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Ernst Gugler, Kommunikationshaus gugler*

"Achtsamkeit gegenüber uns selbst und den anderen, Verbundenheit mit der Schöpfung, Können in dem Sinn, dass wir technologische Errungenschaften intelligent nützen, Innigkeit, indem wir für das brennen, was wir tun und in der Gemeinschaft unsere Fähigkeiten potenzieren und Mut, alte Wege zu verlassen und alte Glaubenssätze loszulassen."

Ernst Gugler
Ernst Gugler Foto: Rita Newman

BUSINESSART: Ernst, du hast für deine nachhaltigen Pionierleistungen viele hochrangige Auszeichnungen erhalten. Worauf bist du besonders stolz?

Ernst Gugler: Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich verspüre eine große Dankbarkeit für das, was uns in den letzten 30 Jahren gelungen ist. Diese Auszeichnungen beziehen sich alle auf etwas, das sichtbar ist, wie die Gebäude oder die Druckprodukte. Noch größer ist die Dankbarkeit für die Entwicklung der inneren Landschaft. Das sieht man nicht, aber es ist die Basis dafür, dass sich Außen etwas manifestieren kann.

Kannst du diese Entwicklung beschreiben?

Der Umweltschutz war mir seit jeher ein großes Anliegen und wir waren immer ganz vorne mit dabei. 2008 schlitterte ich dann in ein Burnout. Das war meine große Persönlichkeitskrise, ich war völlig ausgebrannt. Ich habe mich dann mit Yoga und Meditation beschäftigt, habe das Netzwerk achtsame Wirtschaft gegründet, Achtsamkeitsseminare und Motivationsabende besucht und veranstaltet. Dann habe ich auch einige Ausbildungen gemacht, zum Yogalehrer oder aktuell im Bereich der Körperarbeit. Wenn ich heute zurück blicke bin ich für diese Zeit sogar dankbar. Die Krise war ganz wichtig für mich. Ich habe meinen Fokus auf meine innere Entwicklung gelegt und das macht mich fast noch mehr stolz.

Hast du diese persönliche Entwicklung auch ins Unternehmen gebracht?

Das Private und das Berufliche gehören zusammen. Wir glauben, dass das nicht geht, aber das ist ganz zentral, denn für beide Bereiche gelten die gleichen Werte. Wenn du deine Persönlichkeit im Beruf ausblendest führt das zum Burnout. Ein Meilenstein war sicher die Begegnung mit Christian Felber im Attac-Unternehmerkreis und die Beschäftigung mit der Gemeinwohlökonomie. Damals habe ich gelernt, viele Dinge neu zu sehen, wie die Mitbestimmung im Betrieb und die soziale Gerechtigkeit.

Deine Branche ist ja nicht gerade die einfachste. Eine Druckerei nach der anderen sperrt zu, nur der Gugler baut kräftig aus. Wie geht das zusammen?

In der Druckerbranche hat der Konkurrenzdruck stark zugenommen, was zu einer Marktbereinigung geführt hat. Der steigende Preisdruck hat viele in die Insolvenz getrieben. Und das Thema Circular Economy, an dem wir mit viel Innovationskraft gearbeitet haben, war in den letzten Jahren noch nicht so nachgefragt. Das war eine sehr schwierige Zeit, auch für uns. Erst jetzt kommt das Thema zukunftsfähiges Wirtschaften in den großen Verlagen an und alle möchten angesichts des Massensterbens von Bienen und Insekten, der kaputten Böden und der Verschwendung von Ressourcen etwas machen. Die Diskussion um den Klimawandel feuert das zusätzlich an. Wir konnten den Umsatz im letzten Jahr um 25 Prozent steigern, und das mit zukunftsfähigen Produkten.

Darüber hinaus beschäftige ich mich in den letzten Jahren viel mit dem Thema Lean-Management. Wir optimieren die Prozesse in der gesamten Wertschöpfungskette. Auch wenn wir die Ökologie konsequent vorantreiben darf die Ökonomie nicht auf der Strecke bleiben.

Es heißt ja immer wieder, dass gedruckte Bücher und Magazine in Zeiten der Digitalisierung aussterben werden. Wie siehst du das als einer, der in der ersten Reihe steht?

Ich denke, es geht um ein gutes Miteinander. Im Bereich der Digitalisierung ist es wichtig, die Kunden zu begleiten. Wir spüren aber auch einen Gegentrend hin zum Haptischen, zu Dingen, die man angreifen kann. Viele wollen in Notizbücher schreiben, eine Rückbesinnung auf das Handwerk ist spürbar. Auch die Frankfurter Buchmesse hatte heuer ein Besucherplus von 8 Prozent.

Das Kommunikationshaus gugler* ist ja mehr als nur eine Druckerei. Ein großer Bereich des Unternehmens ist die Agentur. Welche Entwicklungen gibt es hier?

Noch vor einigen Jahren war das Thema „greenwashing“ sehr präsent, also den Produkten ein grünes Mäntelchen umzuhängen. Hier haben wir, gemeinsam mit unseren Kunden, immer darauf geschaut, authentisch in der Kommunikation zu sein, nicht ein Produkt grün zu machen sondern konsequent zu handeln. Derzeit beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie Kommunikation nachhaltig sein kann, sowohl im Inhalt als auch in der Umsetzung.

