Studierende entwickeln Proof of Concept eines ESG-Tool
Im Zuge eines praxisnahen Studienprojekts an der FH Technikum Wien ist ein Werkzeug entstanden, das die Erfassung, Prüfung und Visualisierung von Nachhaltigkeitskennzahlen unterstützen soll.
Wie lassen sich Nachhaltigkeitskennzahlen einfacher erfassen, prüfen und übersichtlich darstellen? Mit dieser Frage beschäftigen sich fünf Studierende der FH Technikum Wien im Rahmen eines praxisnahen Studienprojekts. Entstanden ist ein Proof of Concept für ein ESG-Tool, das die Erfassung, Prüfung und Visualisierung von Nachhaltigkeitskennzahlen unterstützen soll.
Wenn Nachhaltigkeitsdaten aus vielen Bereichen zusammenkommen
ESG steht für Environmental, Social und Governance und umfasst damit ökologische, soziale und Aspekte der verantwortungsvollen Führung einer Hochschule. Die dafür benötigten Daten entstehen häufig nicht an einer einzigen Stelle: Energie- und Gebäudedaten liegen etwa im Facility Management vor, Lieferant*innendaten im Einkauf und Kennzahlen zu Mitarbeiter*innen und Studierenden im HR-Bereich und weitere Kennzahlen kommen aus anderen zuständigen Abteilungen.
Das von den Studierenden entwickelte Tool setzt genau an diesem Punkt an. Mitarbeiter*innen aus unterschiedlichen Abteilungen der Fachhochschule können relevante Kennzahlen in das Tool eintragen. Die Angaben werden anschließend nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft und freigegeben. Damit soll ein Prozess verbessert werden, der derzeit oft mit vielen manuellen Arbeitsschritten und unterschiedlichen Datenquellen verbunden ist. Nämlich: Je mehr Daten dabei manuell zusammengetragen und übertragen werden müssen, desto größer ist auch das Risiko für Fehler, etwa durch falsche Übertragungen, fehlende Angaben oder unterschiedliche Datensammlungsmethoden.
Im Mittelpunkt stehen bei diesem Projekt quantitative Kennzahlen des VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) -Standards. Der VSME ist ein freiwilliger Nachhaltigkeitsberichtsstandard, der insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen eine strukturierte Orientierung bei der Erfassung von Nachhaltigkeitsinformationen bietet.
Mehr Überblick und Nachvollziehbarkeit
Das Tool soll dabei nicht nur Daten sammeln. Ein wesentlicher Bestandteil ist die erwähnte Nachvollziehbarkeit: Änderungen an den Kennzahlen werden dokumentiert, sodass sichtbar bleibt, wann Anpassungen vorgenommen wurden. Darüber hinaus dokumentiert das Tool den Fortschritt bei der Sammlung der Kennzahlen nachzuverfolgen. Für das ESG-Management soll dadurch leichter erkennbar werden, welche Daten bereits vorliegen, welche Angaben geprüft wurden und wo noch Daten fehlen.
Eine weitere geplante Funktion ist die Einbindung eines Energie-Dashboards. Dadurch könnten Energiedaten anschaulicher dargestellt werden.
Aus einer praktischen Anforderung wird ein Studienprojekt
Aktuell befindet sich das Projekt noch im Stadium eines Proof of Concept. Eine Ausgründung ist derzeit nicht geplant und das Tool wird noch nicht von anderen Unternehmen eingesetzt. Das Projekt wird jedoch auch im kommenden Studienjahr weitergeführt. Im nächsten Schritt soll insbesondere eine geeignete Schnittstelle bzw. Integration entwickelt werden, die einen praktischen Einsatz des Tools ermöglicht. Entwickelt wurde das Dashboard von den Studierenden Barnabas Matrai, Oishik Roy, Lars Hosnedl, Tino Lengerov und Tahiraga Amrend.
Die Initiative für das Projekt ging ursprünglich von Vizerektor Stefan Sauermann aus. Ihm ist es ein besonderes Anliegen, praxisnahe Fragestellungen stärker mit dem Studienalltag zu verbinden. Das ESG-Tool ist dafür ein anschauliches Beispiel: Studierende greifen konkrete Anforderungen aus der Praxis auf und entwickeln daraus im Rahmen ihres Studiums einen ersten technologischen Lösungsansatz. Betreut wurden die Studierenden von Maxim Glaida, einem externen Lektor aus dem Kompetenzfeld Software Engineering and Architecture. Die Anforderungen für das ESG Management kamen von Lilly Grünewald, die das Thema Nachhaltigkeit und ESG Management an der FH Technikum betreut. Das Projekt startete im Wintersemester 2025/26 und wurde über zwei Semester hinweg im Rahmen der Lehrveranstaltungen „Innovation Lab 1” und „Innovation Lab 2” weiterentwickelt. Die mehrsemestrige Projektarbeit ist ein zentrales didaktisches Element dieser Lehrveranstaltungen und zielt darauf ab, nachhaltige, praxisnahe Lösungen zu entwickeln.
Nachhaltigkeit auch an der FHTW im Fokus
Das Projekt reiht sich in weitere Nachhaltigkeitsaktivitäten der FH Technikum Wien ein. Aktuell arbeitet die Hochschule unter anderem an ihrem zweiten freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht sowie an der Erstellung ihres CO₂-Fußabdrucks. Weitere Informationen zum Bereich Nachhaltigkeit findet man unter anderem HIER.
Und auch der erste Nachhaltigkeitsbericht gibt einen guten Überblick über Aktivitäten und Fortschritte.
Damit zeigt sich: Nachhaltigkeit wird nicht nur in Forschung und Lehre thematisiert, sondern zunehmend auch in konkrete Projekte und Prozesse übersetzt. Das ESG-Tool ist ein Beispiel dafür, wie angewandte Forschung und praxisorientierte Lehre gemeinsam neue Lösungsansätze für die nachhaltige Transformation entwickeln können.