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2050: Wir sind aufgewacht!

Familie Zoubek, ADAMAH BioHof

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Thomas Apolt

Die Menschen waren, nachdem es fast zum Dritten Weltkrieg gekommen war, endlich aufgewacht. Soziale Medien entfalteten eine enorme Macht und deckten üble Machenschaften der Konzerne und Regierungen auf. Weltweit wurden die Menschen dazu aufgerufen zu handeln, wenn sie in einer lebenswerten Umwelt leben möchten. Das am Zentrum für Umweltgeschichte der Universität für Bodenkultur Wien herausgegebene Buch "Environmental Histories of the Biological Food“ im Jahr 2020 war der entscheidende Durchbruch, der Bio als Ernährungsquelle für das gesamte 21. Jahrhundert definierte. Ab diesem Zeitpunkt gab es weltweite Veranstaltungen mit Millionen TeilnehmerInnen, die gegen die Weltwirtschaft demonstrierten und Konzerne boykottierten, die nicht nachhaltig wirtschafteten.

Das Finanzsystem wurde zu einem zentralen Steuerungshebel

Bio Mobs trieben gesellschaftliche Bio-Mainstream-Veränderung voran. Es galt, so vieles wieder gut zu machen: die Altlasten des Nicht-Bio-Anbaus, die Treibhausgasemissionen und der jahrzehntelange Verlust der Ökosysteme waren Treiber der Entwicklung. Erfolgreich waren plötzlich nur mehr Unternehmen, die das große Ganze im Auge hatten. Agroindustrielle Großstrukturen, die Artenvielfalt zerstörten, Bodenfruchtbarkeit verringerten oder das Grundwasser belasteten, verloren ihre Lobby und erhielten keine Finanzierung mehr. Nachhaltiges Wirtschaften, der Fokus auf Enkeltauglichkeit und die Devise „wachsen durch teilen“ wurden zur neuen Wertvorstellung und wurden auch von der Politik belohnt. Das Finanzsystem wurde zu einem zentralen Steuerungshebel in Richtung nachhaltiges Wirtschaften, Biobetriebe erhielten günstige Kredite und Finanzierungen. Zudem verteuerte sich Nicht-Bio extrem durch hohe Besteuerung und Bio wurde das neue Normal.

Massentierhaltung aufgegeben

Die Definition des Begriffs „Diät“ veränderte sich grundlegend durch die eingeführte „planetary health diet“.  Den Menschen wurde klar, dass es sich auf ihre Gesundheit und die der Erde auswirkte, wie sie sich ernährten. Der schon lange existierende Trend zu geringerem Fleischkonsum konnte durch die Begeisterung der solidarischen Bürgerbewegung massiv verstärkt werden, sodass in den allermeisten Regionen der Welt kaum mehr Fleisch gegessen wurde. Massentierhaltung wurde aufgrund der Möglichkeit, Schnitzel direkt auf einem Nährboden zu züchten, gänzlich aufgegeben. Dadurch wurden in der Landwirtschaft enorme Flächen frei, die zuvor für den Anbau von Futter verwendet worden waren. Es entstanden viele neue Sorten, die perfekt an das Klima angepasst waren, mit den Temperaturen und dem verfügbaren Wasser gut zurechtkamen, weil sie örtlich weitervermehrt und gezüchtet wurden.

Selbst aktiv

Das Bewusstsein der Menschen zu WERTvollen LEBENSmitteln entwickelte sich rasant. Heute ist es für alle Menschen selbstverständlich, sich rein biologisch und überwiegend vegetarisch zu ernähren. DIY ist kein Hipster-Trend mehr sondern Lebenseinstellung. Supermärkte gibt es keine mehr, man will wieder selbst für seine Ernährung Sorge tragen, selbst live dabei sein, anbauen, mitarbeiten, ernten. Menschen „kaufen“ Lebensmittel mittels BioKistln, Erntefeldern, CSA (Community Supported Agriculture) und Foodcoops. Es wird nur so viel produziert, wie auch gebraucht wird und deshalb auch nichts mehr weggeschmissen! Übrigens werden auch die unglaublichen Mengen an bereits vorhandenen Ressourcen endlich genutzt: Elektronikgeräte, Möbel, Kleidung – alles wird verwendet, repariert statt gekauft… und weitergegeben. Anfangs bangten Menschen um ihre Jobs, doch arbeiten sie heute in gänzlich neuen, erfüllenden Berufen und sind viel zufriedener mit sich selbst.

