Kommunikations-App für 24-Stunden-Betreuung
Die Entwicklung an der FH Wiener Neustadt für Pflegeeinrichtungen erleichtert den Arbeitsalltag des Personals.
Im FFG-geförderten Forschungsprojekt „24/7 Digital“ entwickelt die Fachhochschule Wiener Neustadt eine neue digitale Lösung für die 24-Stunden-Betreuung. Im Mittelpunkt steht die App „24h Dialog“, die die Kommunikation zwischen Betreuungskräften, Angehörigen und Vermittlungsagenturen erleichtern soll.
Betreuungskräfte leben häufig mehrere Wochen im Haushalt der betreuten Person, Angehörige wohnen oft nicht vor Ort und Agenturen koordinieren die Betreuung über unterschiedliche Kommunikationskanäle. Aus diesem Grund entwickelt ein Forschungsteam der FH Wiener Neustadt die App 24h Dialog.
Digitalisierungsprojekt in der Branche
Seit 2023 läuft das FFG-geförderte Projekt unter der Konsortialführung der FH Wiener Neustadt. Gemeinsam mit weiteren Projektpartnern – Wirtschaftsuniversität Wien, myneva Austria GmbH, Schneeweis Wittmann sowie der Hilfswerk-Personaldienstleistungs-GmbH – wird an digitalen Lösungen für die Betreuung im häuslichen Umfeld gearbeitet.
Die App wurde gemeinsam mit Betreuungskräften, Angehörigen und Vermittlungsagenturen entwickelt und in mehreren Testphasen im Alltag erprobt. Das Feedback der Nutzerinnen und Nutzer floss laufend in die Weiterentwicklung ein.
Die bisherigen Feldtests zeigen, dass die Anwendung stabil läuft und die angebotenen Funktionen genutzt werden. „Zudem hat sich gezeigt, dass digitale Lösungen im Betreuungsalltag nur dann ihr volles Potenzial entfalten können, wenn alle Beteiligten eingebunden sind und neue Kommunikationswege auch im Alltag angenommen werden“, erklärt Philipp Rameder, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik.
KI und Klimawissen als digitale Helfer
24h Dialog nutzt künstliche Intelligenz, um mehrsprachige Chatfunktionen mit automatischer Übersetzung, Videoanrufe mit Live-Untertitelung sowie eine Alltagsübersetzungsfunktion für Texte, Sprache und Bilder zu ermöglichen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Messenger-Diensten werden sämtliche Daten über eine eigene Infrastruktur verarbeitet und ausschließlich in Österreich gespeichert. Für Übersetzungs- und Sprachservices werden externe KI-Anbieter über DSGVO-konforme Schnittstellen eingebunden.
Über die Kommunikationsfunktionen hinaus bietet die App mit der integrierten Wissensplattform „24h KlimaFit“ auch fachliche Unterstützung. Die vom FHWN-Studiengang Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege entwickelte Plattform stellt hilfreiche Informationen und Tipps für die Betreuung in Zeiten zunehmender Hitze und anderer klimabedingter Herausforderungen bereit.
Studierendenfeedback als Teil der Entwicklung
Auch Studierende der FH Wiener Neustadt wurden aktiv in das Projekt eingebunden. Im Masterstudiengang Health Care Informatics sowie im Bachelorstudiengang Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege wurde die App getestet und diskutiert.
„Studierende gehen mit ganz anderen Vorkenntnissen und Erwartungen an digitale Lösungen heran und liefern dadurch wertvolles Feedback für die Weiterentwicklung. Wir wollen sie außerdem darauf vorbereiten, Innovationen künftig aktiv in die Praxis mitzunehmen“, so Philipp Kolmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik.
Potenzial über die Betreuung hinaus
Während der aktuellen Testphase laufen bereits erste Gespräche, um 24h Dialog in bestehende Systeme im Gesundheits- und Betreuungsbereich einzubinden und weiterzuentwickeln. Künftig kann die Lösung neben der 24-Stunden-Betreuung überall eingesetzt werden, wo sichere Kommunikation und der Abbau von Sprachbarrieren eine wichtige Rolle spielen. Denkbar sind etwa Anwendungen in Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie sozialen Einrichtungen, aber auch außerhalb des Gesundheitsbereichs, beispielsweise für Reisende.