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Green HR-Management

Wie die Personalabteilung eine grüne Unternehmenskultur fördern kann..  Kommentar: Johannes Kreiner, Geschäftsführer Sage DPW

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Johannes Kreiner Foto: Sage DPW

Grünes Recruiting, ökologisch nachhaltige Zielvereinbarungen oder Weiterbildung in punkto Umweltbewusstsein sind relativ junge Themen im HR-Bereich. Sie gewinnen aus gleich mehreren Gründen zunehmend an Bedeutung.

Die stetig fortschreitende Umweltverschmutzung und die Verknappung natürlicher Ressourcen werden zur Existenzfrage für die Menschheit. Ein weltweiter gesellschaftlicher Konsens für ein proaktives Umweltmanagement ist endlich keine Zukunftsvision mehr, sondern eine dringende Notwendigkeit. Während sich auf internationaler Ebene Regierungen dafür einsetzen, die Folgen der Klimakrise zu minimieren, wurde betriebliches Umwelt- und umweltorientiertes Personalmanagement bei vielen Unternehmen bisher vernachlässigt. Nun steigt Green HR-Management jedoch zu einem zentralen Thema in den Personalabteilungen auf.

Das Institut für Personalmanagement an der Wirtschafts-Universität Wien definiert dies folgendermaßen: „Green Human Resource Management (Green HRM) ist ein relativ junges Forschungsfeld, unter dem all jene Aspekte und Praktiken im Personalmanagement verstanden werden, die ökologische Nachhaltigkeit verfolgen. Damit wird angestrebt, die Ziele des Unternehmens und der Gesellschaft im Ganzen zu vereinbaren, d. h. gesellschaftliche Ziele sollen ohne Abstriche bei den unternehmerischen Zielen realisiert werden. […] Immer mehr Unternehmen erkennen, dass kultureller und struktureller Wandel nur durch die Begleitung der dabei beteiligten Menschen erreicht werden kann. Green HRM bietet die dafür nötigen Ansatzpunkte.”

Die Personalabteilung spielt daher eine zentrale Rolle bei der Einführung einer grünen Unternehmenskultur und der Verankerung des Umweltgedankens bei den Führungskräften und den Mitarbeitern. Die HR-Verantwortlichen haben die Aufgabe, konkrete Vorschläge bzw. Maßnahmen zu erarbeiten, welche die Mitarbeiter zu klimafreundlichem Verhalten motivieren.

Grüne Unternehmenskultur und ihre Maßnahmen

Aber welche Schritte können für ein verstärktes ökologisches Bewusstsein bei den Mitarbeitern gesetzt werden? Die Schlüsselfaktoren in der Umsetzung einer umweltfreundlichen Unternehmenskultur sind Information und Enablement. Wie kann z.B. Energie gespart und Müll reduziert werden? Wie können Manager in ihrer Vorbildrolle als „grüne Botschafter“ unterstützt werden? Und wie können Mitarbeiter sich an Ideenfindungen für gemeinsame ökologische Ziele im Arbeitsalltag beteiligen?  

Für eine grünere Unternehmenskultur braucht es fürs Erste keine großen Strategien. Appelle an die Belegschaft weniger auszudrucken und den Abfall zu trennen sind praxisnahe Beispiele, um auf das Thema initial aufmerksam zu machen. Weitere einfach umzusetzende und effektive Maßnahmen, die Kosten einsparen, sind die Verwendung von Energiesparlampen und das automatische Abschalten des Computers bei Inaktivität. Eine Selbstverständlichkeit sollte auch das Ausschalten des Lichts sein, wenn Mitarbeiter den Raum verlassen. Zur Förderung von „grünem Arbeiten“ können Unternehmen Home-Office Tage oder flexible Arbeitszeiten anbieten, um Schadstoff-Emissionen zu reduzieren. Statt Dienstreisen können Telekonferenzen gefördert werden. Und Autofahrten im Nahbereich lassen sich durch zur Verfügung gestellte Fahrräder ersetzen.

Grünes Recruiting

Potenzielle Arbeitnehmer wählen ihre Arbeitgeber zunehmend aufgrund ihres positiven Images, ihrer Profitabilität, ihres sozialen Engagements und ihrer betrieblichen Aktivitäten zur Schonung der Umwelt. Arbeitgeber sollten ökologische Ziele und Prozesse daher als wichtigen Baustein des Employer Branding sehen und diese aktiv kommunizieren.

Aber auch Unternehmen suchen immer mehr ökologisch orientierte Mitarbeiter. Eine entsprechende Passgenauigkeit führt kann in diesem Zusammenhang zu einer verstärkten Identifikation mit dem Unternehmen und zu einer langfristigen Bindung führen. Ratsam ist es auch, ökologische Aspekte in individuellen Zielvereinbarungen zu verankern. Eine Möglichkeit wäre es, die variablen Gehaltsanteile und Boni an ökologische Unternehmensziele zu knüpfen. Damit sich die Mitarbeiter mit diesen Zielen identifizieren und motiviert fühlen, sind die ökologischen Ziele möglichst gemeinsam zu formulieren.

Vorteile einer ökologisch nachhaltig ausgerichteten Unternehmensstrategie

Noch immer glauben einige Unternehmen nicht, dass sich wirtschaftlich gewinnbringendes Handeln mit Umweltschutz verbinden lässt. Die Vorteile liegen jedoch auf der Hand: Einsparung von Kosten und eine gesteigerte Effizienz durch den achtsamen Einsatz von Ressourcen. In vielen Ländern gibt es für nachhaltiges Wirtschaften Steuererleichterungen und Förderungen für ökologische Maßnahmen und Projekte.  Wenn Ideen für grüne Projekte darüber hinaus von Angestellten gefördert werden, indem sie beispielsweise unternehmensintern als Botschafter für ihre Sache fungieren, steigt nachweislich deren Selbstverantwortung und Problemlösungskompetenz.

Auf dem Weg hin zu einem nachhaltig agierenden Unternehmen gibt es vieles zu beachten. Eines ist allerdings von essenzieller Bedeutung: Die oberste Führungsebene muss die Unternehmensstrategie und das „Green Management“ konsequent unterstützen. Gerade Führungskräfte haben Vorbildfunktion, wenn es darum geht, nachhaltiges Umweltverhalten bei den Mitarbeitern zu etablieren. Eine zentral verankerte Nachhaltigkeitsstrategie und strategisches Umweltmanagement müssen innerhalb des Unternehmens für jeden klar nachvollziehbar sein, täglich im Arbeitsalltag gelebt und als kontinuierlicher Verbesserungsprozess verstanden werden.

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