2050…Wo steht ADAMAH?

Wir binden CO2

Seit Jahrzehnten verzichten wir auf synthetische Düngemittel. Der ADAMAH BioHof ernährt seinen Boden, Nährstoffe zirkulieren im Kreislauf. Eine von ADAMAH mitentwickelte Alternative ist der biozyklische Kompostaufbau mit den Abfällen der Gemüse und Obstproduktion. Auch Klee und Luzerne werden zu Dünger für nachfolgende Pflanzen. Für unsere Hoftiere sind Ackerfrüchte und Gemüsereste nährstoffreiches Futter und über ihren Mist werden die wertvollen Nähstoffe wieder auf den Acker rückgeführt. Die Abermillionen Lebewesen im Boden werden so ernährt und schenken uns dafür fruchtbaren Boden. Humus im Boden wirkt wie ein Schwamm, in dem es vor Leben und H2O nur so wuselt. Gleichzeitig bindet Humus CO2. So erzeugen wir 2050 nicht nur keine Treibhausgase mehr – wir binden auf diese Weise das in der Atmosphäre überschüssige CO2: 50.000 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr, für unsere 100 ha landwirtschaftliche Fläche sind das: 5 Mio. Tonnen CO2! Nachdem es 2050 im Sommer tagsüber Temperaturen von über 45° hat, brauchen wir außerdem den hohen Humusgehalt im Boden um Wasser tier- und pflanzenverfügbar zu halten. Durch hocheffiziente Glashäuser mit Nutzung von Erdwärme und mit Regenwasseraufbereitung konnte die Saisonverfügbarkeit vieler Obst- und Gemüsesorten verlängert werden.

Menschliche und technische Helfer

Die Beikrautbekämpfung erfolgt in Handarbeit, die die Menschen einerseits gerne selbst machen, um wieder in Verbindung mit der Entstehung ihrer Lebensmittel zu stehen. Darüber hinaus gibt es dafür kleine, über Sonnenenergie betriebene Maschinen. Seit diese kleinen Helfer unermüdlich über die Felder wandern, werden Herbizide von niemandem mehr eingesetzt. Weil die Felder Lebensräume für eine Vielfalt an Nützlingen bieten, werden auch Pestizide nicht mehr benötigt. Das ökologische Gleichgewicht stellt sich von selbst ein.
Traktoren sind vielfach durch leichte elektrisch betriebene Maschinen ersetzt worden. Schwere Traktoren haben innovative Druckluftmotoren. Die dazu benötigte Druckluft wird aus dem Wind gewonnen, der hier im Marchfeld kräftig bläst. In einer selbst entwickelten Anlage wird sie vor Ort komprimiert und für die Maschinen nutzbar gemacht. Unsere Glashäuser werden durch Wärmepumpen das ganze Jahr über entweder beheizt oder gekühlt. ADAMAH hat außerdem einen großen Biomeiler im Einsatz zur Gewinnung von Warmwasser und Energie aus Biomasse. Alle Abfälle aus der Landwirtschaft und der Obst- und Gemüseverarbeitung werden so in einen Kreislauf zurückgeführt – entweder als Kompost oder als Biomasse.

