Grün und Blau reduzieren die Auswirkungen des Klimawandels
Was die Wasserwirtschaft dazu beitragen kann, sich besser an den Klimawandel anzupassen.
Bei der Fachkonferenz „Klimawandel in der Wasserwirtschaft“ des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands (ÖWAV) stellten sich Expert*innen den zentralen Zukunftsfragen in Folge des Klimawandels. Hydrologe Günter Blöschl betonte beispielsweise, dass sich - im Gegensatz zu früher - mittlerweile in allen Messdaten des Wasserkreislaufes die Auswirkungen des Klimawandels nachweisen lassen. Zum Beispiel nehmen intensive, kurzfristige Starkregen zu. Dass das Wasser dabei nicht schnell genug abfließt und zu wenig versickert, erhöhe das Risiko lokaler Überflutungen.
Die Auswirkungen im Überblick:
- Gletscherrückgang: Österreich droht in 40 bis 45 Jahren weitgehend gletscherfrei zu sein
- Abnahme der Schneedecke: Verkürzung der Schneedeckendauer um rund 42 Tage in den vergangenen 60 Jahren
- Starkregen: Zunahme der Ereignisse seit den 1980er Jahren um etwa 15 Prozent
- Hitze und Dürre: Bis zum Jahr 2100 werden bis zu 80 Hitzetage pro Jahr (über 30 °C) prognostiziert
- Grundwasserressourcen: Rückgang der verfügbaren Mengen bis 2050 um bis zu 23 Prozent möglich
Im internationalen Vergleich verfügt Österreich als wasserreiches Land grundsätzlich über gute Voraussetzungen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Indem man Gewässer naturnah gestaltet, den Landschaftswasserhaushalt stärkt, das Grundwasser konsequent schützt und Wasser effizient einsetzt, kann die Wasserwirtschaft dazu beitragen, sich besser an den Klimawandel anzupassen. Auch die Wasserkraft und energieeffiziente wasserwirtschaftliche Infrastrukturen spielen beim Klimaschutz eine wesentliche Rolle.
Gefragt sind integrierte und vorausschauende Lösungen: Sie sollen Hochwasser vorsorgend verhindern und Siedlungen so entwickeln, dass sie dem Klima besser standhalten – etwa indem man blau-grüne Infrastrukturen umsetzt.
Blau-grüne Infrastrukturen sind ein Konzept der Stadt- und Landschaftsplanung, das Wasser („blau“) und Vegetation („grün“) gemeinsam nutzt, um Städte klimaresilienter zu machen.
„Blau“ steht dabei für Wasserflächen und -systeme wie Flüsse, Bäche, Teiche, Seen, Regenrückhaltebecken oder offene Entwässerungsgräben.
„Grün“ umfasst Vegetation wie Parks, Grünflächen, Straßenbäume, Gründächer oder begrünte Fassaden.
Die Elemente werden nicht getrennt geplant, sondern vernetzt, um
• Regenwasser besser aufnehmen und speichern
• Überflutungen bei Starkregen reduzieren
• Städte im Sommer kühlen
• Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen
• die Luftqualität verbessern.
Ein Beispiel: Ein begrünter Park mit Mulden, die Regenwasser aufnehmen, oder ein Dach, das begrünt ist und Wasser speichert, statt es sofort in die Kanalisation zu leiten.