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CSR-REPORT-RANKING

Wie gut sind österreichische Nachhaltigkeitsberichte? Studierende  der FH Wien analysierten die Nachhaltigkeitsberichte der größten österreichischen Unternehmen. Leo Hauska.

Jährlich werden Reports im Rahmen des ASRA ausgezeichnet. In wenigen Wochen ist es wieder soweit. Aber wie gut sind jene, die nicht eingereicht werden? Und was macht einen guten Report überhaupt aus? Im Rahmen einer CSR-Lehrveranstaltung an der FH Wien analysierten Studierende die Nachhaltigkeitsberichte der größten österreichischen Unternehmen.

Die Bewertung erfolgte in drei Kategorien, jeder Bericht konnte maximal 100 Punkte erreichen. Bis zu 50 Punkte wurden für den „Strategic Approach“ vergeben. Das bedeutet, dass die Wesentlichkeitsanalyse GRI-konform ist, CSR in die Unternehmensstrategie integriert ist, Verantwortung für die Wertschöpfungskette übernommen sowie Managementstrukturen und -prozesse offengelegt werden. Weitere 30 Punkte gab es für „Open Information“, das bedeutet klare Aussagen zu positiven und negativen Entwicklungen, unterlegt mit konkreten Kennzahlen und Zielen, sowie die Einbindung der Stakeholder. Mit maximal 20 Punkten wurde die „User Orientation“ bewertet, also übersichtliche Strukturen, gute Lesbarkeit und Online-Features für zielgruppenorientierte Zugänge.

Das Ergebnis: Von ausgezeichnet bis unzureichend

Die Analyse zeigt große Qualitätsunterschiede der Berichte. Über alle Berichte wurde der strategische Zugang am besten bewertet. Rund zwei Drittel der Unternehmen erfüllten die GRI-Vorgaben für die Wesentlichkeitsanalyse und mehr als die Hälfte dokumentierte ihre Verantwortung in der gesamten Wertschöpfungskette. Allerdings fanden sich nur in einem Drittel der Berichte ausreichende Informationen über Strukturen und Prozesse des Nachhaltigkeitsmanagements.

Großen Verbesserungsbedarf stellten die Studierenden beim Offenlegen von Zielen und Kennzahlen sowie beim ausgeglichenen Darstellen positiver und negativer Entwicklungen fest. Manche Berichte lesen sich doch eher wie Werbebroschüren.

Die schlechtesten Noten wurden für User-Freundlichkeit vergeben. Nachhaltigkeitsberichte richten sich, anders als herkömmliche Geschäftsberichte, an sehr heterogene Zielgruppen. Der Trend geht in Richtung Online-Reporting mit User-orientierter, flexibler Aufbereitung der Informationen. Einige Unternehmen haben bereits gezeigt, wie das möglich ist. Damit Nachhaltigkeitsberichte auch tatsächlich gelesen werden, sind aber noch weitere Verbesserungen nötig.

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Die Top-5 Reports

Die beste Bewertung erzielte Mondi mit 86.2 Punkten vor EVN (80.9), Asfinag (75.9), RBI (71.2) und Wienerberger (68.0).

Mondi punktet vor allem durch seine offene Kommunikation und User-Orientierung. In einem technisch und optisch gut aufgemachten Flipbook bietet Mondi faktenreiche Informationen über positive und negative Entwicklungen, die der User in variabler Detaillierung einsehen kann.

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EVN veröffentlicht ihren Bericht als Kombination von Website und Flipbook und überzeugt durch gut strukturierte und leicht lesbare Texte. Beispielhaft ist die Darstellung des Nachhaltigkeitsprogramms mit Informationen zum Status, konkreten Zielen und dem Verweis auf SDG-Subziele.

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Asfinag veröffentlicht ihren Nachhaltigkeitsbericht auf einer eigenen Website, die auch unterjährig aktualisiert wird. Ihr Report zeichnet sich durch gute Visualisierung der wichtigsten Kennzahlen und eine besonders einfache und User-freundliche Navigation aus.

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RBI ist führend im Bereich „Strategic Approach“, weist die umfassendste Darstellung der Wesentlichkeitsanalyse auf. Zusätzlich verfügt das Unternehmen über besonders ausgeprägte Strukturen und Prozesse für die Stakeholder-Einbindung und gilt in diesem Bereich als Best Practice.

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Wienerberger veröffentlichte mit dem Geschäftsbericht 2017 auch ein „Nachhhaltigkeitsupdate“ als Website mit einzelnen Modulen zum Herunterladen. Der Bericht ist besonders faktenbasiert und eines der Best Practices betreffend ausgeglichener Berichterstattung.

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Details zur Auswertung, weiterführende Informationen und Empfehlungen der Studierenden finden Sie auf social-responsibility.at.

Zum Projekt

Analysiert wurden alle Berichte der 50 umsatzstärksten Unternehmen sowie der je 5 größten Banken und Versicherungen mit Berichtszeitraum 2017 oder später, die sich an GRI orientieren, in Österreich publiziert wurden und im Mai 2019 online verfügbar waren. Das sind insgesamt 28. Die Bewertung der Berichte erfolgte durch 38 Studierende und den Vortragenden der Lehrveranstaltung, Leo Hauska, FuturAbility.

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