zum Inhalt springen

CSR Circle „Green Finance“ 2020

Die großen Themen, wie wir das Klima „retten“ können, sind mit den SDGs (UN Sustainable Development Goals), dem Pariser Klimagipfel, dem Green Deal und im österreichischen Regierungsprogramm abgedeckt.

diskussion
Fotocredit: Martina Draper

Die prognostizierten Summen sind enorm, daher spielt das Finanzsystem in der ganzen Klimadebatte eine große Rolle. Denn die Finanzierung der Disruption in Richtung einer klimaneutralen Zukunft für alle kann nur von Politik, Finanzindustrie und Unternehmen gemeinsam getragen werden. Zahlreiche Podiumsgäste haben darüber diskutiert, wie „Climate Finance“ aussehen kann und was bereits auf Schiene ist.

Der Saal der Labstelle war zum Bersten voll, das Interesse am Thema enorm. Bettina Kerschbaumer moderierte wie immer wortgewandt durch einen interessanten Abend, der Einblicke in die Finanzwelt und deren Beitrag zu einer klimaneutraleren Wirtschaft beleuchtete. Das Credo lautete: „Das Finanzsystem kann das Klima retten, wenn wir es lassen!“. Das Thema Klima ist mit starker Dynamik in der Bevölkerung angekommen und ein außergewöhnlich zentraler Bestandteil des Green Deal der europäischen Kommission, die sich damit klar positioniert hat. Dieser wurde mit Rekordtempo erstellt, die Klimaneutralität für Europa bis 2050 noch im Dezember von allen Regierungschefs mit Ausnahme von Polen beschlossen. Seitens der Politik hat Jürgen Schneider aus dem neuen Klimaschutzministerium unterstrichen, dass der Weg zur Klimaneutralität gleichzeitig auch ein Investitions- und Innovationsprogramm sei, aus dem wirtschaftliche Chancen für diese globale Transformation lukriert werden können. Österreich könne sich als Vorreiter positionieren, wobei die Finanzwirtschaft hier als Verbündeter zu sehen sei.

Die Finanzwirtschaft hat vielen Regulatorien zu folgen, die teilweise auch in Richtung Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Dazu zählen v.a. die weltweit anerkannten ESG-Kriterien (environmental, social, governance), ebenso wie MiFID II (Market in Financial Instruments Directive) für österreichische Wertpapierunternehmen, erläutert, Peter Linzner von denkstatt, der mit „Tomorrow“, einem nachhaltigen Girokonto auf den Smartphone, ein gelungenes Beispiel für neue Produkte nennt. Und Monika Bäumel von der Volksbankengruppe, erwähnt auch gleich die Tatsache, dass Drittmittelfinanzierung nur mehr unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien möglich sei, auch bei den Banken selbst. Damit rücken Bemühungen von Unternehmen, ihr Kerngeschäft möglichst nachhaltig aufzustellen, noch stärker in den Fokus. Rosenbauer als börsenotiertes Unternehmen sei zwar vom Kerngeschäft nicht als „grün“ zu bewerten, bemühe sich aber als 150 Jahre altes Unternehmen mit 50 % Familienbesitz um regionale Produktion und liefere mit seinen Löschfahrzeugen weltweit auch Lösungen bei Klimakatastrophen, aktuell z.B. in Australien, so Vanessa Schabetzberger, zuständig für CSR bei Rosenbauer.

Die BONUS-Gruppe ist laut Claudio Gligo schon seit 1998 im Nachhaltigkeitsbereich tätig und von Beginn an ÖGUT zertifiziert. Die Strategie habe sich bestätigt, wenn auch das Umfeld mit ESG-Kriterien und Schwerpunkt Klima heute völlig anders sei. So würden die neuen Risiken, denen die Unternehmen durch den Klimawandel zusätzlich ausgesetzt sind, ins Kalkül gezogen. Man setze auf Bestandsscreening inkl. laufender Bewertungsgespräche mit investierten Unternehmen zu Steuerungszwecken. Ein weiteres Ziel sei es Mindestkriterien  hinsichtlich Nachhaltigkeit,  wie beispielsweise den UN Global Compact, zu erfüllen. Daher habe man auch die PRI unterzeichnet. Die Organisation prüft, ob die PRI Standards eingehalten werden und gibt der BONUS als Investorin ein fachliches und qualitatives Feedback, das bei der Weiterentwicklung hilfreich ist. Schließlich weist Herr Gligo auch darauf hin, dass es  bei Vorsorgekassen Bedarf für regulatorische Anpassungen gebe, um auch „impact Investments“ nutzen zu können.

saal-mit-claudio
Fotocredit: Martina Draper

Mit rund € 200 Mrd. AUM (assets under management) einer der „big player“, war die Zurich Insurance Group durch Johanna Köb, zuständig für „responsible investment“, vertreten. Die Zurich sei das erste Unternehmen, das die Klimaziele des 2050 UN Pledge unterschrieben hat. Derartige Branchengrößen können vor Klimarisiken schützen helfen, denn die beiden letzten Jahre seien aufgrund der Klimakrise für Versicherungen die teuersten der Geschichte gewesen. Es gehe viel um Szenarioarbeit, auch die ESG-Kriterien seien bei der Identifizierung von Risiken hilfreich. Impact Investing bei Zurich sei komplett auf Klima ausgerichtet, aber auch „divestment“ stehe auf der Agenda, denn Kohle, Ölsand und Ölschiefer seien keine adäquaten Anlagekategorien mehr, was mittelfristig oft herausfordernd sei. Einig sind sich alle Diskussionsteilnehmerinnen, dass Green Bonds derzeit eine wichtige Rolle in der Klimafinanzwelt spielen.

Die Runde der Publikumsfragen brachte noch weitere Vertiefung, z.B. zur Frage der im Raum stehenden Co2-Steuer. Diese sei allgemein erwünscht, müsse aber auf alle Verursacher gerechnet werden und solle laut Johanna Köb zwischen € 70,- und 80,- pro Tonne liegen. Das würde die Planbarkeit erleichtern auch Wirkung zeigen. Wie Privatanleger sich ein korrektes Bild machen könnten war auch Thema, denn hier gebe es v.a. Nachhaltigkeitsberichte als Informationsquelle, was die Entscheidung nur marginal erleichtere. Spannende Alternativen zum Sparbuch, v.a. in der noch länger prognostizierten Nullzins-Phase, könnten zusätzlich Finanzierungsquellen für Klimaprojekte erschließen. Auch hier sind geeignete Rahmenbedingungen seitens der Politik zu setzen.

Bericht von Ursula Oberhollenzer, MSc

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen