zum Inhalt springen

Georg Tappeiner

Die Freizeitwirtschaft hat einen immens hohen ökologischen Fußabdruck. Und gerade dort ist es schwierig nachhaltiges Handeln zu implementieren weil Nachhaltigkeit oft das Image einer Spaßbremse hat.

tappeiner-c-bmnt-paul-gruber-2018.jpeg
Tappeiner-C-BMNT-Paul-Gruber tappeiner-c-bmnt-paul-gruber-2018.jpeg

Tappeiner engagiert sich seit vielen Jahren für grünere Events in Österreich und hat u.a. das Österr. Umweltzeichen für Green Events mitinitiiert. 2018 erntet er die Früchte einer zweijährigen Vorbereitungsarbeit: Die Veranstaltungen im Rahmen der EU-Präsidentschaft werden zu einem überwiegenden Teil als "Green Events" ausgetragen. Das ist neben der Ressourcenschonung eine große Chance, weil über Events verschiedenste Zielgruppen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert werden können.

Was war für dich der Auslöser, dich auf die „grüne“ Freizeitwirtschaft zu konzentrieren?

Eine Anfrage der Salzburger Bewerbungs-GmbH zu den Olympischen Winterspielen 2010 brachte mich auf diese interessante Spur. Das IOC war damals die einzige Organisation, die eine Behandlung ökologischer und regionalpolitischer Fragen im Zusammenhang mit der Austragung einer Olympiade verpflichtend vorschrieb. Das Österr. Ökologie Institut wurde mit der Bearbeitung dieser Aspekte im Zusammenhang mit der Salzburger Bewerbung beauftragt. Bei dieser Arbeit wurde mir vor nunmehr fast 20 Jahren die Bedeutung des Veranstaltungssektors für das Thema Nachhaltigkeit bewusst.

Welches Ziel hattest du zu Beginn deiner Aktivitäten und wie hat es sich in der Zwischenzeit verändert?

Zu Beginn die Minimierung der Umweltwirkungen von Veranstaltungen im Vordergrund. Im Falle von Großveranstaltungen versuchte ich die Einbindung der lokalen und regionalen Bevölkerung in der Planungsphase zu fördern. Zum Einen, um die Belastungen möglichst gering zu halten. Zum Anderen sollte die Beauftragung regionaler Wirtschaftsbetriebe als Produzenten oder Dienstleister für die Events Wertschöpfung in der Region generieren. Immerhin werden von den Veranstaltern zumeist ja auch öffentliche Förderungen in Anspruch genommen. Alle Verantwortlichen für diese Zusammenhänge zu sensibilisieren war in den Anfangsjahren wohl mein vordringlichstes Ziel. Zwischenzeitlich ist viel gelungen: das Thema "Green Events" ist in vieler Munde und hat in den vergangenen Jahren weite Kreise gezogen. Nun gilt es verstärkt die gesamte Eventindustrie in den Blick zu nehmen und die Nutzung von Veranstaltungen als Kommunikationsplattform für die Anliegen einer nachhaltigen Entwicklung zu professionalisieren - ohne von Veranstaltern oder BesucherInnen als "Spaßbremse" wahrgenommen zu werden! Also weg vom erhobenen Zeigefinger, komplexe und bedrohliche Themen möglichst mit Alltagsbezügen, positiv und konstruktiv kommunizieren.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Andere Menschen für etwas zu begeistern, für das ich selbst brenne!

Was waren die größten Hindernisse am Weg? Wie hast du sie bewältigt?

Zumeist stehe ich mir selbst im Weg ... meine "Blinden Flecken", auf die mich nur andere hinweisen können. Deshalb ist es so wichtig zu kooperieren, im Team zu arbeiten und Feedback als Geschenk zu sehen.

Was war dein größter Misserfolg? Was hast du daraus gelernt?

Misserfolge, das Scheitern oder Krisen sind Teil jeder Entwicklung. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse ist, dass ich mein Gegenüber immer als den eigentlichen Experten, die eigentliche Expertin für seine/ihre Lebens-/Arbeitsrealität anerkenne. Die Herausforderung ist, diese Realitäten "lesen" zu können und als Berater darauf zu reagieren, "den Kunden dort abzuholen, wo er steht"! Das erfordert keine Rezepte oder Wahrheiten, sondern ein systemisches Beratungsverständnis, ein Vorgehen auf der inhaltlichen und der Prozessebene.

