zum Inhalt springen

Mitfühlende Arbeitswelten fördern

Erste Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt EU-CoWork zum Umgang von Unternehmen mit trauernden Mitarbeiter*innen.

Ein Mann, den man nur verschwommen von hinten sieht, legt einem anderen Mann, der niedergeschlagen zu Boden blickt, mitfühlend die Hand auf die Schulter. Im Hintergrund sieht man verschwommen Tische, Stühle und eine Pflanze.
40 Prozent der Befragten berichten, in den vergangenen zwei Jahren Trauer erlebt zu haben. Zugleich zeigt sich, dass kollegialer Zusammenhalt allein nicht genügt. Sie benötigen Strukturen, Ansprechpersonen und Freiräume, um in schwierigen Zeiten nicht allein gelassen zu werden. Foto: Getty Images/Unsplash

Leben findet auch im Unternehmen statt. Denn Menschen verbringen einen erheblichen Teil ihrer Zeit am Arbeitsplatz. In Österreich sind über 300.000 Menschen auf dem Arbeitsmarkt aktiv und leisten gleichzeitig Care-Arbeit für Angehörige. 90.000 Menschen versterben pro Jahr in Österreich. Damit sind mehrere Hunderttausend mit Verlust, Sterben, Tod und Trauer und individuellen Trauererfahrungen konfrontiert – auch am Arbeitsplatz.

Digitalisierung und Home-Office haben zusätzlich sowohl die Arbeitswelt als auch das soziale Gefüge in den Organisationen verändert. Verständnisvolle Arbeitgeber*innen, Vorgesetzte und Kolleg*innen können einen großen Unterschied für das Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit in Krisenzeiten machen. Im Gegensatz dazu kann mangelnde Unterstützung tiefe emotionale Wunden verursachen, die Gesundheit und das Wohlbefinden einschränken und die Vereinbarkeit von Sorgeaufgaben und Erwerbsarbeit erschweren.

Trauer und Pflege sind im Betrieb sehr präsent

Klaus Wegleitner, Soziologe und Sorgeforscher an der Universität Graz, erhebt im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts EU-CoWork, warum mitfühlende Arbeitswelten gefragt sind und wie Betriebe Menschen in existenziellen Krisen (z.B. im Fall von Tod oder schwerer Erkrankung eines Familienmitglieds) unterstützen können. Erste Ergebnisse verdeutlichen, wie präsent Trauer und Pflegeverantwortung im Arbeitsleben sind: 40 Prozent der Befragten berichten, in den vergangenen zwei Jahren Trauer erlebt zu haben. Zugleich zeigt sich, dass kollegialer Zusammenhalt allein nicht genügt. Sie benötigen Strukturen, Ansprechpersonen und Freiräume, um in schwierigen Zeiten nicht allein gelassen zu werden.

Das Projekt läuft noch bis Dezember 2028 und wird durch Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont Europa (Horizon Europe) der Europäischen Union mit einem Budget von rund 3,87 Millionen Euro unterstützt.

Neben Österreich werden auch Unternehmen in Belgien, Schweden, Griechenland und Großbritannien untersucht, Maßnahmen entwickelt und evaluiert. In Österreich wird das Forschungsvorhaben vom Zentrum für Interdisziplinäre Alterns- und Care-Forschung (CIRAC), dem Institut für Pastoraltheologie und dem Zentrum für Sozialforschung der Universität Graz sowie der Forschungsplattform Sorgenetz aus Wien getragen. Inhaltlich unterstützende Partnerorganisationen sind der Fonds Gesundes Österreich, das Österreichisches Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung, die Katholische Arbeitnehmer*innen Bewegung Steiermark, sowie der Dachverband Hospiz Österreich.