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Lena Krippl, Laurenz Faber, Maris Filipic für Friday for Future

Lena Krippl, Laurenz Faber, Maris Filipic haben über Zeitungsartikel, Facebook und die Schule zu Fridays for Future gefunden. Gemeinsam engagieren sie sich beim weltweiten Klimastreik und wurden dafür als Nachhaltige Gestalter*innen ausgezeichnet. Roswitha M. Reisinger hat sie gefragt, was sie motiviert und was sie erreichen wollen.

Maris Filipic, Laurenz Faber, Lena Krippl
Maris Filipic, Laurenz Faber, Lena Krippl Foto: Privat

Was treibt euch an?

Laurenz: Die negative Motivation ist die Dringlichkeit des Problems. Es geht nicht um die Frage ‚sollen wir oder sollen wir nicht‘ Die Wissenschaft sagt klar, es muss sofort extrem viel passieren. Die positive Seite: Ich lerne viele Leute kennen, wir haben Spaß. Obwohl es ein ernstes Problem ist versuchen wir die Streiks mit Sprüchen und Musik gut zu gestalten.

Was ist euer Ziel? Was wollt ihr erreichen?

Laurenz: Natürlich geht es darum, das 1,5 Grad Ziel einzuhalten. Österreich soll einen angemessenen Beitrag leisten um das Ziel zu erreichen. Wie die Politik dieses Ziel erreichen will, das soll sie sich selbst ausschnapsen.

Lena: Dafür haben wir, gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, österreichweite Forderungen ausgearbeitet, wie zum Beispiel eine ökosoziale Steuerreform.

Der Weg scheint noch weit zu sein

Laurenz: Das stimmt. Wir wollen nicht ewig auf der Straße stehen, wir wollen, dass etwas passiert. Die bisherigen Ergebnisse sind ziemlich ernüchternd. Darum achten wir darauf, dass wir einen langen Atem haben und nicht bei einem Großstreik ausbrennen.

Maris: Um unsere Motivation aufrecht zu erhalten, machen wir regelmäßige Klausurtage wo wir überlegen, was wir verbessern können und unsere Erfolge feiern. Außerdem versuchen wir Kraft aus den bisherigen Erfolgen zu schöpfen.

Was waren denn die bisher größten Erfolge?

Lena: Am 20. September 2019 haben fast 800 Orte in Österreich mitgemacht. Das gab es so noch nie. Wir haben es geschafft, am 27. September 80.000 Menschen in Wien zu mobilisieren, österreichweit waren es 150.000. Da waren 1,7 Prozent der Bevölkerung auf der Straße! Das macht uns stolz.

Setzt ihr auch noch andere Aktivitäten außer Demos?

Maris: Ja, wir organisieren Vorträge und Veranstaltungen, treten regelmäßig bei anderen Events auf, betreiben Infostände und organisieren Flash Mobs.

Manche Menschen meinen, Fridays for Future wäre von irgendjemand gesteuert.

Laurenz: Dieser Vorwurf lässt sich leicht entkräften. Wenn da jemand dahinter stünde, dann hätten wir kein Geld- und kein Zeitproblem. Es funktioniert nur, weil sich hunderte, und bei den Streiks tausende Menschen, Zeit nehmen, ihren Alltag unterbrechen, auf ihre Hobbys und ihre Freizeit verzichten um gegen die Klimakrise anzukämpfen.

Viele Menschen sind von Fridays for Future total begeistert. Sie hoffen, dass eine große grüne Bewegung entsteht. Könnt ihr das durchhalten?

Laurenz: Wir halten durch. Und nicht nur das, wir werden immer mehr!

Maris: Es braucht noch viel mehr Bewusstseinsbildung auf allen Ebenen. Wenn die Leute das Problem wirklich verstehen, werden sie auch etwas dafür tun. Es muss ein Volksanliegen werden. Dann kann uns die Politik nicht mit schönen Worten beruhigen – sie muss etwas tun. Und das muss erst bei allen sickern.

Laurenz: Die Debatte hat sich schon verschoben – sie ist in allen Gesellschaftsschichten angekommen. Der Klimawandel ist kein Nischenthema mehr. Jetzt muss auch noch die Dringlichkeit erkannt werden.

Lena: Wir versuchen, was wir können, aber wir werden nicht jeden und jede erreichen. Das ist auch Aufgabe der Medien.

Was können engagierte Menschen tun?

Laurenz: Spread the word. Sie sollen Worte und Taten setzen. Reden und argumentieren, ohne zu bevormunden. Es ist wichtig auf die Argumente oder Zweifel anderer einzugehen. Im Gespräch erkennen viele Leute, dass sie der Klimawandel auch persönlich betrifft.

Es gibt auch Menschen, die Fridays for Future sehr gut finden, die aber Angst vor Gewalt haben. Was sagt ihr ihnen?