Was waren die wichtigsten Argumente um die öffentliche Hand bzw. deine Kunden von den „green Events“ zu überzeugen?

Wichtige Argumente gegenüber der öffentlichen Hand waren die Steigerung der regionalen Wertschöpfung  durch die Verwendung regionaler Produkte und Dienstleistungen, der Beitrag zur Bewusstseinsbildung auf Seite der BesucherInnen für einen nachhaltigen Lebensstil sowie der Partner für nachhaltiges Wirtschaften und der Imagegewinn durch die Umsetzung von Green Events im eigenen Wirkungsbereich.
VeranstalterInnen sprechen auf das Thema Qualitätssteigerung durch Abfallreduktion, gute Verpflegung und Mehrweggeschirr und Anreiz für SponsorInnen am Imagegewinn teilzuhaben.

Was sind deine nächsten Ziele?

Mein Ziel für das weitere Wirken im beruflichen als auch privaten Kontext ist, einen kleinen Beitrag im Thema soziale Innovationen zu leisten. Mehr Nachhaltigkeit erfordert sozio-kulturellen Wandel, der ohne soziale Innovationen nicht möglich sein wird.
Mehr denn je benötigen wir bspw. Aushandlungsprozesse auf zivilgesellschaftlicher Ebene. Diskurs und Dialog auf regionaler und kommunaler Ebene, gemeinsam für die eigene Lebenswelt Verantwortung übernehmen und diese gestalten, sind meines Erachtens Schlüssel für zukunftsfähige Entwicklungen. Wir können nicht mehr darauf warten, dass es "die da oben" schon richten werden. Derartige Prozesse mit innovativen Methoden zu unterstützen empfinde ich als spannende Herausforderung für die Zukunft!

Welche SDGs sind für deinen Bereich besonders wichtig? Wo tragt ihr ganz besonders bei?

Zum Ziel einer Nachhaltigen Konsum- und Produktionsweise trägt eine nachhaltige Eventindustrie in vielfältiger Weise bei: beispielsweise durch die Förderung einer nachhaltigen öffentlichen Beschaffung, die Förderung nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen (von ressourcenschonenden Messestandsystemen bis zu nachhaltig und fair erzeugten Give Aways oder nachhaltige Trainingsbekleidung für Sportvereine), die Reduktion von Lebensmittelabfällen, durch die Stärkung der Informationen und des Bewusstseins für eine nachhaltige Entwicklung und Lebensweise bei allen Partnern einer Veranstaltung und insbesondere bei den BesucherInnen.

Eckdaten:

DI Georg Tappeiner, Gesellschafter und Senior Consultant, pulswerk GmbH & Österreichisches Ökologie Institut, Gesellschafter und Senior Consultant, melangeC Unternehmensberatung
geboren am: 25.5.1966
Ausbildung: TU Wien - Raumplanung & Raumordnung; Univ. f. Bodenkultur - Landschaftsökologie und -gestaltung; HTL für Elektrotechnik (Italien), Kommunikationstrainer, Mediator und Organisationsberater
Berufsweg:  Vom Architekturbüro in Südtirol über langjährige Tätigkeit im Bereich der örtlichen Raumplanung im nördlichen Burgenland bis zum Mitglied am Österreichischen Ökologie Institut seit nunmehr fast 25 Jahren. Derzeit Partner und Berater der Pulswerk GmbH - Beratungsunternehmen des Österr. Ökologie Instituts - in den Bereichen Nachhaltigkeit, betriebliches Umweltmanagement, Partizipationsprozesse und Kooperationsmanagement.
Als zweites Standbein und als befruchtende Ergänzung bin ich im Bereich Organisations- und Teamentwicklung, Mediation und Coaching, Moderation und Veranstaltungsdesign tätig - aktuell gemeinsam mit KollegInnen als Partner der MelangeC GmbH.
Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten, Fachhochschulen und Masterlehrgängen zu den genannten Themenfeldern.
Website: pulswerk.at; ecology.at, melangec.at

Mein Motto: "Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Victor Hugo

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen