zum Inhalt springen

Sarah Lechner, BRüSLi

Viele Tonnen altes Brot und Gebäck landen jeden Tag im Müll. Vor allem für hartes Brot gibt es bisher nur wenig Verwendung. Seit Beginn des Jahres 2021 verarbeiten Sarah Lechner, Michael Berger und ihr Team altes Brot zu Müsli. 30 Tonnen Brot konnten laut eigenen Aussagen bereits gerettet werden. Neben “Schoko-Nuss” und “Cranberry-Nuss-Zimt” sind bereits neue Produkte in der Entwicklung; der Markteintritt in Süddeutschland ist für nächstes Jahr geplant.

Sarah Lechner
Foto: Brüsli

Zum Kurzvideo mit Sarah Lechner

BUSINESSART: Sarah, Lebensmittel wegwerfen – das widerstrebt vielen Menschen. Aber nur wenige machen ein Business daraus. Wie bist Du auf die Idee gekommen aus altem Brot Müsli zu erzeugen?

Sarah Lechner: Die Idee, aus Brot Knuspermüsli zu machen, ist durch Zufall entstanden. Die Kreativität liegt – wie immer – bei den Kindern. Wir haben ein Spiel gespielt „Was ist in unseren Lebensmitteln drinnen und wie werden sie erzeugt“. Auf die Frage „Was macht man alles aus Brot?“ hat mein Sohn gesagt „Müsli“. So ist die Idee entstanden und wir fanden sie so spannend, dass wir uns gleich in die Produktentwicklung und Marktvalidierung gestürzt haben – und so entstand BRüSLi.

Der Film „We feed the world“ hat für uns ein großes Thema aufgemacht. Wien schmeißt noch immer so viel Brot weg, wie Graz konsumiert. Es hat sich noch nichts geändert; es wird nur nicht mehr darüber gesprochen. Da haben wir beschlossen, eine Lösung zu finden, etwas bewegen zu wollen mit einem großen Impact.

Wie seid ihr gestartet?

Wir haben zuerst Rezepte ausprobiert, und uns selbst, aber auch unsere Familie, unsere Freunde und potenzielle Kunden gefragt, ob Brotmüsli überhaupt schmeckt. Begonnen haben wir in einem kleinen Rahmen in einer Industrieküche und das Müsli im Kontakt mit Kunde*innen kontinuierlich weiterentwickelt und verfeinert. Diese Marktvalidierung haben wir ein Jahr durchgespielt, bis wir die zwei Produkte haben, mit denen wir heute auf dem Markt sind.

Was waren die größten Herausforderungen?

Das war zum einem die Produktentwicklung. Es ist ein neuartiger Prozess bzw. ein Produkt, das man noch nicht kennt. Die erste Herausforderung war herauszufinden, wie wir das, was wir machen wollen, auch in größerem Maße produzieren können. Die nächste Herausforderung war, wie der Kunde das annimmt. Der Grundrohstoff ist bekannt – Getreide – aber es ist doch ein komplett neues Frühstückserlebnis. Herauszufinden, wie der Kunde denkt, zu lernen und zu verstehen und unsere Kommunikation anzupassen, waren wichtige Schritte.

Woher bekommt ihr das Brot und was macht ihr dann damit?

Wir holen das Brot von den Bäckereien ab – derzeit von Mann und von Ströck – dann wird es zerkleinert, geröstet, zu Knuspermüsli gebacken und mit den Zutaten – Gewürzen, Früchten, vermischt. So wird es zu BRüSLi. Derzeit gibt es BRüSLi “Schoko-Nuss” und “Cranberry -Nuss-Zimt” - erhältlich u.a. bei Billa, Billa Plus, einigen Naturkostläden sowie online.

Ihr entwickelt bereits neue Produkte. Wo steht ihr da?

Ein drittes Rezept ist in der Pipeline und Ende des Jahres wird es einen Müsliriegel geben. Wichtig ist uns, mit allen Produkten einen Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung zu leisten.

Einen Markteintritt in Süddeutschland habt ihr geplant?

Ja, das haben wir vor. Das ist auch der Grund, warum wir gerade in einer Finanzierungsrunde stecken, damit wir das auch durchführen können.

Welche Ausbildung bringst du denn mit?

Ich komme eigentlich aus der Medizintechnik, bin Ingenieurin, und war bisher in Start-Ups der Medizinproduktentwicklung tätig. Es ging immer von der Produktentwicklung über die Zertifizierung vom Produkt und Unternehmen bis hin zum Markteintritt. Einen Impact zu haben, war mir immer sehr wichtig. Das ist auch das, was die beiden Welten verbindet.

Im Wesentlichen geht es immer um die Zusammenarbeit mit Menschen. Die Herausforderungen sind in jedem Unternehmen sehr ähnlich. Das fachliche Know-How, die Lebensmitteltechnik, das kann man sich beibringen.

Wie bist Du in die Technik gekommen?