Was sind deine aktuellen Schwerpunkte?

Heuer haben wir die Genossenschaft ‚Print the Change‘ gegründet und ins Firmenbuch eingetragen. Unter diesem Dach haben sich die grünsten Druckereien Europas zusammengeschlossen. Weiters starten wir in Kürze mit einer Akademie für Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunikation und Leben und entwickeln dafür einen neuen Nachhaltigkeitslehrgang. Dort wird dann breites Knowhow und tiefes Verständnis der Zusammenhänge vermittelt sowie vielfältiges Methodenwissen, um den Wandel gestalten zu können, statt ihm hinterher zu hecheln. Kreislaufwirtschaft und Transformation wird eine große Rolle dabei spielen. Und dann sind wir gerade dabei mit einem Partner ein eigenes Klimaschutzprojekt in Kolumbien aufzubauen. Wir forsten auf und schützen den Regenwald am Rande des Amazonasgebietes. Damit kompensieren wirCO2-Emissionen aus vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten wie etwa von der Papiererzeugung.

Nachhaltiges Engagement ist oft mit Mehrkosten verbunden. Wie geht das mit dem Preisdruck in der Branche zusammen?

Zum einen dadurch, dass wir als GmbH organisiert sind und die Gesellschafter noch nie etwas herausgenommen haben. Auch der Ernst Gugler bezieht ein Gehalt, das im Bereich eines Druckers liegt. Zum anderen durch unsere Kunden, die den Mehrwert würdigen und bereit sind, das auch zu honorieren. Dafür bekommen sie auch ein Qualitätsprodukt, das gesund, schadstofffrei und mit Ökostrom hergestellt ist. Bei ihnen muss ich mich ganz besonders bedanken - ohne sie gäbe es gugler* nicht mehr und damit auch nicht die Entwicklung der nachhaltigen Produkte. So können wir der guten Sache konsequent treu bleiben. Ja, und auch die Mitarbeiter*innen schätzen es, dass wir etwas Sinnhaftes ins Leben bringen. Ich habe ein super Team.

Wie können wir den Klimawandel stoppen?

Wir müssen aufpassen, dass wir die Probleme nicht nur auf der Systemebene lösen. Natürlich gilt es, Böden zu regenerieren, weniger CO2 in die Luft blasen, Biodiversität erhöhen und vor allem den Fleischkonsum reduzieren. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Probleme der Zeit Ausdruck einer inneren Fehlentwicklung sind. Die Frage ist, wie es uns gelingt, die Trennung zwischen Erde und Mensch zu überwinden, dass wir uns als Einheit begreifen und nicht als Individuum, das sich von der Schöpfung abgekoppelt hat. Es gilt, achtsam zu sein und den Schmerz der Welt wirklich zu fühlen - nicht zu verdrängen. Wir dürfen dankbar sein für unseren wunderschönen Planeten und uns mit unserem Lebensquelle verbinden. Die Erde brauche ich nicht schützen, es geht um mich selbst, denn ich bin ein Teil von ihr und sie ist ein Teil von mir.

Was sagst du zu Friday for Future?

Ich war kürzlich selbst bei einer Demo hier in Melk dabei. Das ist schon cool nach vielen Jahrzehnten wieder einmal mitzumarschieren. In meiner Jugend war der Kampf um die Hainburger Au ein ganz starker Impuls für meinen Weg. Was ich den jungen Menschen mitgeben möchte ist, dass sie in der Liebe bleiben. Ich habe leider das Gefühl, dass sie sehr stark polarisieren und dass vor allem das Kämpferische, das „Dagegen“ durchkommt, was auch sehr wichtig ist. Gleichzeitig gilt es auch zu würdigen, was vorher war, denn es ist Teil unserer Entwicklungsgeschichte. Erst dann können wir das Alte, das Zerstörerische loslassen und gemeinsam neue Wege gehen. Es bringt nichts, wenn wir die Menschen verurteilen, da bleibt etwas Wesentliches auf der Strecke, und das ist die Liebe.

Welche Werte braucht es für eine gute Zukunft?

Achtsamkeit gegenüber uns selbst und den anderen, Verbundenheit mit der Schöpfung, Können in dem Sinn, dass wir technologische Errungenschaften intelligent nützen, Innigkeit, indem wir für das brennen, was wir tun und in der Gemeinschaft unsere Fähigkeiten potenzieren und Mut, alte Wege zu verlassen und alte Glaubenssätze loszulassen.

Du hast mir vor zwei Jahren erzählt, dass du dir nach so vielen Jahren einmal eine kleinere Auszeit gönnen möchtest, um zu mehr innerer Ruhe zu finden und ins Sein zu kommen. Ist dir das gelungen?

Jetzt bohrst du zum Schluss noch in einer Wunde (lacht). Sagen wir so: Die Sehnsucht ist noch immer da und die Pläne für die Umsetzung sind für Anfang kommenden Jahres schon sehr konkret.

Der Satz deines Lebens?

Sei unwissend und spontan für das Jetzt.

Ernst Gugler
Kommunikationshaus gugler*
Gegründet: 1989
Sitz: Melk
Mitarbeiter*innen: ca. 105
Website: www.gugler.at

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