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Neue Landkarte für die Ressourcen in Österreich

Wer Kreisläufe schließen will, muss wissen, wo Ressourcen entstehen und wohin sie fließen. Für Österreich gibt es diese Karte jetzt. Sie zeigt Unternehmen Wege, die bisher im Verborgenen lagen.

Luftaufnahme einer Kläranlage
Kläranlage Foto: Getty Images/Unsplash

Österreich hat sich viel vorgenommen: Klimaneutralität bis 2040, Kreislaufwirtschaft als Säule des geplanten Klimagesetzes, CO₂-Speicherung nur für die letzten, unvermeidbaren Prozent, der Rest soll im Kreislauf bleiben. Damit rückt eine Frage ins Zentrum, die bisher selten gestellt wurde: Wo entstehen die Rohstoffe, Reststoffe und Nebenprodukte, aus denen die Produkte von morgen werden sollen, und wohin fließen sie heute? 

Diese Frage könnte der neue digitale BioBASE Kompass⁺ beantworten. Er verbindet Materialflüsse, Rohstoffe, Klimadaten und Wertschöpfungsketten in einem interaktiven Dashboard für Kreislaufwirtschaft, Defossilisierung und industrielle Transformation.

Landkarte Österreichs. Zu sehen sind die, je nach Bundesland und Bezirk aufgeteilte, anfallenden Mengen [in Tonnen und Jahr] an biogenen Ressourcen.
Ausschnitt aus dem BioBASE Kompass⁺ Foto: BioBase GmbH

Die Karte lesen

Stellen Sie sich eine Landkarte vor, auf der nicht Straßen eingezeichnet sind, sondern Ressourcen. Ein Blick auf CO₂: Rund 35 Millionen Tonnen im Jahr stammen aus großen Punktquellen, knapp zehn Millionen davon sind biogen und verteilen sich auf 37 Bezirke. Dieses biogene CO₂ ist ein Rohstoff: Mit grünem Wasserstoff wird daraus E-Methanol, ein Grundstoff für Chemie und Treibstoffe. Wer das vorhat, sieht auf derselben Karte, dass Österreich Methanol zu 87 Prozent importiert und 46 Forschungsprojekte bereits daran arbeiten. Der BioBASE Kompass⁺ zeichnet diese Karte für rund 260 Produkte, vom Rohstoff über Zwischen- und Nebenprodukte bis zum Abfall, bis auf Bezirksebene.

Wer die Karte zeichnet

Möglich wird das, weil Quellen zusammenfinden, die sonst getrennt bleiben: Produktionsstatistik, Außenhandel, Abfallwirtschaftsplan, Firmendaten, Forschungsdatenbank. Niemand zeichnet so eine Karte allein: Statistik und Verwaltung haben die Rohdaten, Betriebe kennen ihre Nebenströme, Forschung die neuen Verwertungspfade, Cluster und Verbände die Region. Dazwischen braucht es eine neutrale Stelle, die zusammenführt, und Nutzer:innen, deren Fragen die Karte genauer machen. Ehrlich dazugesagt: Regionale Mengen sind Schätzungen, keine Betriebsdaten; für die Standortfrage reicht das, für den Liefervertrag braucht es das Gespräch.

Von der Karte zur Route

Für Unternehmen wird aus der Karte eine Route. Die Suche nach Quellen, Mengen, Abnehmern und Partnern war bisher der zäheste Schritt jedes biobasierten Projekts. Wird sie zum Ausgangspunkt, schrumpft der Weg von der Idee zur Machbarkeit. Das beschleunigt Innovation, und jede Tonne im Kreislauf erspart ein Zertifikat im Emissionshandel.

Bernhard Windsperger

Der Autor 

Portraitfoto, auf dem ein Mann mit braunem Haar und weißem Hemd zu sehen ist.
Bernhard Windsperger Foto: BioBase GmbH

Dr. Bernhard Windsperger ist Geschäftsführer der BioBASE GmbH. 

Er hat Umwelt- und Bio-Ressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur Wien studiert. Seit 2013 arbeitet er auch am IIÖ – Institut für Industrielle Ökologie in den Themenbereichen Nachhaltigkeits- und Lebenszyklusanalysen, Möglichkeiten und Perspektiven zur Klimaneutralität in der Industrie, konsumbasierte Treibhausgas-Bilanzierung sowie im Bereich der „biobased industry“ und Kreislaufwirtschaft

BioBASE GmbH | Landkarte "BioBASE Kompass"

Veranstaltungshinweis:

Am 15. Oktober 2026 findet die Circular Carbon Conference in Wien statt. Programm und Anmeldung: hier. BUSINESSART ist Medienpartner der Veranstaltung.