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Helmut Gragger, Eigentümer Gragger Bio Holzofenbäckerei

Gemeinsam mit Wolfgang Scheidl hat der erfolgreiche Biobäcker ein Social Business „BackMa’s  international“ 2015 in Schwellen- und Entwicklungsländern aufgebaut. Errichtet werden Kleinbäckereien, die an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten (Ressourcen, Rohstoffe) angepasst sind. So werden Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen, mit dem Ziel, eine unabhängige Selbstversorgung vor Ort sicher zu stellen. Der Gewinn des Betriebs geht dabei an die Ausbildung der Kinder oder an andere soziale Projekte vor Ort.

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Gragger-Scheidl-C-Gragger-Cie-Social-Business-GmbH k-gragger-scheidl-c-gragger-cie-social-business-gmbh

Was war der Auslöser, sich für die Ernährungssituation in Schwellen- und Entwicklungsländern zu interessieren?

Das Ökologische und das Soziale waren mir immer wichtig – ich habe zum Beispiel Lehrausbildungen mit sozial schwachen Jugendlichen gemacht. Und auch die Technik hat mich immer  interessiert. 2008 habe ich einen Solarbackofen erfunden – die Erfindung ist sogar patentiert – mit dem man Brot im großen Stil backen kann. Über einen Parabolspiegel wird die Energie in den Ofen geleitet, gespeichert und in der Nacht abgerufen. Wir haben das im Mühlviertel ausprobiert und es hat funktioniert.

Und das hat Sie auf die Idee gebracht, Ihre Erfindung in Schwellenländern einzusetzen?

Um ein Kilogramm Brot zu backen sind 0,6 KW notwendig. Und diese Energie wird aus Dieselaggregaten oder Holz aus der Umgebung verwendet. Das schadet der Umwelt und damit den Menschen. Daher sind wir mit unserer Erfindung nach Afrika gegangen. Wir wollten damit den kleinen Bäckern das Überleben sichern weil sie  sich großtechnische Anlagen finanziell nicht leisten können. In Mexiko hat ein einziger Produzent 80 Prozent Marktanteil, in Afrika sind 80 Prozent in libanesischer Hand!

Aber Sie verwenden heute nicht die Solarenergie

Amerika hat begonnen Schiefergas zu fördern. Dadurch sind die Energiepreise gefallen und unsere Anlagen haben sich zu langsam amortisiert, erst nach fünf bis neun Jahren. Zudem haben Bosch und Siemens damals ihre Solarenergiesparte verkauft – und gab es zu wenig Unterstützung um damit weiterzumachen.

Wie haben Sie auf das Fallen der Energiepreise reagiert?

Wir haben einen Schritt zurückgemacht und überlegt, wie wir die Energie trotzdem nachhaltig herstellen können. Gefunden haben wir regionale Abfallprodukte, die nicht in Konkurrenz zur Ernährung stehen, wie zum Beispiel Algen aus dem See, Erdnussschalen oder Abfälle vom Reishalm. Der organische Abfall wird zu Briketts gepresst und damit der Ofen betrieben. Theoretisch wäre sogar die Verbrennung von Polyethylen möglich, weil die Verbrennungstemperatur ca. 800 Grad beträgt. Da wird das Meiste relativ sauber verbrannt. Aber das wollen wir nicht.

Welchen Energiepreis brauchen Sie, damit sich der Ofen rasch rechnet?

Wenn der Energiepreis 30 Cent pro KWh beträgt rechnet es sich auf jeden Fall, denn der Energieeinsatz macht etwa 30 Prozent der Kosten aus. Das ist in vielen Schwellenländern der Fall.

Wo stehen Sie jetzt?

