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Alexandra Gruber, Wiener Tafel

Mit der Eröffnung des TafelHauses am Großmarkt Wien hat die Wiener Tafel 2018 die Weichen für eine neue Ära in der sozialen Transferarbeit der österreichischen Tafeln gestellt. Dafür wurde die Geschäftsführerin der Wiener Tafel und Obfrau des Verbandes der österreichischen Tafeln zur Nachhaltigen Gestalterin 2018 gewählt. Wir haben sie zu ihrem Engagement befragt.

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Gruber-EroeffnungTafelhaus Foto: Peter Leskovar csr-circle2018_095_s6a3210-gruber-alexandra

Mit dem Lebensmittelverteilzentrum, direkt am größten Umschlagplatz für Obst und Gemüse in Österreich,  konnten die Mengen an geretteten Lebensmitteln um 20% gesteigert werden. Durchschnittlich eine Tonne Obst, Gemüse, Milchprodukte und andere dringend benötigte Lebensmittel werden im TafelHaus pro Tag umgeschlagen. 

Wieso arbeiten Sie bei der Wiener Tafel und seit wann?

Ich engagiere mich seit 2012 ehrenamtlich für die Wiener Tafel, seit 2015 hauptamtlich als GF und seit 2016 zusätzlich ehrenamtlich als Obfrau im Verband der österreichischen Tafeln.

Welches Problem / welche Probleme lösen Sie mit dem TafelHaus? Was ist nun besser?

Mit dem ersten eigenen Sortier- und Verteilzentrum der Wiener Tafel, dem TafelHaus am Großmarkt Wien, können wir viel mehr Lebensmittel (Zuwachs von ca. 20 %) retten, sortieren, (gekühlt) lagern und an noch mehr armutsbetroffene Menschen in sozialen Einrichtungen weitergeben.

Wir sehen täglich am Großmarkt, dass wir noch viel mehr retten könnten: derzeit geben unsere begrenzten Lagerkapazitäten das Limit vor.

Welches Ziel hatten Sie zu Beginn Ihrer Aktivitäten und wie hat es sich in der Zwischenzeit verändert?

Am Beginn meiner Tätigkeit in der Wiener Tafel standen die strategischen Überlegungen, wie sich unsere Organisation am besten wirkungsorientiert und somit zukunftsorientiert aufstellen kann.

Dazu kamen von Beginn meiner Tätigkeit an eine sehr starke internationale Vernetzung und ein Austausch mit best practices aus anderen foodbanks / Tafeln über die Landesgrenzen hinweg.

Daraus leitete sich dann rasch eine Fülle von operativen Maßnahmen ab, die sich sehr schnell auf das Hauptziel, die Suche nach ersten eigenen Lagerstrukturen fokussierte.

Das Ziel, ein erstes Verteil- und Sortierzentrum der Wiener Tafel zu betreiben, hat sich daher eigentlich sehr rasch herauskristallisiert, nur der Großmarkt als optimaler Standort hat sich erst um einiges später ergeben.

Was bedeutet Erfolg für Sie?

Generell sind die Herausforderungen bei NGOs ungleich höher als jene in der Wirtschaft (als Quereinsteigerin aus der Wirtschaft kommend, traue ich mich dies zu sagen).

Erfolg hat daher gerade im Falle von NGOs wie der Wiener Tafel viele Mütter und Väter.

Als Wiener Tafel schätze ich mich glücklich, von so vielen professionell arbeitenden (ehrenamtlichen) MitarbeiterInnen umgeben zu sein, die hochmotiviert sind. Das ist eine Stärke, die nicht in Geld aufzuwiegen ist.

Andere Stakeholder bringen in das Tafelnetzwerk Kontakte, finanzielle Unterstützung, Ideen und vieles mehr ein, was für uns ebenfalls sehr wertvoll ist.

Gemeinsam werden wir in unserem Wiener Tafel Umfeld immer dann erfolgreich sein, wenn wir und alle unsere Stakeholder wie Zahnräder zum richtigen Zeitpunkt ineinander greifen, um dann letztendlich einen so großen Meilenstein, wie die Eröffnung des TafelHauses am Großmarkt Wien, gemeinsam feiern zu können.

Was waren die größten Hindernisse am Weg? Wie haben Sie sie bewältigt?

Sich als NGO einen solchen kapitalintensiven Wachstumsschritt zu trauen und darauf zu vertrauen, dass wir es auch schaffen werden, diesen Schritt nachhaltig zu finanzieren.

