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CSR-REPORT-RANKING 2020

Die Nachhaltigkeitsberichte der Top-100 Unternehmen

Eine Broschüre wird aufgeblättert.
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Bereits zum zweiten Mal analysierten Studierende der FH Wien die Nachhaltigkeitsberichte der größten österreichischen Unternehmen.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich eine leichte Qualitätssteigerung: 9 von insgesamt 38 Unternehmen – das entspricht knapp einem Viertel - publizieren ihren Bericht bereits als eigene Website, und bieten damit ihren Stakeholdern einen meist besseren Einblick in die vielfältigen Nachhaltigkeitsthemen als dies mit pdf-Dokumenten möglich ist. Auch beim strategischen Zugang und insbesondere der Wesentlichkeitsanalyse haben einige Unternehmen dazugelernt. Leider ändert das nichts daran, dass sich die Qualität insgesamt noch auf einem niedrigen Niveau befindet.

Eigenständige Berichte erhielten im Schnitt bessere Bewertungen. Das mag daran liegen, dass manche Unternehmen nur gesetzliche Mindestanforderungen laut NaDiVeG (Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz) erfüllen und an einer tatsächlichen Kommunikation über Nachhaltigkeit kein Interesse haben. Auch der Vergleich mit dem Vorjahr weist auf sehr unterschiedliches Engagement hin: Zwar gab es Verschiebungen in den Rängen, insgesamt blieben aber die Top-10 und die Schlusslichter fast unverändert. Bei Letzteren nahmen sich manche auch selbst aus dem Rennen, da sie nicht mehr in Übereinstimmung mit den GRI Standards berichten.

Die führenden Berichterstatter

Die Top-10 haben sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Mondi liegt nun mit 91.4 von 100 Punkten noch deutlicher an der Spitze. Dahinter gab es kleinere Verschiebungen. Auf den weiteren Plätzen folgen Asfinag (82.4), Lenzing (74.9), Egger (66.9), EVN (65.8) RBI (65.6), Wienerberger (65.0) und Swietelsky (64.6). Die Wiener Stadtwerke liegen mit ihrer Bewertung aus dem Vorjahr auf Platz

Untersucht wurden alle Berichte der 100 umsatzstärksten Unternehmen sowie der je 5 größten Banken und Versicherungen mit Berichtszeitraum 2018 oder später, die in Übereinstimmung mit den GRI Standards erstellt wurden und im Juni 2020 online verfügbar waren. Das waren insgesamt 35 Berichte. Bei drei Unternehmen (ÖBB, Post, Wiener Stadtwerke) lagen die aktuellsten Berichte noch nicht vor und die Bewertungen stammen daher aus dem Vorjahr.

Jeder Bericht konnte maximal 100 Punkte erreichen. Bis zu 50 Punkte wurden für den „Strategic Approach“ vergeben. Das bedeutet, dass die Wesentlichkeitsanalyse GRI-konform ist, CSR in die Unternehmensstrategie integriert ist, Verantwortung für die Wertschöpfungskette übernommen sowie Managementstrukturen und -prozesse offengelegt werden. Weitere 30 Punkte gab es für „Open Information“, das bedeutet klare Aussagen zu positiven und negativen Entwicklungen, unterlegt mit konkreten Kennzahlen und Zielen, sowie die Einbindung der Stakeholder. Mit maximal 20 Punkten wurde die „User Orientation“ bewertet, also übersichtliche Strukturen, gute Lesbarkeit und Online-Features für zielgruppenorientierte Zugänge.

Jeder Bericht konnte maximal 100 Punkte erreichen. Bis zu 50 Punkte wurden für den „Strategic Approach“ vergeben. Das bedeutet, dass die Wesentlichkeitsanalyse GRI-konform ist, CSR in die Unternehmensstrategie integriert ist, Verantwortung für die Wertschöpfungskette übernommen sowie Managementstrukturen und -prozesse offengelegt werden. Weitere 30 Punkte gab es für „Open Information“, das bedeutet klare Aussagen zu positiven und negativen Entwicklungen, unterlegt mit konkreten Kennzahlen und Zielen, sowie die Einbindung der Stakeholder. Mit maximal 20 Punkten wurde die „User Orientation“ bewertet, also übersichtliche Strukturen, gute Lesbarkeit und Online-Features für zielgruppenorientierte Zugänge.

9. Ihr aktueller Nachhaltigkeitsbericht 2019 wurde erst nach Abschluss des aktuellen Rankings veröffentlicht. Rewe wurde heuer zum ersten Mal bewertet und landete auf Platz 10. Casinos Austria und die Vienna Insurance Group wurden damit aus den Top-10 verdrängt.

