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Die Tafel innitiert eine Allianz gegen Lebensmittelverschwendung

Beim branchenübergreifenden Schulterschluss sind 36 Gemeinden, Unternehmen und Institutionen dabei - weitere können sich anschließen.

Rund 12 weiße Kübel von oben fotografiert, in denen 
Lebensmittel-Abfall wie Orangen- und Karottenschalen zu sehen ist.
Die Allianz arbeitet an Strategien mit dem Ziel, dass nur mehr tatsächlich ungenießbare Lebensmittel bzw. Abfall im Müll landen. Symbolfoto: Pablo Merchan Montes

Es sind große Player aus dem Handel, der Gastronomie, Industrie, Landwirtschaft und Logistik, dem Sozial- und Kommunalbereich. Darunter die ARA, Kastner, Ottakringer, REWE, die Stadtgemeinde Traiskirchen und viele andere mehr (die am Ende des Textes genannt sind), um nur einen Teil der 36 zu nennen. Die Tafel Österreich hat sie alle zusammengeführt, um gemeinsame Strategien gegen Lebensmittelverschwendung und Armut zu entwickeln. Es soll ein starkes Zeichen für mehr Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette sein.

"Die Kluft zwischen Überfluss und Bedarf zu beseitigen, ist vielen in diesem Land ein Anliegen."
–  Alexandra Gruber, Geschäftsführerin Die Tafel Österreich

Denn: „Mehr als eine Million Tonnen Lebensmittel im Müll und 1,5 Millionen Menschen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, sprechen eine klare Sprache", sagt Alexandra Gruber, Geschäftsführerin Die Tafel Österreich. „Eine Trendumkehr können wir als Verein nicht allein schaffen, sondern nur, wenn alle an einem Strang ziehen und sich klar zu nachhaltigen Zielen bekennen." Die Beteiligung von 36 zeige ihr: "Die Kluft zwischen Überfluss und Bedarf zu beseitigen, ist vielen in diesem Land ein Anliegen.“

Lebensmittelüberschüsse effizienter zu nutzen

Ziel der Allianz ist es, konkrete Lösungen zur Reduktion von Food Waste zu entwickeln, Lebensmittelüberschüsse effizienter zu nutzen und gleichzeitig Ernährungsarmut gezielt zu bekämpfen. Dieser Ansatz entspricht den SDGs, den Vorgaben der EU Waste Framework Directive sowie der EU Anti-Poverty Strategie. Innovativ sei, dass die Allianz ein ganzheitliches Nachhaltigkeits-Verständnis habe und Strategien entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickle.

Lebensmittelverschwendung sei eines der wenigen globalen Probleme, zu dessen Lösung wirklich jede und jeder etwas beitragen kann – vom Feld bis zum Kühlschrank, sagt Martin Frick, Direktor Deutschland, Österreich und Liechtenstein, United Nations Welternährungsprogramm (WFP): "Hier setzt diese Allianz an: Sie bringt Akteure zusammen, die zeigen, dass verantwortungsvolle Lebensmittelwirtschaft, soziale Solidarität und ökologische Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind – sondern der einzige Weg in Richtung zukunftsfähiger Ernährungssysteme.“

Von der Landwirtschaft über den Handel bis hin zur Außer-Haus-Verpflegung

Gesundes Obst und Gemüse für Menschen, die an Ernährungsarmut leiden, sind ebenso Themen der Landwirtschaft wie Ressourcenverbrauch, Regionalität und Saisonalität. Für Die Tafel Österreich ist die Lebensmittelrettung aus der Landwirtschaft ein noch relativ junger Bereich, 2025 konnten in diesem Bereich 300 Tonnen (+50 %) Frischware akquiriert werden.

Ein wesentlicher Faktor in der Wertschöpfungskette ist der Handel. Die Lebensmittelabfälle aus dem Handel sind seit Jahren rückläufig. Das hat gute Gründe – Stichwörter: bessere Planung, Bewusstseinsbildung. Dennoch ist der Handel mit seinem dichten Filialnetzwerk noch immer ein ganz wesentlicher Player im Bereich der karitativen Lebensmittelweitergabe. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands Österreich, will die in den vergangenen 25 Jahren gesammelten Erfahrungen in der Lebensmittelweitergabe erweitern und das gesammelte Fachwissen an andere weitergeben. Aktuell würden jährlich rund 22.000 Tonnen Lebensmittel an Sozialorganisationen gespendet. 

Massiv an Bedeutung gewonnen hat auch der Bereich der Außer-Haus-Verpflegung. Neben Gastronomie, Hotellerie, Caterings und Betriebsküchen sind auch Liefer-Dienste ein ernstzunehmender Faktor in der Lebensmittelverschwendung. Franz Tragner von United Against Waste setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung in diesem Bereich ein. Er sagt, er erreiche dabei "ein sehr breites Spektrum an Akteur*innen von Küchenchef*innen bis hin zu den Konsument*innen".  

Summit im Mai

Bereits im Mai werden die Allianz-Mitglieder zu einem ersten Summit in Wien zusammentreffen, um Herausforderungen, Ideen, konkrete Lösungen und Best-Practice-Beispiele aus dem In- und Ausland zu diskutieren und konkrete Umsetzungspläne zu schmieden.

Weitere Verbände, Institutionen, Unternehmen, denen das Thema ebenfalls ein Anliegen ist, seien herzlich eingeladen, der Allianz beizutreten. Weiterführende Informationen unter: allianz@tafel-oesterreich.at

Die Gründungsmitglieder der Allianz: ARA, Bäuerinnen Österreich, Bauernbund, BOKU University, Circular Economy Forum Austria, Danone, Forum Ernährung Heute, Handelsverband Österreich, Impact Hub Vienna, Independent Logistics Society, Interzero, Kastner, Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Lidl, Markenartikelverband, MPreis, Nordex Food, ÖBOG, ÖHV, Ottakringer, REWE, Schärmer Miskovez, Sodexo, Spar, Stadt Wien (MA 22, MA 39, MA 59), Stadtgemeinde Traiskirchen, Agrarmarketing Tirol, United Against Waste, Verband der Ernährungswissenschaften Österreichs, Zero Waste Austria.