Es gab über mehr als zwei Jahre viele Rückschläge bei der Suche nach geeigneten Lagerstrukturen und Barrieren wie Mietgesetze, unfinanzierbar hohe Kosten, nicht optimale Gegebenheiten, hohe potentielle Renovierungskosten und andere Unwägbarkeiten zu überwinden.

Diese konnten erst gelöst werden, als unterschiedliche Stakeholder bereit waren, uns bei der Umsetzung unter die Arme zu greifen. Und auch viele Privatspender haben sich an unserer damaligen Spendenaktion beteiligt.

Was war Ihr größter Misserfolg? Was haben Sie daraus gelernt?

Es mussten zuerst zwei intensive Jahre mit Bemühungen nach eigenen Lagerstrukturen - auch am Großmarkt Wien - mit vielen gescheiterten Projektideen vergehen, bis endlich die Saat der Bemühungen aufgehen konnte.

Es braucht: Geduld. Ausdauer. Und die richtige Portion Glück zum richtigen Zeitpunkt!

Welche Partner haben Sie für die Verwirklichung des TafelHauses gebraucht und wie haben Sie diese für Ihr Anliegen gewonnen?

Das Projekt konnte nur durch die Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Stakeholder gelingen: von der öffentlichen Verwaltung über Unternehmen bis hin zu Privatspendern. Wir sind ihnen alle extrem dankbar, dass  damit das TafelHaus Wirklichkeit werden konnte.

Es braucht: Geduld. Ausdauer. Und die richtige Portion Glück zum richtigen Zeitpunkt!

Welche Partner haben Sie für die Verwirklichung des TafelHauses gebraucht und wie haben Sie diese für Ihr Anliegen gewonnen?

Das Projekt konnte nur durch die Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Stakeholder gelingen: von der öffentlichen Verwaltung über Unternehmen bis hin zu Privatspendern. Wir sind ihnen alle extrem dankbar, dass  damit das TafelHaus Wirklichkeit werden konnte.

Wer schätzt euer Angebot ganz besonders?

  • Die 100 von uns belieferten Sozialeinrichtungen
  • Unsere Partnertafeln im Verband der österreichischen Tafeln
  • Und besonders schön daran, auch wenn es nicht von Anfang an so geplant war: Das TafelHaus hat sich zu einem wunderbaren Integrationsprojekt entwickelt, wo Asylwerber gemeinsam mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Langzeitarbeitslosen, unseren ehrenamtlichen HelferInnen auf selber Augenhöhe zusammenarbeiten. Tafeln schaffen tagtäglich Orte der Begegnung und stehen gerade in Zeiten wie diesen für den besonders wichtigen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ein.

Gibt es Einwände / Sorgen ?

Die Aufrechterhaltung des Betriebs des ersten Lebensmittelsortier- und verteilzentrums am Großmarkt Wien muss letztendlich permanent durch Spenden weiter finanziert werden. Diese wichtige Spendeneinnahmen kontinuierlich zu gewährleisten ist eine große Herausforderung und bedarf besonderer Anstrengungen.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Unser vorrangiges Ziel ist ein zehnmal so großes Lager am Großmarkt Wien zu haben – Unsere Benchmark dabei sind andere europäische und internationale Tafeln, die entsprechende Lagerstrukturen oft von der jeweiligen Kommune und/oder Unternehmen und Privatpersonen gratis zur Verfügung gestellt bekommen.

Welche Sustainable Development Goals (SDGs) sind für Ihren Bereich besonders wichtig? Wo tragen Sie ganz besonders bei?

Als Tafeln verfolgen wir folgende Ziele:

1.Zero Poverty

2. Zero Hunger

12.3. Nachhaltige Entwicklung – food waste Reduktion von 50 % im Handel und beim Konsumenten

>>> Da food waste und Armut globale Themen sind, tragen die Tafeln als eine der größten Bewegungen zivilgesellschaftlichen Engagements auf der ganzen Welt zur Erreichung dieser Ziele bei.

Das Global Foodbanking Network (GFN), das ist die international tätige Tafelorganisation gehört bereits jetzt zu den „Friends of Champions 12.3

Es ist wichtig, dass es die SDGs gibt – jedes Unternehmen und jede Institution braucht ihre eigene SDG Agenda und sollte im jährlichen CSR Bericht daran gemessen werden!

Eckdaten zum Unternehmen:

  • Wiener Tafel, gemeinnütziger Verein, Wien
  • gegründet: 9.9.1999 (derzeit im 20. Jahr des Bestehens)
  • Branche: NGO
  • MitarbeiterInnen: 14 hauptamtliche MitarbeiterInnen, 350 ehrenamtliche HelferInnen
  • www.wienertafel.at

Zu den Nachhaltigen GestalterInnen 2018.

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