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LOHAS-Studie

Es bestehen Wechselwirkungen zwischen privater Nachhaltigkeitsorientierung von Mitarbeitern und der Arbeitswelt.

Bisher wurden LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability) überwiegend als Konsumententyp im Kontext der nachhaltigen Entwicklung diskutiert. Diese Betrachtung greift nach Ansicht der Forscher am Fachgebiet „Arbeitslehre / Ökonomie und Nachhaltiger Konsum“ der Technischen Universität Berlin zu kurz. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die auf der Karma Konsumkonferenz 2013 präsentiert werden wird.

 

LOHAS wollen auch am Arbeitsplatz wirksam sein
Die Untersuchung basiert auf der zentralen Annahme, dass Menschen mit einer privaten Nachhaltigkeitsorientierung ihre Werte, Einstellungen und Verhaltensweise auch im beruflichen Alltag einbringen wollen. „Die Ergebnisse sind eindeutig“. So kommentiert Ulf Schrader die Auswertung. So gaben 71% der Mitglieder der „Grünen Community“ an, dass es ihnen sehr wichtig sei, ihr umweltfreundliches Verhalten aus dem Privatleben am Arbeitsplatz einzubringen. Im repräsentativen Bevölkerungsdurchschnitt stimmten dem immerhin 54% der Befragten zu. „Wir können aus unseren Daten einen klaren positiven Zusammenhang zwischen der Ausprägung der privaten Nachhaltigkeit und der Wichtigkeit, diese am Arbeitsplatz einzubringen, erkennen. Je mehr ein Mensch sich im Privaten für Umweltschutz interessiert, umso größer ist tendenziell der Wunsch, diese Aspekte auch am Arbeitsplatz zu leben.“ erläutert Ulf Schrader weiter.

Wirksamkeit beeinflusst Zufriedenheit der Mitarbeiter
Die Daten zeigen jedoch eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit auf. Nur etwa 17% der Befragten beider Stichproben gaben an, mit darüber zu entscheiden, was in ihrem Unternehmen bezüglich Nachhaltigkeit geschieht. Hier wird ein großer Handlungsbedarf in den Unternehmen erkennbar. Die Daten zeigen, dass die Wirksamkeit beim Einbringen der privaten Werte ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit, das Commitment und die Bindung der Mitarbeiter ist, insbesondere bei den Menschen mit einer starken Nachhaltigkeitsorientierung. Dieser Zusammenhang ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Befragung.
Vor diesem Hintergrund ist zu empfehlen, Mitarbeiter stärker in das Nachhaltigkeitsmanagement zu involvieren. Dies kann relativ einfach über klassische Instrumente wie das betriebliche Vorschlagswesen oder Ideenwettbewerbe umgesetzt werden. Auch der Aufbau von bereichsübergreifenden Arbeitsgruppen kann die nachhaltigkeitsorientierten Mitarbeiter in ihrer Wirksamkeit stärken. Eine besondere Rolle für die Wirksamkeit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz spielen die Vorgesetzten.

Hier zeigen die Antworten der Befragten klare Defizite in der Praxis. Nur wenige Mitarbeiter (Grüne Community 21%,Bevölkerungsdurchschnitt 22%) werden durch ihre Vorgesetzten darin bestärkt, ihre privaten nachhaltigkeitsorientierten Werte am Arbeitsplatz einzubringen. Weiter zeigen die Ergebnisse, dass ein mitarbeiterzentriertes CSR-Management zu mehr Glaubwürdigkeit der eigenen CSR Aktivitäten führen kann. „Nur wenn ein Unternehmen auch intern lebt, was extern kommuniziert wird, entsteht echte Glaubwürdigkeit im CSR“ unterstreicht Schrader diese Erkenntnis. Aus den Umfragedaten wird auch ein Zusammenhang zwischen der im Mitarbeiterkreis wahrgenommenen CSR-Performance eines Unternehmens und der Zufriedenheit, dem Commitment und der Bindung der Mitarbeiter sichtbar. Je mehr ein Unternehmen sich also für Umwelt und Gesellschaft einsetzt, umso zufriedener und "gebundener" sind auch die Mitarbeiter und umso größer ist deren Bereitschaft, sich auch für das Unternehmen einzusetzen. Dieses Ergebnis legt den Schluss nahe, dass CSRAktivitäten nicht nur gegenüber Kunden, sondern insbesondere auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern kommuniziert werden sollten.

