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Grundeinkommen - Argumente

Paul J. Ettl, Verein zur Förderung der Grundeinkommensidee, antwortet auf die Top 5-Gründe, die landläufig gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen sprechen.

Differenz zum Gesamt-Nettoeinkommen vorher: Einkommen unter 30.000,- Euro pro Jahr erhalten mehr als jetzt, Einkommen um 45.000,- in etwa gleich viel, Einkommen über 70.000,- Euro bekommen weniger als bisher.
C-Ettl

Argument 1: Manche Menschen gehen dann überhaupt nicht mehr arbeiten (63,8%)

Es ist immer wieder verblüffend: Wie Sie auch in Ihrer Fact Box berichten, " Drei Viertel würden trotz BGE nichts an ihrer beruflichen Situation ändern. "

Andererseit sehen viele die Motivation der anderen ganz anders ("Ich würde ja schon ..., aber mein Nachbar....")

Wenn drei Viertel in ihrer beruflichen Situation nicht ändern würden, heißt das auch nicht, dass das andere Viertel nichts mehr tun würde. Viele würden die Wochenstundenzeit verringern, einige würden sich weiterbilden/weiterstudieren, etc.

Menschen, die ungeliebte Tätigkeiten machen und dabei noch wenig verdienen, würden damit vielleicht aufhören oder mehr Gehalt fordern.

Argument 2: Unbeliebtere Jobs werden nicht mehr angenommen/ gemacht (53,6%)

Wie schon oben erwähnt, würden Menschen, die ungeliebte Tätigkeiten machen und dabei noch wenig verdienen, damit vielleicht aufhören oder mehr Gehalt fordern.

Wer seinen ungeliebten Job nur macht um überleben zu können, ist eigentlich nicht mehr frei, sondern Skalve seiner Situation. Ich sehe daher ein BGE als eine Chance für ein  Ende der Lohnsklaverei.

Manche ungeliebte Jobs (wie Kanalarbeiter oder Arbeiter auf Ölplattformen) werden ja gemacht, weil sie gut bezahlt sind, weil diese Menschen sich mit diesem Job Wünsche erfüllen wollen. Ungeliebte Jobs werden also in Zukunft gemacht werden, wenn sie nur entsprechende bezahlt werden. Besonders betrifft das auch Pflegedienste!

Und dass unbeliebte Jobs dann nicht mehr gemacht werden, hat es auch vor 200 Jahren bei der Abschaffung der Sklaverei gegeben: Auch damals hat man sich gefragt: Wer macht denn dann die Drecksarbeit, wenn wir keine Sklaven mehr haben? Die Anwort damals: Dann müssen diese Jobs eben bezahlt werden. Die Antwort heute: Dann müssen diese Arbeiten eben BESSER bezahlt werden.

Vor Kurzem hat ein Kammerfunktionär bei einer Diskussion zum BGE das so ausgedrückt. "Diese Menschen würden ja dann dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen" -- Für mich hat das geklungen wie wenn er sagen würde "Diese Menschen stehen ja dann am Sklavenmarkt nicht mehr zur Verfügung."

Argument 3: Falsche Motivation, um österreichische*r Staatsbürger*in zu werden (52,0%)

Abgesehen davon, dass die meisten BGE-Initiativen das BGE nicht nur für Staatsbürger, sondern für alle in Österreich wohnende Menschen fordern, könnte man natürlich sagen: "Dann kommen ja alle zu uns". Auch diese Befürchtung ist unberechtigt:

Erstens gilt auch die Reise- und Wohnfreiheit in der EU auch nur, wenn man dem Staat, in dem wohnen möchte, nicht zur Last fällt, also entweder einer Beschäftigng nachgeht oder über andere finanziellen Ressourcen verfügt. (siehe Webseite der EU)

Zweitens ist ein finanzieller Vorteil für kaum einen Menschen ein Grund, seine Heimat zu verlassen. Ein Beispiel zeigt Italien: Das Sozialsystem in Südtirol ist gut ausgebaut, in Süditalien aber so gut wie nicht vorhanden. Trotzdem sind nicht alle Sizilianer nach Südtirol übersiedelt, was für diese leicht möglich wäre.

Argument 4: Unmöglichkeit, dieses Projekt zu finanzieren(34,2%)

Das ist ein Killerargument von jenen, die das BGE nicht wollen. Albert Camus sagte schon "Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe"

Es ist nicht wahr, dass ein BGE nicht finanzierbar wäre. Es gibt mehrere Modelle dazu.

Am 22.4.2021 werden Prof. Friedrich Schneider, Prof. Elisabeth Dreer und Florian Wakolbinger (JKU Linz) über Finanzierungsmodelle in Österreich reden. Hier gehts zur Veranstaltung: Zoom-Link: https://us02web.zoom.us/j/81942289825?pwd=NEk4anc2b0t3dXVSeWdpb2N0Yk5jQT09.
Ich hoffe, diese Veranstaltung auch aufnehmen und auf die Webseite www.ringvorlesung.at stellen zu können.

Eine Übersicht über Finanzierungsmodelle  finden Sie hier

Zum Vortrag über das "Linzer Modell"

Argument 5: Arbeitgeber*innen senken die Löhne(31,2%)

Wie ist das heute: Zahlt ein Arbeitgeber weniger, wenn der Arbeitnehmer ein Haus besitzt, gerade einen Lottogewinn oder eine Erbschaft gemacht hat?

Es gibt Kollektivverträge - die auch in Zukunft geltern werden.

Und die Befürchtung, dass bei Einführung eines BGE die Löhne sinken, ist unberechtigt. Im Gegenteil: Dadurch, dass die Menschen ja ein Grundeinkommen habe, sind sie micht mehr so vom Erwerbseinkommen abhängig (nicht mehr damit erpressbar)  und können mit dem Arbeitgeber besser auf Augenhöhe verhandeln. Manche (Arbeitgeber*nnen) befürchten daher das Gegenteil, nämlich dass durch einBGE die Löhne steigen werden.

Allgemein zum Verständnis des BGE

Nach unserem "Linzer Modell" würde zwar jeder das BGE erhalten (auch Millionenverdiener), dafür würde aber generell der steuerfreie Betrag entfallen und jeder dazuverdiente Euro besteuert werde, sogar höher als heute. Als Saldo ergibt sich dann, dass die Nettodifferenz zum heutigen System für jemandem ohne Einkommen 12.000 € wäre, was mit steigendem Einkommen (aus Erwerbsarbeit, Selbsständiger Arbeit, Kapitalertrag, etc.) progressiv sinken würde. Bei ca. 50.000 € Bruttoeinkommen (entspricht ca. 43.000 € Bemessungsgrundlage) pro Jahr würde sich der höhere Steueraufwand mit dem erhalten Grundeinkommen ausgleichen. Höherverdienende würden mit der höhenen Steuer zur Finanzierung des Grundeinkommens beitragen.

Natürlich ist die Einführung eines BGE nicht ohne Probleme. Es wird Begleitmaßnahmen brauchen - abe auch darum bemühen wir uns.

Paul J. Ettl

Verein zur Förderung der Grundeinkommensidee (ZVR: 1227259269)

Web: www.das-grundeinkommen.org 

Facebook: https://www.facebook.com/groups/grundeinkommen.ooe/

YouTube: https://www.youtube.com/channel/UC3QYxNVa1Ghybm0gXOqZ7sA

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