Name der Person auf dem Bild
Tab.1 Ranking der CSR-Berichte 2020; Quelle FuturAbility

Die Top-5 in „Strategic Approach“

Diese Anforderung wurde mit maximal 50 von insgesamt 100 Punkten bewertet. Überprüft wurden dafür fünf Fragen:

  1. Material Aspects: Were the material aspects identified according to the criteria of the GRI standard?     
  2. Value Chain: Does the company take responsibility for its impact along the entire value chain?  
  3. Strategy: Does the corporate strategy include a management approach to all material topics?     
  4. Harm & Benefits: Are both harm reduction strategies and maximization of benefits pursued?     
  5. Management: Have appropriate structures and processes for sustainability management been set up and sufficiently presented in the report?

Mondi kletterte bei diesem Kriterium von Platz 3 auf Platz 1 mit nunmehr 45.1 von 50 Punkten, gefolgt von Lenzing (43.1), Asfinag (41.9), EVN (40.9) und der Vorjahresersten RBI, die mit 40.8 auf Platz 5 rutschte. Kleinere Schwankungen und Platzierungsveränderungen sollten dabei nicht überbewertet werden. Schließlich beurteilen jedes Jahr andere Studierende. So gesehen ist das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr ziemlich ähnlich mit zwei Änderungen: Lenzing ersetzte Casinos Austria, punktet dabei vor allem durch das Engagement für Kreislaufwirtschaft und gilt bei gleich drei Kriterien als Best Practice, und Mondi katapultierte sich nicht nur im Gesamtranking sondern auch in allen 3 Teilbereichen an die Spitze. Allerdings: RBI ist nach wie vor das große Vorbild für ihre Wesentlichkeitsanalyse.

Insgesamt zeigte sich, dass die Unternehmen beim strategischen Zugang im Vergleich zu den beiden anderen Kriterien am besten abschnitten. Leider erfüllen aber rund 30% der Unternehmen die Anforderungen von GRI an das Prinzip der Wesentlichkeit noch immer nicht und rund 50% weisen grobe Mängel bei Managementstrukturen und -prozessen auf.

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Tab.2: Ranking der CSR-Berichte in der Kategorie „Strategic Approach“; Quelle: FuturAbility

Die Top-5 in „Open Information“

Bei diesem zweitwichtigsten Kriterium konnten die Unternehmen 30 der 100 Punkte erzielen, und zwar für drei weiteren Fragen:

  1. Clear & Complete: Does the report make clear and complete statements? (Key figures on all material topics, interpretation of development, definition/evaluation of goals)
  2. Balanced: Is the report balanced? (positive / negative developments, solved / unresolved problems, etc.)       
  3. Stakeholders: Are internal and external stakeholders appropriately involved and are the relevant structures and processes disclosed?

Hier gab es gegenüber dem Vorjahr deutliche Verschiebungen: Mondi und Asfinag konnten ihren Spitzenplatz behalten bzw. weiter ausbauen. Auf den weiteren Plätzen landeten heuer jedoch andere Unternehmen: Swietelsky, Wienerberger und Lenzing.

Die Offenheit wurde insgesamt schlechter beurteilt als der strategische Zugang. Den größten Verbesserungsbedarf sahen die Studierenden bei der geforderten Ausgeglichenheit. Die meisten Berichte lesen sich nach wie vor wie Werbebroschüren. Viele Unternehmen weisen jedoch auch große Mängel im Bereich der Kennzahlen auf, und die Stakeholder-Einbindung wird nur von ganz wenigen vorbildhaft umgesetzt.  

Name der Person auf dem Bild
Tab.3: Ranking der CSR-Berichte in der Kategorie „Open Information“; Quelle: FuturAbility

Die Top-5 in „User Orientation”

Dieses Kriterium trug mit maximal 20 Punkten zum Gesamtergebnis bei, wobei folgende vier Fragen bewertet wurden:

  1. Structure: Is the report clearly structured according to the material topics?            
  2. Text: Is the text clear and precise, easy to understand and read? 
  3. Visualization: Is the visualization appealing and does it support the understanding of the content?         
  4. Online Features: Is the report user-friendly and are online features sufficiently utilized? (Target group specific approach, optional information, links, timeliness, interactivity etc.)

Sieger ist wiederum Mondi mit diesmal 19.0 Punkten vor Asfinag (16.2), Lenzing (12.8) und BIG (11.8); die Wiener Stadtwerke rückten mit ihren bereits 2019 erhaltenen 12.4 Punkten auf Platz 4 vor.

Struktur und Online-Features wurden als die größten Schwachpunkte bei den meisten Nachhaltigkeitsberichten erkannt. Da sich diese Berichte an sehr heterogene Zielgruppen richten, ist diese Aufgabe auch nicht leicht zu lösen. Allerdings zeigen einige Unternehmen sehr gut, wie Berichte aufbereitet werden können. Allen voran Mondi, das auch für alle Best Practices beim Kriterium „User Orientation“ verantwortlich zeichnet.

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Tab.4: Ranking der CSR-Berichte in der Kategorie „User Orientation“; Quelle: FuturAbility

Die kompletten Bewertungen aller im Rahmen der Lehrveranstaltung analysierten Berichte mit Links zu den Berichten und weiteren Empfehlungen der Studierenden finden sich auf http://www.social-responsibility.at/current-projects/csr-report-ranking/.

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