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Was heißt nachhaltig?

Auf der Suche nach dem persönlich richtigen Lebensstil stellt sich immer wieder die Frage, wann denn ein Leben, ein gutes Leben sei. Doch darauf gibt es nicht die eine, richtige Antwort sondern so viele verschiedene Möglichkeiten, wie es Menschen auf der Erde gibt. Sicher ist, dass die Grundbedürfnisse erfüllt sein müssen. Essen, Trinken, Wohnen, Wärme, Sicherheit und Beziehungen braucht jeder Mensch. Sie bilden das Fundament eines gelungenen Lebens. Alles darüber hinaus, die Erfüllung individueller Wünsche und die Selbstverwirklichung, sind Luxus. Aber wann ist ein Leben ein nachhaltiges Leben?

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Diese Frage ist einfach zu beantworten. Nachhaltig ist ein Leben, wenn ein Mensch nicht mehr Ressourcen verbraucht, als nachwachsen können. Laut ökologischem Fußabdruck stehen jeder Person auf dem Planeten dafür 1,8 ha zur Verfügung. Der durchschnittliche europäische Lebensstandard verursacht zurzeit einen Fußabdruck von etwa 4,7 ha, in Österreich stehen wir bei 4,6 ha. Der gegenwärtige Lebensstil ist also nicht nachhaltig und muss hinterfragt werden.

Doch können wir unsere Gewohnheiten ändern, ohne unseren Lebensstandard einzubüßen? Das ist gar nicht so schwer, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Öffentliche Verkehrsmittel können deutlich bequemer sein als lange, ermüdende und stressbeladene Autofahrten. Regionales und saisonales Bioessen kann wesentlich schmackhafter sein und fordert auch noch unsere Kreativität beim Kochen heraus. Weniger Fleisch auf den Teller zu bringen, tut der Gesundheit gut. Eine bessere Wärmedämmung unserer Häuser und Wohnungen steigert sogar die Wohnqualität, verringert den Energieverbrauch und entlastet das Geldbörsl.

Brauchen wir immer noch mehr, um glücklich zu werden? Nein. Denn dass immer mehr Haben nicht glücklicher macht, ist mittlerweile durch unzählige Studien bestätigt.

Der Weg in eine sparsamere, immateriellere Gesellschaft ist natürlich mit Herausforderungen verbunden: Weniger konsumieren heißt weniger Absatz, somit weniger Umsatz und weniger Arbeitsplätze. Hier sind neue Businessmodelle gefragt, die auch die notwendigen politischen Rahmenbedingungen vorfinden müssen.

Alle vier Säulen der Nachhaltigkeit müssen in diesem Prozess in ausgewogener Form berücksichtigt werden: Ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen und die langfristigen Auswirkungen auf unsere Lebenskultur.

Wie entscheiden wir vom Lebensart Verlag, ob ein Produkt, ein Unternehmen, ein Gesetz nachhaltig ist?
Die Bewertung eines Produktes ist relativ einfach. Wir orientieren uns an den vorhandenen Gütesiegeln, z.B. Bio, Fairtrade, Umweltzeichen, oder wir treten mit NGOs und wissenschaftlichen Einrichtungen in Kontakt, um eine Entscheidung treffen zu können, wenn (noch) keine aussagekräftigen Gütesiegel vorhanden sind. Grundsätzlich sind wir für Biolebensmittel, Regionalität, Saisonalität, öffentlichen Verkehr, Energie und Ressourcen einsparen, erneuerbare Ressourcen forcieren. Atomenergie, Öl- oder Gasheizung oder gentechnisch veränderte Lebensmittel beurteilen wir als nicht nachhaltig.

Bei einem Unternehmen betrachten wir die Ausgangssituation und schätzen ein, ob es in wichtigen Bereichen Handlungen setzt, vorzugsweise im Kerngeschäft. Wenn ein Kaffeehändler sein Angebot auf Fairtrade umstellt, ein Gartenhändler alle Pestizide rauswirft oder eine Bank ein Ökosparbuch herausbringt, ist das positiv zu sehen. Kritischer ist es, wenn ein Unternehmen seinen Energieverbrauch senkt – was an sich positiv ist - aber gleichzeitig noch immer bei seinen Zulieferern Kinderarbeit akzeptiert. Da geht es oft um eine ganz konkrete Einschätzung, bei der wir uns wieder mit den jeweiligen NGOs oder wissenschaftlichen Instituten beraten.

Die Beurteilung gesellschaftlicher Entwicklungen gestaltet sich am schwierigsten. Es genügt kein einfacher Blick sondern es ist immer auch die Dimension und Langfristigkeit zu berücksichtigen. So ist es sicher sinnvoll, in Österreich Hackschnitzel- oder Biomasseheizungen zu nutzen. Allerdings zeigt eine einfache Überschlagsrechnung, dass Wald- und Ackerfläche nicht ausreichen, um unseren Bedarf an Bau- und Möbelholz, Papier und Brennmaterial, Lebens- und Futtermittel zu decken. Wollen wir innerhalb unserer ökologischen Grenzen leben, heißt es in erster Linie Ressourcen zu sparen: bei der Heizung, beim Strom, bei der Mobilität, beim Fleischkonsum. Diese differenzierte Betrachtung zu kommunizieren - ohne LeserInnen zu verwirren oder zu demotivieren - ist die größte Herausforderung.

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