Wir haben 2018 in Thailand und im Senegal mit den ersten Standorten gestartet und wollen in den nächsten Monaten drei zusätzliche Standorte im Senegal umsetzen. Im Jänner eröffnen wir in Kooperation mit der Caritas und den Mill Hill Brüdern eine Bäckerei im Norden von Uganda,

Unser Ziel ist es dabei, dass vor Ort Bäckereien betrieben werden um mit dem Erlös Sozialprojekte zu finanzieren. 2016 haben wir bei der ADA (Austrian Development Agency) eine Machbarkeitsstudie eingereicht, die jetzt genehmigt wurde. Wir beginnen jetzt in mehreren afrikanischen und osteuropäischen Ländern (z.B. im Kongo, Burkina Faso, Uganda, Albanien, oder Serbien).

Das heißt, wir bauen die Bäckerei und schulen die Leute ein, damit sie den Betrieb führen können. Dabei arbeiten wir mit Organisationen vor Ort und vor allem der Caritas bei uns und dort zusammen.

Im Senegal und in Thailand haben wir eigene Firmen vor Ort gegründet und führen die Standorte als Social Business Unternehmen.

Der Ofen wird in Oberösterreich gebaut, die Teigmischmaschine kommt aus Italien – diese spezielle braucht nur zwei KW. Die ganze Anlage ist sehr hitzestabil und wartungsarm.

Was sin die großen Herausforderungen?

Wir müssen Investoren finden, die an die Sache glauben, wir brauchen Menschen vor Ort, die wissen, wie man vor Ort eine Firma gründet, die die richtigen MitarbeiterInnen finden, die rechtliche Situation kennen und z.B. wissen, wie man Waren aus dem Zoll heraus bringt.

Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Mit den Arbeitern kann man super arbeiten, schwierig ist es mit dem Management. Wir haben bewiesen, dass man mit Abfällen aus der Landwirtschaft Brot backen kann. Unsere Maschinen funktionieren und wir haben Arbeitsplätze geschaffen.

Welches Ziel hatten Sie zu Beginn Ihrer Aktivitäten und wie hat es sich in der Zwischenzeit verändert?

Am Anfang haben wir versucht, Projekte zu bekommen. Jetzt sind wir fast zu erfolgreich – alle sind etwas geworden. Jetzt geht es darum, alles auf den Boden kriegen. Zum Glück mache ich das gemeinsam mit Wolfgang Scheidl, dem Geschäftsführer der Perspektive Handel Caritas gGmbH in Linz. Das kann einer allein nicht schaffen.

Was war Ihr größter Misserfolg? Was haben Sie daraus gelernt?

Ich bin schon einmal gescheitert –  ich bin 2008 mit meiner Biobäckerei in Konkurs gegangen. Ich habe damals auf ein Shop-im-Shop-System gesetzt, und das hat durch den Wandel im Biobereich nicht funktioniert. Die Handelsketten wollen ihr eigenes Biobrot verkaufen.

Was haben Sie daraus gelernt?

Ich habe gelernt vorsichtiger zu sein, mehr zu überlegen, was man macht, ich muss nicht mehr so mit dem Kopf durch die Wand. Aber vielleicht hat das auch was mit dem Alter zu tun. Denn wenn uns jetzt was in Afrika passiert, kann ich auch nichts tun.

Wenn man sich alles genau überlegt geht man keine neuen Wege, dann geht man nicht nach Afrika sondern geht Wege, die man kennt und weiß, dass sie funktionieren.

Was waren die wichtigsten Argumente um die Menschen vor Ort zu überzeugen?

Gemeinsam arbeiten, dann haben sie es verstanden.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Wir müssen erst einmal alles auf den Boden kriegen. Wir haben eine riesige Verantwortung und müssen zeigen, dass es funktioniert. Ich will auch zeigen, dass es nicht eine Lösung für alles gibt, dass Backen nicht nur mit Hochtechnologie funktioniert.

Eckdaten zum Unternehmen:

  • Firmenname: Gragger Social Business GmbH, Ansfelden
  • gegründet: 2018
  • Branche: Bäckerei
  • MitarbeiterInnen: 3
  • Website: www.gragger.at

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