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Feminismus Revisited

Erica Fischer ist eine der Gründerinnen der österreichischen Frauenbewegung, lebt seit 1988 in Deutschland und wirft einen neugierigen Blick auf den erneuten Aufbruch junger Frauen heute.

Erica Fischer in jungen Jahren mit einem Megaphon in der Hand am Cover des Buches

Das Buch ist eine Mischung aus autobiografischem Essay und Portraits von und Interviews mit jungen Frauen.

Einige ihrer Thesen und die ihrer Gesprächspartnerinnen

  • In Zeiten von Turbokapitalismus, Klimawandel und dem wachsenden Einfluss rechts nationalistischer Tendenzen und Parteien haben junge Frauen weniger Aussicht auf ein sozial gerechtes Leben als Frauen in den 1960er bis 1990-er Jahren.
     
  • Wir leben in einer Kultur in der sogenannte männliche Werte einen höheren Status genießen als sogenannte weibliche Werte. Tätigkeiten, die zerstören und gewalttätig sind, sind wichtiger als jene, die den Menschen, den Kindern, der Kultur, der Liebe und dem sozialen Miteinander dienen. Dieses patriarchalische Wertesystem richtet sich auch gegen Männer mit niedrigem Status.
     
  • Jungen lernen nicht unbedingt, dass sie mehr wert sind als Mädchen. Sie lernen, dass sie anders sind, oft dass sie das asoziale Geschlecht sind. Frauen können besser kommunizieren, Frauen sind sozialer. Der Druck auf beide Geschlechter sich entsprechend der Norm zu verhalten ist stärker geworden. Das Gespräch darüber, wo Jungen oder Männer diskriminiert werden wird häufig abgeblockt, weil es schwer ist sich damit auseinanderzusetzen.
     
  • Kinder sollten Ermächtigungs-Erfahrungen machen. Stattdessen erleben sie viele Entmächtigungs-Erfahrungen. Dadurch erlernen sie nicht, Verantwortung für die eigene Macht zu übernehmen.
     
  • Fischer hält viel von der sogenannten Restorative Justice, bei der sich Opfer mit dem Täter zusammen zu setzen und herausfinden was eine angemessene Wiedergutmachung sein könnte. Natürlich freiwillig und  unter Anleitung ausgebildeter MediatorInnen. Wenn es funktioniert kann es als Prävention für alle Seiten sehr hilfreich sein.
     
  • Trotz besserer gesetzlicher Grundlagen in manchen Ländern hat die Stigmatisierung von Sexarbeit und Sexarbeitenden nicht abgenommen, wir scheinen sogar einer zunehmenden Prüderie entgegenzugehen. Nicht der Sexismus, sondern der Sex wird als das wirkliche Problem wahrgenommen.
     
  • Der negative Beigeschmack des Wortes Feminismus ändert sich. Eine intelligente junge Frau kann es sich heutzutage kaum noch leisten sich vom Feminismus zu distanzieren ohne sich zu blamieren.
     
  • Jede Veränderung hat ihre eigenen Methoden. Heute sind diese mitteilen und die mediale Offenlegung.

Erica Fischer: „Ich habe gelernt zu zuhören und dazu zu lernen sollte ich erkennen, dass meine vertrauten Meinungen revisionsbedürftig sind. Über unterschiedliche Positionen kann man sich auseinandersetzen oder es auch sein lassen.“

Erica Fischer: Feminismus Revisited. Berlin Verlag, München 2019. ISBN: 978-3-8270-1387-3.

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