Energie-Kreislaufwirtschaftssystem. Gemeinsam mit dem Technologiepartner Powerlink GmbH realisierte das Logistikunternehmen ein Batterie-Energiespeichersystem (BESS) mit 60 MWh Speicherkapazität und 30 MW Leistung.
Die Speicherlösung gliedert sich in 20 MWh bzw. 10 MW zur Versorgung eigener Verbraucher wie Ladesäulen und Kühlaggregate sowie 40 MWh bzw. 20 MW zur Netzstabilisierung und Versorgungssicherheit. Die geplante Voll-Elektrifizierung der LKW- und Transporter-Flotte erzeugt einen hohen Strombedarf, der durch das Batteriesystem effizient und planbar gedeckt wird – insbesondere durch Lastverschiebung (Loadshifting) bei nächtlichen Ladevorgängen. Überschüssige PV-Energie wird zusätzlich am Regelenergiemarkt angeboten oder zur Netzstabilisierung genutzt. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zur Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern.
Die elektrische Großspeicheranlage hat die Aufgabe, den produzierten Strom der eigenen Photovoltaikanlage (ca. 9 MWp) mit den Verbrauchern (vorw. LKW & PKW Ladesäulen, Kühlaggregate, etc.) zu puffern.
Das System ermöglicht es, PV-Überschüsse am Tag aufzunehmen und nachts für das Laden der E-LKW bereitzustellen, wodurch ein Autarkiegrad von bis zu 95 % erreicht wird. Parallel werden Lastspitzen deutlich reduziert und der Netzanschluss entlastet. Die Anlage unterstützt außerdem das Stromnetz, indem sie überschüssige erneuerbare Energie aufnimmt oder negative Regelenergie bereitstellt und daher als präventive Blackoutversorgung bzw. zur Netzstabilisierung beiträgt.
Roadmap to Zero
2021 hat Schachinger Logistik die Klimastrategie „Roadmap to Zero“ gestartet, die Bestandteil der gesamten Nachhaltigkeitsstrategie „Driving Change“ ist. Die Verantwortung zur Umsetzung der Energiestrategie trägt Nikolaus Skarabela, Energie- und Mobilitätsbeauftragter. Ziel ist unter anderem die schrittweise Dekarbonisierung und somit die Defossilisierung des gesamten Fuhrparks. Der Startschuss fiel mit E-PKW bereits im Jahr 2010. Heute sind über 80 Prozent der PKW von fossilem Antrieb auf Elektromobilität umgestellt. Erste Versuche mit E-LKW wurden 2014 durchgeführt, damals auch mit dem Netzwerk Council für Nachhaltige Logistik, das Feedback zu den praxisorientierten Anforderungen half damals den Herstellern. Jetzt haben die Fahrzeuge ein Leistungsniveau erreicht, dass diese wirtschaftlich gut laufen. 25 Prozent der Flotte sind umgestellt. Pro Jahr kommen rund sechs neue E-PKW und sieben neue E-Lieferfahrzeuge dazu, bei den E-LKW ist der Bestand mittlerweile auf 30 Fahrzeuge angewachsen.
LKW l beim Laden
Das Laden eines modernen E-LKW dauert rund 1,5 Stunden – exakt so lange wie das Be‑ und Entladung. Für die Fahrer entsteht kein zusätzlicher Aufwand. "Sonnenstrom über eigene Ladestationen am eigenen Betriebsgelände, also dort wo unsere Fahrzeuge ohnehin stehen, während der Warenladungen. Mit Carports und Truckports machen wir versiegelte Flächen für die Energiewende nutzbar. Mit darauf montierten Photovoltaik-Paneelen nutzen wir dieselbe Fläche doppelt: Die Ports spenden Schatten für Fahrzeuge und Fahrer und erzeugen gleichzeitig den Strom, mit dem wir unsere Flotte laden. Über ein erweitertes Biodiversitätskonzept wird bereits nachgedacht”, sagt Nikolaus Skarabela, Energie- und Mobilitätsbeauftragter, Schachinger Logistik
Ladeinfrastruktur von Partner-Unternehmen nutzen
Damit Ladeinfrastruktur nicht nur am eigenen Standort, sondern auch unterwegs wirtschaftlich genutzt wird, beteiligt sich Schachinger an „Charge with Friends“, einer österreichweiten Plattform des Ladeinfrastruktur-Partners kW-Solutions. Die Idee dahinter ist, dass Transportunternehmen ihre Depot-Ladepunkte bilateral für befreundete Frächter öffnen. Dadurch laden sie günstiger an den Standorten – nach dem Motto „Von Logistikern für Logistiker“. Öffentliches Laden wird so reduziert, die eigene Infrastruktur besser ausgelastet und die Wirtschaftlichkeit von E-LKWs im Fernverkehr verbessert.
Der Hauptstandort Hörsching ist als Ladestandort im Netzwerk gelistet und steht Partnerunternehmen zu vereinbarten Konditionen zur Verfügung, so leistet das Unternehmen einen Beitrag zu einer besser ausgelasteten, gemeinsam genutzten Ladeinfrastruktur für die gesamte Branche.
Wirtschaftlichkeit durch Diesel-Einsparungen
Rund 600 Lkw legen für das Unternehmen jährlich im Schnitt 150.000 Kilometer zurück, in Summe werden dafür rund 20 Millionen Liter Diesel pro Jahr benötigt. "Den heutigen Kraftstoffkosten stehen die deutlich niedrigeren Gestehungskosten von selbst erzeugtem Strom gegenüber, das ist der Unterschied zwischen einer reinen Kostenstelle und einem tragfähigen Business Case", heißt es von Seiten des Unternehmens.