Food Innovationen für den Klimaschutz
Drei Unternehmen zeigen, wie Innovation im Ernährungsbereich aussehen kann.
Innovation muss nicht immer High-Tech sein oder ihren Ursprung im Labor haben. Geht es nach der Wirtschaftsagentur Wien soll die Stadt zum Zentrum nachhaltiger Ernährung werden. Wie das klappen kann und welche Beispiele es heute schon gibt, haben die Wirtschaftsagentur Wien, Climate Lab und Player aus der Ernährungs- und Lebensmittelbranche beim Vienna Breakfast Club vorgestellt.
kern tec - Innovation in Verarbeitung
Obst wird verarbeitet und die Kerne landen im Abfall. Warum eigentlich? Diese Frage stellte sich kern tec vor sieben Jahren und entwickelte ein Verfahren, mit dem Marillenkerne aus der Wachau zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet werden. Die Kerne wurden aufgrund giftiger Inhaltsstoffe in der Lebensmittelindustrie in dieser Form bisher nicht verarbeitet. In Kooperation mit Landwirt:innen und interdisziplinärer Arbeit zwischen der WU, BOKU und TU gelang es aber, die toxische Abfallprodukt sicher nutzbar zu machen. Das Ergebnis: Die Produktlinie Wunderkern, die Marillenkerne mit ihrem hohen Gehalt an Proteinen, Fettsäuren und Mineralien in Milchalternativen, Kakao und Käsealternativen umwandelt, Abfall vermeidet und regionale Wertschöpfung stärkt. kern tec zeigt, was Food Innovation im Zusammenspiel von Landwirtschaft und Wissenschaft, verbunden durch Unternehmertum, bewirken kann.
Mehr zur Verarbeitung von Obstkernen bei kern tec
KRUT - Innovation mit Tradition
KRUT zeigt, dass nicht jede Innovation neu sein muss. Um Lebensmittel vor der Verschwendung zu bewahren, rückte der Fokus auf Fermentation. Fermentation, die in unserer Gesellschaft vor allem in Form von Alkohol Bekanntheit genießt, ist in vielen Variationen möglich. Grundprämisse dabei: Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze wandeln organische Stoffe (z.B. Stärke, Zucker) in Säure, Gas oder Alkohol um. Das Produkt, das dabei herauskommt, punktet mit stärkeren Aromen, Darmgesundheit und besserer Nährstoffaufnahme. Das natürliche Verfahren macht zudem Lebensmittel länger haltbar. KRUT unterstützt gerne auch Interessierte bei der Umsetzung und Verbreitung von Fermentationsprodukten. Dadurch wollen sie dazu beitragen, dass unsere Ernährungssysteme abfallärmer, regionaler und saisonaler werden. Altes neu gedacht – nicht aus Nostalgie, sondern weil auch altes Wissen wertvoll ist.
Mehr zur Fermentation von KRUT
MILA - Innovation für’s Geschäftsmodell
Ein Lebensmittelgeschäft, in dem alle Einkaufenden auch einen Teil der Arbeit erledigen, statt nur zu konsumieren. Gibt`s nicht? Gibt`s doch! Denn der Mitmachladen MILA im 12. Wiener Gemeindebezirk agiert als Genossenschaft. Mit einem sozial gestaffelten Genossenschaftsbeitrag und einem Arbeitsaufwand von drei Stunden alle vier Wochen, ist man als Mitglied dabei. So verzeichnet der partizipative Supermarkt bereits über 1.000 Mitglieder. Was sie dafür bieten: transparente Preise bei allen Produkten. Denn bei MILA gibt es unabhängig vom Produkt einen einheitlichen 30 Prozent Aufschlag auf den Einkaufspreis. Das ermöglicht das einen Einkauf, der größtenteils billiger ist als in gewöhnlichen Supermärkten. MILA zeigt: Innovation kann auch bedeuten, ein neues Verständnis für Eigentum, Arbeit und Wertschöpfung aufzubauen.
Orlando Gruber