Lebensmittelpension

Die Direktvermarktung konnte stark ausgebaut werden und hat sich stark regional fokussiert. ADAMAH versorgt mittlerweile in einem genossenschaftsähnlichen Verbund mit Bauern im Wiener Umland die Großstadt und ihre Speckgürtel mit saisonalem Gemüse und Obst. Von der Produktion wird fast die gesamte Ernte in die Vermarktung gebracht seit sich der Qualitätsbegriff entsprechend geändert hat: Optik hat keine Bedeutung mehr, der Fokus liegt auf den Inhaltsstoffen und Geschmack. Mit den 30.000 Kundinnen und Kunden gibt es sehr starken persönlichen Austausch und über Beteiligungsmodelle werden weitere Ackerflächen angekauft und Adamah zur Bewirtschaftung überantwortet. ADAMAH hat erfolgreich das Modell einer Lebensmittelpension eingeführt. Es gibt entsprechende Vorratsmöglichkeiten um den TeilnehmerInnen dieses Systems eine Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln zu garantieren.

Weil die Wertschöpfungsprozesse wieder in einen engen Umkreis zurückverlagert wurden, wird kaum mehr Importware benötigt. Durch die kurzen Lieferwege ist es möglich, mit einer Fahrradflotte und solarbetriebenen Drohnen auszuliefern, größere Lieferungen und weitere Strecken werden mit Druckluftautos zurückgelegt, deren Reichweite bereits 300km beträgt.

Familie Zoubek 2050…

ADAMAH hat nicht aufgehört, als verantwortungsvoller Betrieb voran zu gehen. Schon seit der Übergabe der ADAMAH Gründer an ihre Kinder und Schwiegerkinder wurde Verantwortungseigentum definiert und gelebt. Mit der Überzeugung, dass Gewinne kein reiner Selbstzweck sind, sondern Saat für die Zukunft wird der eigentliche Sinn des Unternehmens vorangetrieben. Das „Steuerrad“ – die Kontrolle über das Management und strategischen Entscheidungen – liegt in den Händen der Familie, die mit ihrem Betrieb eng verbunden ist.

Sigrid und Gerhard Zoubek, die Gründer des ADAMAH BioHofs, sind 93 & 94 Jahre und können sich endlich zurücklehnen, sind doch ihre Visionen, für die sie all die Jahre mit großer Motivation tätig waren, schlussendlich in Erfüllung gegangen. Jeden Tag haben sie Freude an ihren 12 Enkerln, die alle im Betrieb beschäftigt sind und ihre sinnstiftende Arbeit weiterführen. Sie alle und mittlerweile auch ihre 25 Ur-Enkerln leben wieder in einer lebenswerten Welt.

PORTRAIT ADAMAH 2019

Seit der BioHof 1997 von Gerhard und Sigrid Zoubek vor den Toren Wiens im Marchfeld gegründet wurde, stehen wir für biologische Vielfalt aus lebendiger Erde und BioProdukte mit Biographie. Nachhaltigkeit und enkeltaugliches Wirtschaften wird bei uns am ADAMAH BioHof seit jeher auf allen Ebenen gelebt, denn Gerhard und Sigrid Zoubek war es schon immer eine Herzensangelegenheit mit dem ADAMAH BioHof Werte zu vermitteln, und Mensch, Tier und Natur respektvoll und wertschätzend gegenüber zu stehen. Dieses verantwortungsbewusste Denken spiegelt sich im Handeln des Familienbetriebes wider. Mit dem Herzstück, der BioLandwirtschaft, wurde von Beginn an ein ökologischer Weg eingeschlagen. BioGemüse und BioObst kommen aus 100% BioLandwirtschaft von eigenen Feldern oder sorgfältig ausgewählten BioPartnern. Die volle Vielfalt des BioSortiments kann mit dem BioKistl bequem nach Hause bestellt werden oder im BioLaden am BioHof ausgesucht werden. Zahlreiche Veranstaltungen wie Workshops, Kochkurse, Exkursionen und das jährliche BioHoffest laden zu einem Besuch am BioHof ein und machen Bio hautnah erlebbar. www.adamah.at.

Weitere Statements "Österreich 2050".

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