Nachhaltige Talente gewinnen
Darüber hinaus gibt die Studie Hinweise auf die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit für die Personalbeschaffung. So spielt das Thema unternehmerische Verantwortung für Bewerber eine wichtige Rolle in der Auswahl eines neuen Arbeitgebers. Die Studie zeigt, dass Unternehmen, die sich aktiv für Umwelt und Gesellschaft engagieren, am Personalmarkt als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen werden. Und das ist nicht nur für die überdurchschnittlich gebildeten Mitglieder der grünen Community so, die zu 77% dieser Auffassung sind. Auch im repräsentativen Bevölkerungsdurchschnitt bewerten 44% der Befragten verantwortungsvolle Unternehmen als besonders attraktive Arbeitgeber. Diese Zahlen implizieren, dass Unternehmen vor dem Hintergrund des „War for Talents“ dem Thema Nachhaltigkeit bei der Personalbeschaffung mehr Gewicht geben sollten.

„Wir sehen dass das Thema Nachhaltigkeit sein Nischendasein für Unternehmen verloren hat und nun zum Bestandteil jeder Organisationsentwicklung werden sollte“ fasst Ulf Schrader die Ergebnisse zusammen. Auch hier gibt es eine Kluft zwischen Theorie und Praxis, denn in vielen Unternehmen besitzt Nachhaltigkeit noch keine große Relevanz in den Personalabteilungen.
„Wir glauben fest daran, dass einer der zentralen Hebel für die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen bei den Mitarbeitern liegt. Das private und berufliche Verhalten von Menschen sind zwei Seiten einer Medaille: jeder Lebensbereich wirkt in den anderen hinein. Von Unternehmen wird das bisher strukturell noch immer zu wenig reflektiert und genutzt, um nachhaltige Entwicklung im privaten und beruflichen Kontext zu realisieren. Aus diesem Grund und mit dem Ziel, die Rahmen- und Gelingensbedingungen zu erforschen, zu diskutieren und Handlungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten, haben wir die Untersuchungen der TU Berlin gefördert,“ unterstreicht Verena Exner die Relevanz der Umfrage. Sie ist zuständige Referatsleiterin für “Umweltkommunikation und Umweltmanagement in der mittelständischen Wirtschaft” der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Mit Unterstützung der DBU arbeitet das Team der TU Berlin derzeit daran, die gewonnen Erkenntnisse mit den Handelsunternehmen REWE, tegut und Alnatura als Praxispartner an elf bundesweiten Umsetzungsorten in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Hintergrund der Studie:
Die Untersuchung wurde im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Praxisprojektes „Nachhaltig leben und arbeiten“ (http://nachhaltig-leben-und-arbeiten.de/) unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Ulf Schrader und mit den Praxispartnern tegut, Alnatura und REWE umgesetzt. Das auf drei Jahre angelegte Projekt möchte aufzeigen, wie Nachhaltigkeits- und Personalmanagement in Unternehmen durch die Einbindung privater Nachhaltigkeitsorientierung von Mitarbeitern gefördert werden kann.
Insgesamt nahmen 2.443 Arbeitnehmer aus dem deutschsprachigen Raum im November 2012 an der Online-Befragung teil. Die Teilnehmer stammen aus zwei unterschiedlichen Stichproben: 1.079 Pobanden wurden als repräsentativer Durchschnitt der deutschen Online-Bevölkerung über einen Panel-Dienstleister generiert. Die zweite Gruppe mit 1.364 Teilnehmern der „Grünen Community“ stammen aus einem sogenannten „Schneeball-Sampling“, welches über verschiedene deutschsprachige Nachhaltigkeitsnetzwerke wie KarmaKonsum oder Utopia sowie entsprechende Medien wie „Schrot und Korn“ oder die „taz“ generiert wurde.

Gesamtergebnispräsentation auf der KarmaKonsum Konferenz 2013
Detaillierte Umfrageergebnisse werden in einem Impulsvortrag von Christoph Harrach am 23. Mai 2013 im Rahmen der KarmaKonsum Konferenz (www.karmakonsum.de/konferenz) in der IHK Frankfurt vorgestellt.

Informationen zum Programm der 7. KarmaKonsum Konferenz: http://www.karmakonsum.de/konferenz/programm/

 

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