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oekom Corporate Responsibility Review 2017

Erstmals Aufwärtstrend sichtbar: Jahresbericht zur globalen Nachhaltigkeitsleistung der Unternehmen

  • Aufwärtstrend in der Nachhaltigkeitsleistung vor allem im Mittelfeld des Unternehmensrankings erkennbar

  • Die meisten Outperformer kommen weiterhin aus Frankreich

  • Nicht alle Branchen sind gleichermaßen gut aufgestellt für die Herausforderungen eines sich wandelnden Umfelds

Die unabhängige Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research stellt in ihrem aktuellen Jahresbericht „Corporate Responsibility Review 2017“ zur Nachhaltigkeit in der globalen Unternehmensführung erstmals einen mehr als nur leichten Aufwärtstrend fest. Dieser ist vor allem im Mittelfeld der bewerteten Unternehmen zu beobachten. Als einer der Gründe kann hierfür vor allem der Veränderungsdruck angesehen werden, der von vielen Seiten auf die Unternehmen wirkt und Impulse für mehr Nachhaltigkeit setzt.

Hierzu zählen internationale Initiativen wie die UN Sustainable Development Goals (SDG), staatliche Regulierungen, die gestiegenen Anforderungen des nachhaltigen Kapitalmarktes und ein allgemein gewachsenes Nachhaltigkeitsbewusstsein. Zudem müssen Unternehmen verstärkt auf Transformationsprozesse in der Wirtschaft reagieren, wie sie sich beispielsweise durch die Dekarbonisierung für die Energiebranche oder die E-Mobilität für den Automobilsektor darstellen.

In der Studie wird deutlich, dass nicht alle Branchen für diese Chancen und Herausforderungen gleichermaßen gut aufgestellt sind. Der Verbesserungsbedarf in Richtung einer umfassenden Nachhaltigkeit ist weiterhin groß.  

Die Nachhaltigkeitsleistung der Unternehmen: Tendenz leicht steigend

Während der Anteil der Unternehmen in der Spitzengruppe, die gute oder sehr gute Nachhaltigkeitsleistungen aufweisen und somit mit dem oekom Prime Status ausgezeichnet wurden, im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant geblieben ist (von 16,29 Prozent in 2015 auf knapp über 16,5 Prozent in 2016), ist der Anteil der Unternehmen im Mittelfeld, die zumindest grundlegende Ansätze für ein Nachhaltigkeitsmanagement zeigen, verhältnismäßig deutlich gestiegen. Waren es hier in 2015 noch 35,86 Prozent, so sind es nun bereits 40,15 Prozent.

Mit 43,31 Prozent weist jedoch  nach wie vor die größte Gruppe der Unternehmen unzureichende Leistungen auf. Dies sind aber  immerhin knapp zehn Prozentpunkte weniger als noch vor vier Jahren.

Das Ranking der Branchen wird angeführt von den Bereichen Automobile und Household & Personal Products, jedoch sind beide von einer bestmöglichen Bewertung immer noch weit entfernt. Mit Werten von 46,5 bzw. 44,7 Punkten bleiben sie auf einer Skala von 0 bis 100 sogar deutlich unter 50 Punkten. Ähnlich wie die Automobilbauer, die trotz Abwertungen einzelner Unternehmen im Zuge der Vorkommnisse um Abgas- und Emissionswerte immer noch relativ gute Bewertungen erzielten, ist auch die Branche Household & Personal Products vergleichsweise klein. Sie weist in einigen zentralen Bereichen gute Standards ohne größere Abweichungen nach unten auf. Unter den jeweils bestplatzierten Unternehmen pro Branche stammen die meisten aus Frankreich (16 Unternehmen), gefolgt von Deutschland (12) und Großbritannien (11). Dahinter kommen die USA und Schweden (jeweils 6) vor den Niederlanden (5) und Japan (4).

Die kontroversesten Branchen mit schwerwiegenden Verstößen gegen die Prinzipien des UN Global Compact stammen auch dieses Jahr wieder aus dem Rohstoffsektor. Negativer Spitzenreiter ist die Branche Oil & Gas Equipment /Services, in der sechs von zehn Unternehmen entsprechende Kontroversen aufweisen.

Transformationsprozesse: wie nehmen Unternehmen die Herausforderungen an?

Vor dem Hintergrund vielfältiger Transformationsprozesse und der Erwartung, einen echten Beitrag zur Erreichung der SDGs zu leisten, müssen Unternehmen Nachhaltigkeit noch stärker als zuvor in ihr Kerngeschäft integrieren. Dementsprechend müssen sich auch die Geschäftsmodelle ändern. Der oekom CR Review 2017 untersucht anhand ausgewählter Branchen im Detail, wie Unternehmen diese Herausforderungen annehmen und welche Beiträge sie zur Erreichung der SDGs konkret leisten.

In Bezug auf die durch den Klimawandel verursachten Anpassungsherausforderungen ist es für Unternehmen und Investoren wichtig, dass sie Klimarisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigen. So lässt sich auf Basis der Bewertungen im oekom Carbon Risk Rating feststellen, dass zur Erreichung der globalen Klimaziele noch deutlich mehr geleistet werden muss. Von den knapp 1.600 untersuchten Unternehmen finden sich über 91 Prozent der Unternehmen im Bewertungsbereich zwischen 0 und 50 (auf einer Skala von 0 bis 100) und weniger als 9 Prozent zwischen 51 und 100 Punkten.

