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PET-Recycling: Interview mit DI Herbert Schlossnikl, Vöslauer

Was braucht es, damit Recycling in hoher Qualität und wirtschaftlich funktioniert? Interview: DI Herbert Schlossnikl, Geschäftsführer der Vöslauer Mineralwasser

Portraitfoto von herbert schossnikl
Vöslauer

Vöslauer: Die hohe Qualität des Recyclingmaterials musste bereits von Beginn an sichergestellt werden, denn sie war Voraussetzung dafür, dass Verpackungen aus Recyclingmaterial überhaupt eine Zulassung erhalten haben. Grundsätzlich ist Recycling für Verpackungen auf „food grade“-Niveau wirtschaftlich immer schwieriger, als für den Nichtlebensmittelbereich – hier sind die Kosten in der Herstellung günstiger -, damit stehen die beiden in direkter Konkurrenz zueinander.

Wo liegen die großen Herausforderungen?

Vöslauer: Das Zauberwort heißt Sammeln, Sammeln und wieder Sammeln – für hochwertiges Recycling braucht es ebenso hochwertiges Ausgangsmaterial. Richtiges Trennen und Sammeln von Kunststoffen ist oberstes Gebot und das kommunizieren wir auf allen uns zur Verfügung stehenden Kanälen, von der Homepage, über Social Media bis hin zu den Flaschenetiketten.

Welche Hindernisse gibt es? Trade offs?

Vöslauer: Die ausreichende Verfügbarkeit von Rezyklat ist ein großes Thema. Um das gesamte Sortiment umzustellen, benötigen wir als Markführer große Mengen qualitativ hochwertigen Materials, um konsistente Qualität, Farbe und Druckbeständigkeit sicherzustellen. Darüber hinaus arbeiten wir auch stetig an der Reduktion des Materialeinsatzes.

Welche Lösungen gibt es? Best Practise Beispiele?

Vöslauer: Wir waren im Herbst 2018 das erste Unternehmen Österreichs mit der ersten 100 % rePET-Flasche. Damit ist uns im Bereich Recycling & Umweltschutz eine Innovation gelungen, die mittlerweile zum Vorbild für andere Unternehmen geworden ist, die es uns gleichtun wollen. Und damit schaffen wir auf breiter Ebene einen beispielhaften Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Darüber hinaus ist es uns wichtig, in all unseren Handlungen, egal ob in der Produktion, bei Werbemitteln oder intern, ressourcenschonend und umweltbewusst zu agieren.

Wie sieht die Zukunft aus?

Vöslauer: Die EU Vorgabe lautet, dass die Mitgliedstaaten bis 2029 90% der Kunststoffflaschen getrennt sammeln müssen. Außerdem wurden für den Gehalt an Recyclingkunststoff in Flaschen verbindliche Ziele von 25 % bis 2025 und 30 % bis 2030 festgelegt. Zusätzlich sollen Plastik-Schraubverschlüsse zukünftig an den Flaschen fixiert werden, wobei bis dato noch nicht klar ist, wie die nationale Umsetzung dieser Verpflichtung genau aussehen wird.

Zukünftige Strategie Glas-Mehrweg / PET-Mehrweg?

Vöslauer: Neben den Entwicklungen bei rePET setzt Vöslauer auch im innovativen Glas-Mehrweg-Bereich immer wieder neue Maßstäbe. Ziel all unserer Verpackungstechnologien ist es, das bereits verarbeitete Material so oft wie möglich wieder zu verwenden und möglichst wenig neue Rohstoffe in den Kreislauf zu bringen.

Als Marktführer im Bereich Pfand war es uns wichtig, auch ein Gebinde für den kleineren Durst für unterwegs, anzubieten. Diesen Ansprüchen sind wir nun als erste Getränkemarke Österreichs nachgekommen – seit Juli ist die erste 0,5 Liter Glas-Mehrwegflasche in einigen Teilen Österreichs und ab 2020 flächendeckend erhältlich. Vorerst sind die Sorten Vöslauer Mineralwasser prickelnd sowie Vöslauer Zitrone verfügbar. Vom Geschäft nach Hause transportiert werden die ersten Glasflaschen für unterwegs in der neuen 8 x 0,5 l Kiste, die zu 100 % aus Recyclingmaterial aus der Gelben Tonne bzw. dem Gelben Sack besteht.

Unsere 8x1 l Glas in der praktischen Splitkiste, die auch einfach mit dem Rad zu transportieren ist, wird ebenso stark nachgefragt – umweltbewusst und alltagstauglich.

Neben dem Glas-Mehrweg-Angebot gibt es bei Vöslauer auch PET-Pfand, ein Zweiweg-System, das u. a. den Vorteil hat, dass die Flaschen zu fast 100 % zu Vöslauer zurückkommen und sortenrein der Weiterverarbeitung in der PET to PET-Anlage zugeführt werden können.

Beide Verpackungen haben ihre Berechtigung – unsere Konsumenten legen Wert auf Mineralwasser-Produkte, die nachhaltig und komfortabel im Umgang sind, vor allem aber in ihren Alltag passen. Glas oder PET – unsere Kunden haben die Sicherheit, dass sie mit jedem Vöslauer Produkt nachhaltig und umweltschonend einkaufen.

 Die bereits zuvor erwähnte EU Vorgabe (Mitgliedstaaten müssen bis 2029 90 % der Kunststoffflaschen getrennt sammeln) ist definitiv zu erfüllen. Wie die nationalen Anforderungen dazu jedoch sein werden, ist allerdings noch ausständig. Denn, ob die Quote über das ARASystem und Freiwilligkeit oder mittels Pfandsystem erreicht werden soll, ist nach wie vor noch nicht entschieden. Momentan ist aber in Österreich – in Relation zu den Verarbeitungskapazitäten – zu wenig PET-Ballenware aus Österreich vorhanden. Aktuell landen aber 8 von 10 Flaschen in der getrennten Sammlung – damit ist Österreich Spitzenreiter in Europa. Um das Ziel 100 % Kreislaufwirtschaft zu erreichen bzw. sich diesem anzunähern, braucht es zumindest zwei Maßnahmen:

  1. Eine Recycling-Partnerschaft mit den Konsumenten, unterstützt durch verstärkte Bewusstseinsbildung, gerade bei der jungen Generation und
  2. mehr Möglichkeiten zur richtigen Entsorgung, es muss für jeden Konsumenten so einfach und schnell wie möglich sein, PET Flaschen zurück in den Recycling-Kreislauf zu bringen.

Ein Pfandsystem ist aus unserer Sicht bei Einweg-PET nicht zielführend, denn es wäre lediglich ein Instrument für 15% aller Einweg-Kunststoffverpackungen. Die getrennte Sammlung müsste daher in jedem Fall für den Rest der Kunststoffverpackungen (85%) sowieso aufrechterhalten werden. 2017 betrug die Marktmenge der Kunststoffverpackungen 300.000t, davon sind NUR 42.200t PET-Getränkeflaschen (Quelle: ARA).

Unser Anspruch ist, immer besser zu werden, also die Produkte, die Flaschen, die Kisten, die Verpackungen von der Etikette bis zur Trayfolie weiterzuentwickeln – unser Prinzip lautet: Jedes Produkt soll nachhaltiger sein als der Vorgänger.

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