zum Inhalt springen

Nur 9,9 % weniger Treibhausgase

Konjunktureinbruch verringert Treibhausgasausstoß in Österreich um 9,9%. Das sagt ein vom WIFO kürzlich entwickeltes Modell.

Die Maßnahmen zur Begrenzung der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie werden heuer in Österreich zu einem Rückgang des BIP von 7,0% führen. Damit wird eine Abnahme der Emissionen von Treibhausgasen im Umfang von 9,9% einhergehen. Dieses Ergebnis beruht auf einem jüngst am WIFO entwickelten Modell, dessen primärer Zweck die Beurteilung der Klimaverträglichkeit wirtschaftspolitischer Maßnahmen ist.

Die genannte Abnahme der Klimabelastung ist die direkte Folge der Veränderung der Wertschöpfung, die in fast allen Branchen zurückgehen wird. Am stärksten davon werden Beherbergung und Gastronomie und sonstige Dienstleistungen mit –24,5%, die Herstellung von Waren einschließlich Bergbau mit –13% und der Verkehr mit –10% gegenüber 2019 betroffen sein. Die Emissionen nehmen jedoch nicht im gleichen Maße ab. Da die Freisetzung einiger Treibhausgase von der Wirtschaftskrise nicht beeinflusst werden wird, ist der errechnete Rückgang von 9,9% etwas geringer als die Abnahme der Kohlendioxidemission, die mit dem Verbrennen fossiler Energieträger und industriellen Prozesse einhergeht.

Ungewissheit besteht über den tatsächlichen Rückgang des BIP, das im Fall neuerlicher Einschränkungen stärker zurückgehen dürfte. Das Verhalten der Haushalte hat ebenfalls einen großen Einfluss und ist nur schwer einzuschätzen. Vor allem über die Reisetätigkeit in den kommenden Wochen herrscht derzeit große Ungewissheit. Eine starke Nutzung von Pkw könnte die mit dem Transport in Verbindung stehenden Emissionen ansteigen lassen.

Der Ausstoß von Treibhausgasen hängt auch von Faktoren ab, die nicht unmittelbar auf die Wirtschaftsentwicklung zurückzuführen sind, etwa die Zahl der Tage an denen geheizt werden muss oder Gebäude gekühlt werden. Daher ist der genannte Rückgang der Emissionen nicht als Prognose der Treibhausgasinventur für das Jahr 2020 zu verstehen.

In der aktuellsten Treibhausgasinventur hat das Umweltbundesamt (2020) festgestellt, dass 2018 in Österreichs 79 Mio. t an Treibhausgasen emittiert wurden. Das waren um 0,7% mehr als 1990. In Österreich entstehen nahezu 70% der Emissionen von Treibhausgasen im Zuge der Energieerzeugung. Im Mai veröffentlichte Daten von Eurostat zeigen einen durch vermehrten Energieeinsatz bedingten Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen von 2,8% im Jahr 2019 gegenüber 2018. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Emissionen 2019 etwas höher waren als 2018.

Da die österreichische Wirtschaft nach wie vor eng mit der Verwendung fossiler Rohstoffe verwoben ist, wird der für 2021 erwartete Aufschwung von 4,3% wieder zu einer Zunahme der Treibhausgasemissionen führen. Vor zehn Jahren kam es zu einer Zunahme der Emissionen von 5,5% nachdem 2009 ein Rückgang von 7,6% gegenüber 2008 verzeichnet worden war.

Das Modell des WIFO kann genutzt werden, um Entscheidungsträgerinnen und -träger dabei zu unterstützen, jene Maßnahmen zu identifizieren, die Österreich auf einen Pfad der Wirtschaftsentwicklung ausrichten, der eine Entkopplung von fossilen Rohstoffen und Energieträgern ermöglicht. Im Jahr 1990 wurden pro Million BIP 317 t Treibhausgase emittiert, 2018 waren es um ein Drittel weniger, nämlich 211 t. Die Transformation ist also bereits ansatzweise eingeleitet. Die Abkopplung und völlige Vermeidung von fossilen Materialien erfordern jedoch noch weitere Anstrengungen.

Methodische Hinweise kurzgefasst

Die Angaben zur erwarteten Emissionssenkung beziehen sich auf Treibhausgasemissionen, die vom UNFCCC im April 2020 veröffentlicht wurden (Submission 2020 v2), und zwar "Total CO2 equivalent emissions without land use, land-use change and forestry". Dabei werden Gutschriften von Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Waldwachstum ausgeklammert. Auch die Emissionen vom internationalen Flug- und Schiffverkehrs sowie von der Verfeuerung der Biomasse gehen nicht in die Berechnungen ein.

Literaturhinweise

Eurostat, Im Jahr 2019 sind die CO2-Emissionen aus energetischer Nutzung in der EU gesunken, Pressemitteilung, 2020, (78/2020).

IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), 2020, 2006 IPCC Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories. Task Force on national Greenhouse Gas Inventories, https://www.ipcc-nggip.iges.or.jp/public/2006gl/ (abgerufen am 26. 4. 2020).

Umweltbundesamt, Austria's Annual Greenhouse Gas Inventory 1990 – 2018, Wien, 2020.

Umweltbundesamt, Austria's National Inventory Report 2020, Wien, 2020.

UNFCC (United Nations Framework Convention on Climate Change), National Inventory Submissions 2020, https://unfccc.int/ghg-inventories-annex-i-parties/2020 (abgerufen am 13. 7. 2020).

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen