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Biodiversität in Österreich retten

Zehn Experten und Expertinnen aus Wissenschaft, Biodiversitäts- und Umweltschutz sowie Landwirtschaft sagen was Sache ist.

Schmetterlinge: hauhechel-blaeulinge
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Der im Mai 2019 veröffentlichte Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) warnt vor dem alarmierenden Rückgang der Artenvielfalt. Besonders Schmetterlinge reagieren sensibel auf die Klimaveränderungen sowie Lebensraumverluste. Heute sind durchschnittlich etwa 40 bis 60 % des Artenbestandes der Schmetterlinge in Roten Listen verzeichnet. Schmetterlinge und Insekten erfüllen weitreichende Aufgaben im Ökosystem und ihr Überleben sichert auch das Überleben der Menschen. Insekten und Schmetterlinge bestäuben viele Gemüse- und Obstarten, sind Nahrungsquelle für andere Tiere oder zersetzen das Material verstorbener Lebewesen.  

Der neue Report “Aufgeflattert – Biodiversität in Österreich: eine Vision für 2030” von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000 zum Schmetterlingssterben stellt Lösungsansätze und einen Forderungskatalog vor. Die Projektleiter Peter Huemer und Johannes Rüdisser haben sektorübergreifend zehn Persönlichkeiten für den Report ins Boot geholt.

12 Forderungen um mehr Biodiversität zu erreichen

  1. Bei allen neuen Gesetzen, Erlässen, Förderungen und Steuern wird überprüft, ob sie die Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sowie die 2020 aktualisierten Aichi-Biodiversitätsziele unterstützen. Bestehende Regelungen wurden in einer Übergangsphase von 5 Jahren entsprechend angepasst.
  2. Die Landnutzung orientiert sich in allen Bereichen (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Raumplanung) an dem Ziel, die Ökosystemleistungsbilanz zu optimieren und so multifunktionale und lebensfreundliche Landschaften zu fördern.
  3. Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft wird durch adaptierte Zulassungsverfahren, einem Verbot von vorbeugendem Pflanzenschutz und der Verbannung von Neonikotinoiden und Totalherbiziden, stark eingeschränkt.
  4. Agrarsubventionen orientieren sich an dem Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft sowie der Förderung ökologischer Leistungen durch Brachflächen, Strukturreichtum und Biotopvernetzung sowie der Begrenzung von Nährstoffüberschüssen. Die zielorientierten Förderungen orientieren sich am Ergebnis (Zunahme bzw. Erhalt der Biodiversität) und nicht an den Maßnahmen.
  5. Erhöhung der Artenvielfalt des Grünlands durch insektenfreundlichere Bewirtschaftungsweisen und einem weitgehenden Stopp des Verlustes an Grünland.
  6. Das Management von Naturschutzgebieten ist auf Insekten abgestimmt und die Fläche der geschützten Gebiete hat sich bis 2030 verdoppelt.
  7. Mehr Natur im öffentlichen Raum durch insektenfreundliche Grünflächen und die Erhöhung des einheimischen Blühpflanzenanteiles im urbanen Raum.
  8. Förderung von Wildbestäubern u. a. durch einen höheren Schutzstatus.
  9. Weniger Lichtverschmutzung durch technische Umrüstung bestehender Beleuchtungsanlagen auf für Insekten weniger attraktive Lampen und Leuchten und einer massiven Reduktion von Kunstlicht im Freiland.
  10. Forschungs- und Bildungsoffensive durch die Implementierung einer Taxonomie-Offensive für Experten und Amateur-Entomologen sowie die Förderung der Artenkenntnisse in breiten Bevölkerungsschichten.
  11. Etablierung eines österreichweiten systematischen Biodiversitäts-Monitoring und insbesondere eines Insekten-Monitorings.
  12. Öffentlichkeitsarbeit durch Fortbildungen für Lehrende sowie Bewusstseinsbildung in weiten Bevölkerungskreisen über mediale Aktivitäten.

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