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bellaflora wirft Kunstdünger raus

Bellaflora führt nur noch Düngemittel, die aufgrund ihrer natürlichen Inhaltsstoffe den strengen Kriterien der biologischen Landwirtschaft entsprechen.

Foto: bellaflora
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Bereits 2013 hat bellaflora mit der kompromisslosen Auslistung aller chemisch-synthetischer Pestizide und Herbizide aufhorchen lassen. „Wir hatten dabei massives Bauchweh, ob die Konsumenten diesen radikalen Schritt mit uns mitgehen werden“ erzählte Geschäftsführer Mag. Alois Wichtl. Seine Schmerzen haben sich mittlerweile verflüchtigt. Ein Umsatzplus von 20 % bei den natürlich-biologischen Pflanzenschutzmitteln bestätigt den eingeschlagenen Weg.

Jetzt präsentierte das Unternehmen den nächsten Coup. In den Regalen der 26 Gartenmärkte wird man ab sofort auch keine chemisch-synthetischen Düngemittel, allgemein auch "Kunstdünger" genannt, mehr finden. Sie werden durch organische Produkte ersetzt, die den strengen Kriterien der biologischen Landwirtschaft entsprechen.

Die Wahl des Düngemittels entscheidet ganz wesentlich über die Qualität des Bodens und damit über Blütenreichtum und Ernte im Garten. Chemisch-synthetischen Dünger haben nachweislich negativen Auswirkungen auf das Bodenleben, die Pflanzengesundheit und auf Gewässer. Sie bestehen hauptsächlich aus Stickstoff, der besonders leicht wasserlöslich ist. Ziel ist, der Pflanze die Aufnahme des Stickstoffs zu erleichtern und damit ihr Wachstum rasch zu steigern. Ein Effekt, der verschiedene negative Auswirkungen nach sich zieht: Die Pflanzen nehmen zu schnell zu viele Nährstoffe auf und wachsen mastig, sind wenig widerstandsfähig, anfällig für Krankheiten und liefern qualitativ minderwertige Früchte. „Der Dünger ist Nahrung für die Pflanzen, so wie das Essen für die Menschen. Manche Experten vergleichen deshalb die organische Düngung mit Vollwertkost, die chemisch-synthetische Düngung dagegen mit Fastfood“, beschreibt Mag. Isabella Hollerer, Leiterin Nachhaltige Entwicklung bei bellaflora, den Unterschied.

„Eine regelmäßige chemisch-synthetische Düngung beeinträchtigt außerdem die Biodiversität und die Qualität der Gewässer“, erklärt Dominik Linhard von GLOBAL 2000. Die Umweltschutzorganisation hat bellaflora wie schon beim Ausstieg aus den chemisch-synthetischen Pestiziden auch bei der Düngerumstellung beraten und unterstützt. Aufgrund der großen Mengen an rasch verfügbaren Nährstoffen verändern sich durch den Einsatz chemisch-synthetischer Dünger die natürlichen Lebensgemeinschaften im Boden – und oberirdisch gewinnen stickstoffliebende Pflanzen die Oberhand, die anderen Arten werden verdrängt und die Pflanzenvielfalt nimmt ab.

Eine vage Schätzung lässt die Bedeutung des Themas Düngemittel in Privathaushalten erahnen: Drei Millionen Haushalte in Österreich verfügen über eigenes Grün in Form von Gärten, Terrassen oder Balkonen (lt. AMA Studie 2009). Geht man davon aus, dass jeder dieser Haushalte einen Liter Dünger pro Jahr verbraucht, sprechen wir von 3 Mio. Litern Düngemittel in privater Hand. Diese Menge entspricht unverdünnt 200.000 gut gefüllten Gartengießkannen (à 15 l) oder 22.000 vollgefüllten Badewannen.

Univ. Prof. DI Dr. Walter Wenzel, Experte für Bodenschutz, beklagt, dass die Dosierung im Kleingartenbereich oftmals viel zu hoch ist. „Auf der einen Seite werden viel zu viele, nicht nachhaltig produzierte Pestizide und Düngemittel verwendet, auf der anderen Seite wird wertvolles Material wie Gras- und Strauchschnitt weggeschmissen. Daraus könnte man selbst wertvollen Kompost herstellen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Humusbildung leisten.“

In der guten Absicht, dem Boden Nährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, schießt also so mancher Hobbygärtner übers Ziel hinaus. Für Hollerer ist das nur ein Grund von vielen, die Umstellung auf naturnahe Dünger zu forcieren: „Organische Düngung bleibt länger im Boden erhalten. Die Nährstoffe werden erst durch Bodenlebewesen für die Pflanzen verfügbar gemacht – und zwar genau dann, wenn die sie brauchen, nämlich wenn es warm und feucht ist.“ „Der Unterschied ist: man düngt den Boden und nicht die Pflanzen“, ergänzt Lienhard.

Das Bodenleben wird durch organische Düngung genährt und gestützt. Ein reiches, gesundes Bodenleben verdrängt Krankheiten und verbessert die Humusbilanz. Durch die dunkle Farbe der Huminstoffe erwärmt sich der Boden im Frühjahr schneller, was wiederum ein gesünderes Pflanzenwachstum begünstigt. Durch chemisch-synthetische Dünger dagegen verschlechtern sich mit der Zeit die strukturellen und physikalischen Eigenschaften des Bodens und der Humusaufbau geht zu Ende. Mit einer Umstellung auf natürliche Düngemittel schützt der Hobbygärtner so auch die Artenvielfalt.

In der Gartensaison 2013 hat bellaflora österreichweit mehr als 200.000 kg Dünger verkauft, zum Teil organischen, zum Teil mineralischen und zum Teil chemisch-synthetischen Ursprungs. Bleiben wir bei der vagen Schätzung, werden also 200.000 Haushalte allein durch die Produktumstellung bei bellaflora ihren Boden nachhaltig verbessern. Reagieren die Konsumenten dagegen wie bei der Umstellung auf biologischen Pflanzenschutz, wird die Zahl weit höher liegen. Das als Universaldünger bekannte Blaukorn wurde bereits im April 2013 durch die biologische Alternative Braunkorn ersetzt. Bei einigen anderen Düngern wurden die Rezepturen geändert. Die schon bisher unter dem Label „biogarten“ geführten Düngemittel bleiben unverändert, neue Produkte werden aufgenommen und so die biologischen Angebote ausgeweitet.

Foto (v.l.n.r.): Mag. Isabella Hollerer, Dominik Linhard, Univ. Prof. DI Dr. Walter Wenzel, Mag. Alois Wichtl.

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