Ich war schon immer sehr technisch/naturwissenschaftlich interessiert. Im Endeffekt bin ich das Risiko eingegangen. Ich wusste auch nicht, was auf mich zukommt, das war etwas Ungewisses. Aber die Hürde ist, die Entscheidung zu treffen. Am Weg selbst war das kein Thema, keine Frage mehr.

Das Medizintechnik-Studium hat mich interessiert, weil ich den Impact gesehen habe, den ich an der Schnittstelle zwischen Medizin und Technik für die Gesundheit leisten kann. Das Technische allein war mir zu wenig.

Gibt es aus deiner Sicht ein Dilemma zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit?

Nachhaltigkeit kann wirtschaftlich auch teuer sein, kann mehr kosten. Das ist wahrscheinlich ein Dilemma für viele. Aber es ist auch oft etwas, für das der Kunde bereit ist, mehr zu zahlen. Denn wir wollen ja einen Beitrag leisten. Wir wollen ja einen besseren Planeten hinterlassen, als er derzeit ist. Wir wollen ja etwas bewegen und verändern. Und Veränderung kommt mit Herausforderungen und Kosten.

Wie sieht es denn mit den Rahmenbedingungen für nachhaltige Unternehmen aus? Was sollte da geändert werden?

Rein aus Unternehmersicht ist es wichtig, dass nachhaltigen Unternehmen eine Bühne gegeben wird um zu zeigen, was sie anders macht und welchen Beitrag sie leisten.

Was sich prinzipiell ändern sollte ist, dass jeder seinen Beitrag leistet und sein Konsumverhalten ändert, weil das die Wirtschaft am meisten bestimmt.

Du bist Jungunternehmerin: Was macht das Unternehmerin-Sein für Dich spannend?

Für mich spannend ist, dass man einen Beitrag leisten kann. Dass man weiß, wofür man seine Zeit und Energie investiert. Man sieht direkt den Output, den man generiert, man kann etwas bewegen, man kann etwas verändern, etwas anders machen, man kann selbstbestimmt entscheiden, wie man etwas gestaltet und wie man zusammenarbeiten möchte. Das sind für mich die schönen Seiten, genauso wie die Flexibilität des Unternehmertums.

Was ist besonders wichtig, wenn man Unternehmerin ist und erfolgreich sein will?

Erfolg ist immer sehr individuell definiert. Es soll auf jeden Fall die Motivation, die Leidenschaft für das Thema und der Spaß im Vordergrund stehen. Denn jedes Unternehmertum bringt Herausforderungen, Hürden und Probleme. Wichtig ist, immer die Lösung zu suchen – denn es gibt für alles eine Lösung.

Wie hast Du diese Selbstsicherheit, so etwas zu schaffen, entwickelt?

Ich bin als Frau in der Technik schon eher eine Minderheit gewesen, bin meinen Weg gegangen und denke, dass Jeder und Jede alles schaffen kann und dass es eher eine Einstellung zu sich selbst ist. Es ist ein gesellschaftliches Thema, dass uns gesagt wird, dass man gewisse Qualifikationen braucht. Ich denke aber, wenn die Motivation stimmt, wenn das 'warum' stimmt, dann ist das 'wie' keine Frage. Dann findet sich immer ein Weg.

Dein Tipp für 14-jährige Mädels?

Wenn die Motivation stimmt, kann man alles erreichen - der Unterschied liegt im machen, oder nur davon reden.

Gibt es einen Leitsatz oder ein Leitmotiv in Deinem Leben?

Es gibt keinen direkten Leitsatz. Ich bin eher ein optimistischer Mensch und bin der Meinung, dass es für alles eine Lösung gibt. Und dass alles, vor allem das Unternehmertum nur mit Zwischenmenschlichkeit, wie wir miteinander umgehen, wie wir andere wahrnehmen, also mit Beziehungen zu tun hat. Hinter jeder Rolle und jeder Position stecken nur andere Menschen und nur durch die anderen ist man auch selbst erfolgreich.

Sarah Lechner, Gründerin und Geschäftsführerin

BRüSLi GmbH, Wien

Branche: Lebensmittel, Circular Economy

Anzahl der Mitarbeiter*innen: 5

www.bruesli.com

Thema Mitarbeiter*innen:

Was ist Dir bei Mitarbeiter*innen besonders wichtig?

Mir ist wichtig, dass neue Mitarbeiter*innen gut ins Team passen, zur Unternehmenskultur. Der- oder diejenige muss zu den Werten passen, für die wir stehen, für eine gute Zusammenarbeit, und natürlich die Motivation, zu etwas Großen beizutragen und mit anzupacken.

Woran erkennst Du das?

Das ist immer schwierig zu erkennen. Es ist vor allem das persönliche Gespräch, das Zwischenmenschliche, wie man die Person kennenlernt. Wir involvieren im Prozess auch das Team, um mehrere Meinungen zu haben.