neunerhaus zieht Bilanz 2025
Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie viel mit solidarischen, niedrigschwelligen Angeboten möglich ist – sie zeigen aber genauso klar, wo die Grenzen liegen.
neunerhaus erreicht jährlich tausende Menschen mit Wohnen, Gesundheit und sozialer Unterstützung – und macht damit auch sichtbar, wie groß die Versorgungslücken in Österreich weiterhin sind. Der Jahresbericht 2025 ist somit Leistungsbilanz und Warnsignal zugleich: Niederschwellige Angebote wirken – stoßen aber dort an Grenzen, wo leistbarer Wohnraum fehlt, Gesundheitsversorgung nicht für alle zugänglich ist und Unterstützung erst erfolgt, wenn Armut, Krankheit oder Wohnungslosigkeit bereits weit fortgeschritten sind.
Das Jahr 2025 war für neunerhaus von hoher Nachfrage nach den Angeboten sowie gleichzeitig von großem Engagement der Mitarbeiter*innen geprägt: Im neunerhaus Café wurden im vergangenen Jahr fast 15.000 Mahlzeiten und über 43.000 Getränke ausgegeben. Im neunerhaus Gesundheitszentrum wurden über 5.300 Patient*innen in rund 34.000 Behandlungen versorgt. In den drei neunerhaus Wohnhäusern lebten insgesamt 245 Bewohner*innen, darunter 94 junge Erwachsene. Über 1.000 Personen wurden durch neunerhaus Housing First und Mobil betreutes Wohnen begleitet.
Angebote am Limit
„Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie viel mit solidarischen, niedrigschwelligen Angeboten möglich ist – sie zeigen aber genauso klar, wo die Grenzen liegen: So konnten 2025 im neunerhaus Gesundheitszentrum um zehn Prozent weniger niederschwellige Beratungen durchgeführt werden, bei gleichbleibenden Personalressourcen und gleichzeitig steigendem Bedarf. „Dass es nicht an weniger Patient*innen liegt, zeigen die täglichen Warteschlangen vor unserer Tür. Zu uns kommen immer mehr Menschen mit immer komplexeren Problemlagen, deren Bearbeitung immer mehr Zeitaufwand benötigt; gleichzeitig stoßen wir ressourcenbedingt immer wieder an unsere Grenzen“, so Elisabeth Hammer. „Unsere Gesundheitsangebote arbeiten am Limit, leistbare Wohnungen bleiben Mangelware, und viele Menschen bekommen Hilfe erst, wenn es schon fast zu spät ist. Um Wohnungslosigkeit und Armut wirklich zu verhindern, braucht es politische Entscheidungen, die Gesundheit, Wohnen und soziale Teilhabe als Rechte sichern – und nicht als Glücksfall. Unsere Zahlen sind deshalb nicht nur Leistungsbilanz, sondern auch ein Warnsignal: Der Bedarf und die Belastungen bleiben hoch – und Unterstützung darf nicht vom Durchhaltevermögen der Betroffenen abhängen“, so Elisabeth Hammer.
Das letzte Auffangnetz
neunerhaus fordert daher einmal mehr, nicht im Bereich der Obdach- und Wohnungslosenhilfe zu sparen: „Wir sind das letzte Auffangnetz, danach gibt es schlichtweg nichts mehr. Was es braucht, sind Ausbau niederschwelliger Gesundheitsangebote, gesicherten Zugang zu medizinischer Versorgung unabhängig von Versicherungsstatus oder Einkommen, mehr leistbaren Wohnraum und die dauerhafte Verankerung von nachhaltigen Modellen wie Housing First. Denn nur eine Wohnung beendet Wohnungslosigkeit – und nur ein zugängliches, solidarisches System verhindert, dass Menschen durch alle Netze fallen“, so Elisabeth Hammer und ergänzt: „Aus meiner Sicht fehlt seitens der Politik noch das große Ganze; statt einzelner kurzfristiger Sparmaßnahmen braucht es mehr strategische Verantwortung für eine zukunftsfähige Sozial- und Wohnpolitik zur Verringerung sozialer Ungleichheit. Für neunerhaus bedeutet dies, dass wir aus der Organisation heraus stärker Impulse für Innovation, Umsteuerung und neue, zukunftsträchtige Wege auf individueller und systemischer Ebene setzen müssen und werden.
Das neunerhaus Fact Sheet steht zum Download bereit.