Zentrale Transformationsherausforderungen in der Automobilbranche sind die Markteinführung emissionsfreier Alternativen zum Verbrennungsmotor sowie das Voranbringen grundlegend neuer Mobilitätskonzepte, die verschiedene Verkehrsträger sinnvoll und nachhaltig miteinander vernetzen. Gerade hier zeigt sich deutlich, dass die alten Produktstrategien nicht mehr funktionieren. Obwohl wesentliche Zukunftsfragen eher heute als morgen angegangen werden müssten, setzen die Automobilhersteller nach wie vor hauptsächlich auf den Verbrennungsmotor. Es ist daher davon auszugehen, dass die für 2016 noch festgestellte relativ gute Branchenperformance mittel- und langfristig unter Druck geraten wird.

Ebenfalls unter Druck geraten die Unternehmen der Öl- und Gasbranche, zumal sie immer mehr im Fokus von Divestment-Maßnahmen stehen. Aus Nachhaltigkeitssicht gibt es hier einen enormen Veränderungsbedarf, sollen die globalen Klimaziele erreicht werden. Die gegenwärtigen Geschäftsmodelle gehen jedoch größtenteils noch von einer weitgehend ungebremsten Nachfrage nach Öl und Gas aus und lassen kaum Änderungswillen erkennen, was durch aktuelle klimapolitische Dekrete zugunsten fossiler Energieträger in den USA sogar noch gefördert wird. Demzufolge hat die Branche mit nur vier von 146 bewerteten Unternehmen eine der schlechtesten Prime-Quoten im oekom Universum. Die Branchenperformance von 23,4 Punkten zählt zudem zu einer der schlechtesten im oekom Universe.

Eine Schlüsselrolle in der Transformation globaler Wirtschaftskreisläufe hin zu einer nachhaltigeren Welt hat die Lebensmittelindustrie. Sie gilt als zentraler Mitverursacher globaler Megatrends wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und Artenverlust. Allerdings reagiert sie auf den steigenden Transformationsdruck nur ungenügend. Die Branche nimmt momentan für die Herstellung von aus Ernährungssicht mehrheitlich problematischen Produkten zusätzlich noch massive negative Umwelt- und soziale Auswirkungen in ihren Lieferketten in Kauf. Die durchschnittliche Branchenperformance liegt bei 33,3 Punkten, was immerhin noch dem unteren Mittelfeld entspricht, aber ebenfalls großen Verbesserungsbedarf zeigt.

Robert Haßler, CEO von oekom research: „Viele negative Auswirkungen des nicht-nachhaltigen Wirtschaftens wie der sich verstärkende Klimawandel oder zu Ende gehende Ressourcen haben sich mittlerweile finanziell materialisiert und sind deutlich wahrnehmbar. Auch wenn nicht alle Branchen gleichermaßen bereit sind für die Herausforderungen des Wandels, zeigt der Trend deutlicher als in den Vorjahren, dass es in die richtige Richtung geht. Dass zudem der Finanzmarkt in zunehmendem Maße gute ESG-Standards einfordert und in zukunftsfähige Geschäftsmodelle investieren möchte, nährt die Hoffnung, dass das Thema so fest verankert ist, dass auch politische Rückschritte in einzelnen Ländern – wie sie aktuell vor allem in den USA zu erkennen sind – keinen substanziellen Einfluss auf die notwendigen Veränderungsprozesse haben werden. Ich stimme daher mit Joschka Fischer, dem Vorwortgeber des diesjährigen CR Review und ehemaligen Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, in der Einschätzung überein, dass Nachhaltigkeit das Gebot der Stunde und der Zukunft ist. Sie lässt sich nicht mehr zurück drehen, sondern muss in alle zukünftigen Überlegungen und Entscheidungen – in der Wirtschaft und im Kapitalmarkt – mit einbezogen werden.“

Die vollständigen Ergebnisse des oekom Corporate Responsibility Review 2017 sind unter folgendem Link einsehbar: Deutsche Version

Über den oekom Corporate Responsibility Review 2017

Als Jahresbericht zur globalen Unternehmensverantwortung dokumentiert der oekom Corporate Responsibility Review seit 2009 die zentralen Entwicklungen bei der Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Unternehmensführung. Die Auswertungen beziehen sich auf rund 1.600 international tätige Großunternehmen mit Sitz in den Industrieländern, die Teil des insgesamt mehr als 5.600 Corporate-Emittenten umfassenden Universums von oekom research sind.

Über oekom research

Die oekom research AG zählt zu den weltweit führenden Ratingagenturen im Bereich des nachhaltigen Investments. Die Agentur analysiert Unternehmen und Länder hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialen Performance. Als erfahrener Partner von institutionellen Investoren und Finanzdienstleistern identifiziert oekom research diejenigen Emittenten von Aktien und Rentenpapieren, die sich durch ein verantwortungsvolles Wirtschaften gegenüber Gesellschaft und Umwelt auszeichnen. Mehr als 160 Asset Manager und Asset Owner aus 13 Staaten beziehen das Research der Ratingagentur regelmäßig in ihre Anlageentscheidungen ein. Die Analysen von oekom research beeinflussen dadurch aktuell rund 1,5 Billionen Euro Assets under Management.

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