Klimatransitionspläne statt Papiertiger
Wie Unternehmen sich bei der Klimatransition und der Biodiversität verbessern - und wo es noch hakt.
37 Prozent der untersuchten Unternehmen verfügen bereits über einen veröffentlichten Klimatransitionsplan mit langfristigen Zielen und Umsetzungsplan. Weitere 51 Prozent befinden sich in der Planung. Rund die Hälfte dieser Unternehmen nennt konkrete Veröffentlichungstermine auf ihrem Weg. Die andere Hälfte bleibt vage und ohne Angaben zur Entwicklung.
Eine gemeinsame Analyse des UN Global Compact Network Austria und des WWF Österreich beleuchtet erstmals den Status quo von 56 Unternehmen in Österreich, die unter das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) fallen. Die Untersuchung der Klimatransitions- und Biodiversitätspläne zeigt, wo es bereits gut läuft, aber auch wo ambitionierte Ziele, Strategien und tatsächliche Umsetzung noch auseinanderlaufen.
Fahrplan Richtung Netto-Null
Transitionspläne sind ein klarer Rahmen für den Weg zu klimaverträglichen Geschäftsmodellen. Anders als allgemeine Nachhaltigkeitsstrategien sind sie auf einen klar definierten Zielzustand, etwa Netto-Null-Emissionen zu erreichen, ausgerichtet. Laut der Corporate Sustainaibility Reporting Directive (CSRD) müssen Klimatransitionspläne unter Standard ESRS E1 veröffentlicht werden, wonach Unternehmen die Auswirkungen ihres Tuns auf den Klimawandel und Maßnahmen, um die negativen zu minimieren, offenlegt werden. Besteht noch kein Klimatransitionsplan, müssen Unternehmen transparent darlegen, ob und wann sie einen entwickeln.
„Strategisch eingebundener Klimaschutz reduziert langfristig Kosten, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und trägt zur Klimaneutralität Österreichs 2040 bei“, betont Daniel Fitz des UN Global Compact Network Austria. Totz ambitionierter Vorreiter hinke die Mehrheit allerdings noch in der Qualität ihrer Berichterstattung hinterher.“ Als Gründungsmitglieder der Science Based Targets initiative (SBTi) unterstützen das UN Global Compact Network Austria und der WWF Österreich Unternehmen dabei das zu ändern.
Zwischen Anspruch und Zielklarheit
Was besagt die Analyse im Detail? 89 Prozent der Nachhaltigkeitsberichte befassen sich mit der Klimatransformation - entweder durch einen bereits veröffentlichten Klimatransitionsplan oder durch dessen Entwicklung. Dies zeigt, dass nur eine kleine Minderheit sich aktuell gar nicht mit der Klimatransition auseinandersetzt. Klare, wissenschaftsbasierte Ziele fehlen allerdings noch häufig: 43 Prozent kommunizieren kein kurzfristiges und 61 Prozent kein Net-Zero-Ziel.
Das Bild ist also heterogen: Dekarbonisierungshebel wären Klimaschutzmaßnahmen-Pakete, die zu mehr Energieeffizienz führen oder den Umstieg auf erneuerbare Energien vorantreiben. Auch die Zuweisung von Finanzmittel, würde einem Transitionsplan Glaubwürdigkeit verleihen und wäre ein Qualitätskriterium. Allerdings erfassen nur 13 Prozent ihre Hebel quantitativ, 41 Prozent qualitativ. Die restlichen Unternehmen setzen maximal einzelne Maßnahmen, identifizieren aber keine übergeordneten Hebel. Zwar machen 59 Prozent zur Finanzierung keine Angaben. Bei 32 Prozent der Unternehmen ist sie aber zumindest teilweise quantifiziert.
Laut Weltrisikoreport des World Economic Forum zählt Biodiversitätsverlust langfristig zu den größten wirtschaftlichen Risiken. Wer jetzt gezielt Strategien entwickelt, schützt nicht nur sein Geschäftsmodell, sondern kann sich zugleich als Vorreiter positionieren. Lara Breitmoser, Programm-Managerin Business & Nature des WWF Österreich, sagt: „Ein Großteil der Unternehmen hat erkannt, dass wir alle profitieren von einer intakten Natur profitieren. Für sie ist Biodiversität wesentlich. Jetzt gilt es ins Handeln zu kommen und Strategien zu entwickeln.“ Konkret sind es 59 Prozent der analysierten Unternehmen. Ein Fünftel, genau 21 Prozent, will das Thema mit einem Biodiversitätstransitionsplan langfristig in der Unternehmensstrategie verankern.
„Ein Transitionsplan darf kein Papiertiger sein", heißt es von Seiten der Auftraggeberinnen der Analyse. "Für echten Mehrwert müssen Transitionsplanung und andere strategische Entscheidungen bei Unternehmen Hand in Hand gehen.“
Die Autor*innen der Publikation:
Lara Breitmoser, Programmmanagerin Business & Nature WWF Österreich
Daniel Fitz, Manager Environment & Climate UN Global Compact Network Austria
Für die Untersuchung des Status quo der Transitionspläne wurden Unternehmen in Österreich berücksichtigt, die unter das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) fallen, dem nationalen Umsetzungsgesetz der Non-Financial Disclosure Regulation (NFRD). Zur Vergleichbarkeit der Datenbasis wurden die Nachhaltigkeitsberichte für das Finanzjahr 2024 herangezogen, die gemäß den European SustainabilityReporting Standards (ESRS) erstellt wurden. Stichtag der Erhebung war der 1. Dezember 2025.
Die vollständige Publikation finden Sie hier