Laurenz: Die Gewaltfreiheit ist uns ein riesiges Anliegen. Auf den Demos soll sich jeder und jede willkommen fühlen. Begleitet von Pädagoginnen und Pädagogen sind ganze Schulen und Klassen gekommen, auch aus der Volksschule. Die Volksschulkinder haben das Anliegen verstanden – sie brennen dafür. Das ist auch gut so, denn es geht um die Zukunft dieser Kinder. Aber der Besuch der Demo muss auch für Kinder sicher sein. Wir haben in unseren Grundsätzen verankert, dass wir eine gewaltfreie Bewegung sind. Es gibt immer Ordner und Ordnerinnen und wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Das sieht man dann auch: auf fast allen Demos sehen wir Eltern mit Kinderwägen.

Manche Menschen werden richtiggehend aggressiv wenn es um Fridays for Future geht. Wieso sind sie so aggressiv? Wie begegnet ihr ihnen?

Maris: Für viele Menschen ist es zu viel zu akzeptieren, dass es drastische Änderungen in unserem Leben geben wird. Sie verkraften das nicht – das verstehe ich voll. Andere haben sich noch nicht genug damit beschäftigt oder haben ein falsches Bild vermittelt bekommen.

Laurenz: Wir wissen, wie unser Hirn funktioniert. Bei Problemen stecken wir am liebsten den Kopf in den Sand und blenden das Problem aus. Aber das hilft uns nicht weiter. Hinzu kommt, dass sich manche in der älteren Generation beschuldigt fühlen. Das ist nicht das Ziel! Es geht nicht darum Schuldige zu finden, sondern darum, die notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten um uns eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Natürlich gibt es auch Zyniker*innen – das ist für mich völlig unverständlich. Wir kämpfen ja nicht nur für unsere Zukunft, sondern auch für ihre. Wir haben nur eine Erde.

“Das Handy jedes Jahr wechseln und in den Urlaub fliegen – und dann demonstrieren – das geht nicht zusammen”, höre ich mache Leute abfällig sagen.

Laurenz: Das ist ein Konstrukt, das nicht der Realität entspricht. Als gut informierte Aktivisten ist es uns gar nicht möglich, solche Sachen zu machen. Wir haben alle eine Teilverantwortung.

Lena: Es ist wichtig, dass jeder und jede Einzelne etwas tut. Aber das genügt nicht! Es braucht die richtigen Rahmenbedingungen von der Politik und der Wirtschaft. Dann ist es für den Einzelnen oder die Einzelne auch nicht mehr so schwierig mit dem Zug zu fahren statt zu fliegen. Die Bahnfahrt nach Linz muss attraktiver sein als der Flug nach London. Sonst ändert sich nichts im Big Picture.

Was habt ihr selbst in den letzten Monaten in eurem Leben verändert?

Maris: Auf jeden Fall lebe ich nachhaltiger. Auf jeden Fall habe ich jetzt weniger Zeit für Hobbys und Freunde als zuvor. Gleichzeitig hat sich mein Leben unglaublich bereichert, weil ich so viel lerne und mit so interessanten Menschen zusammen bin. Wer hat schon mit 16 Jahren die Chance, einen Tisch von Politiker*innen zu moderieren?

Laurenz: Verändert hat sich vor allem, wofür ich meine Freizeit verwende. Nach der Arbeit engagiere ich mich für Fridays for Future. Das ist das beste Praktikum der Welt – man lernt zum Beispiel, wie man mit Stresssituationen umgeht.

Manchmal fühle ich mich von der Last auf meinen Schultern wirklich überfordert. Da frage ich mich, warum wir diese Arbeit machen und nicht diejenigen, die dafür bezahlt werden?

Lena: Die Prioritäten in meinem Leben haben sich verschoben. Was vorher Freizeit mit Freunden war oder eine Serie anschauen – das alles opfert man für Fridays for Future. Man lernt extrem viel in allen möglichen Bereichen – Fakten checken, Interviews geben oder eine Diskussion moderieren. Und natürlich lebt man selbst nachhaltiger, wenn man in diese Kreise kommt – man isst weniger Fleisch und fährt mit dem Zug.

Wie wird es weitergehen?

Laurenz: Egal, ob wir uns mit dem Klimathema beschäftigen wollen oder nicht. Wir werden Lösungen finden müssen, wie wir mit höheren Temperaturen umgehen. Das sind ganz praktische Probleme, um die zu lösen wir nicht herumkommen.

Fridays for Future

Etwas mehr als 500 Menschen sind bei Fridays for Future in Österreich aktiv dabei, organisiert in Regional- und thematischen Arbeitsgruppen. Entscheidungen werden basisdemokratisch getroffen. Nach außen treten immer andere Vertreter*innen auf, je nachdem, wer gerade Zeit und Ressourcen hat.

Fridays for Future wird von sogenannten Allianzen gestützt wie Parents for Future, Teachers for Future, Farmers for Future und andere. Im Rahmen von konkreten Aktionen wird punktuell mit den etablierten NGOs wie Global2000 und anderen zusammengearbeitet.

Für die Auszeichnung „Nachhaltige Gestalter*innen“ wurde Fridays for Future von Lena Krippl, Studentin Bio- und Ressourcenmanagement an der BOKU, Laurenz Faber – er hat letztes Jahr maturiert und absolviert derzeit seinen Zivildienst und Maris Filipic – sie besucht die 7. Klasse der Rudolf Steiner Schule Wien 23, vertreten.

www.fridaysforfuture.at