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Christopher Schöpf, CEO & Founder e.battery systems GmbH

"Ich möchte nicht ohne Antwort dastehen."

Christopher Schöpf, Foto: Martin Schachenhofer

Schöpf wurde ausgezeichnet weil sein Unternehmen e.battery systems Energiespeicher aus gebrauchten Lithium-Autobatterien entwickelt. Über eine eigens entwickelte Software kann die Kapazität jeder einzelnen Batterie laufend geprüft werden und sie je nach Bedarf einzeln zugeschalten werden. Das Vorarlberger Unternehmen steigert damit die Effizienz der Batterien um 30 Prozent und verlängert die Nutzungsdauer um bis zu zehn Jahre.

„Ich habe zwei Kinder und sorge mich, dass sie in einer Welt (über-)leben müssen, in der es keine Aussicht auf ein ähnlich tolles Leben gibt, wie ich es führen durfte. Daher bin ich gezwungen, etwas zu tun, etwas zu ändern. Ich möchte nicht ohne Antwort dastehen, wenn mich meine Kinder fragen – WARUM habt ihr uns diese Welt hinterlassen? WARUM habt ihr nichts getan?“ sagt Christopher Schöpf, wenn man ihn fragt wieso er e.battery systems gegründet hat.

Der Familienbetrieb existiert seit 1995 und handelt mit Batterien und Akkus. Schöpf ist step by step ins Unternehmen hineingewachsen und übernahm 2015 die Geschäftsführung. Gleichzeitig ist die Idee für e.battery systems gereift und 2019 in ein eigenes Unternehmen überführt worden.

„Nachhaltig zu agieren ist selten wirtschaftlich. Ich wollte beides vereinen – und zudem jedem Menschen die Möglichkeit geben, etwas für die Umwelt und die Welt zu tun. Eine leistbare Alternative zum Energiewahnsinn entwickeln“, sagt Schöpf. Das Aufstellen der finanziellen Mittel war alles andere als einfach. Schöpf: „Neue Wege zu gehen, bedeutet viel Schulterklopfen einzusammeln, aber selten jemanden zu finden der auch das Risiko mitträgt.“ Zum Glück glaubten sowohl die Hausbank als auch ein Vorarlberger Gesellschafterkreis an ihn. Sie stellten nicht nur das Startkapital zur Verfügung, sie trugen auch die mehrfachen Erhöhungen der letzten drei Jahren mit. 2023 soll das Unternehmen erstmals kommerziell erfolgreich sein.

Dankbar ist Schöpf auch seiner Frau und den beiden Wegbegleitern Markus Feurstein und Udo Filzmaier. Durch sie habe er auch die Ausdauer gehabt weiter zu machen und den Fokus nie verloren – „auch wenn ich manchmal nicht wusste wie es morgen weitergehen soll.“

BUSINESSART: Gibt es genug Lithiumbatterien am Markt?

Schöpf: Nein. Der Markt ist zigtausend Prozent größer als ich beliefern kann. Das ist auch nicht unbedingt schlecht – wir können jetzt lernen wie wir optimal damit umgehen. Die E-Mobilität besteht noch nicht so lange. Derzeit kommen nur ein bis zwei Prozent der Batterien, die im Umlauf sind, zurück. Beides wird exponentiell wachsen. In fünf Jahren werden wir das massiv merken, in acht bis zehn Jahren wird es extrem interessant sein.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Expansion – weltweit – und das nachhaltig! Das Thema ist auf allen Kontinenten relevant. Es bringt nichts, die Batterien nach Europa zu transportieren, die Speicher hier zu bauen und sie wieder zurück zu schicken. Das muss vor Ort (auf jedem Kontinent) passieren damit die Ressourcen vor Ort genützt werden und die CO2 Bilanz pro Kontinent passt. In Europa schaffen wir das bereits durch die Nutzung des Angebots an CO2-reduzierter Transportmöglichkeiten. Dabei helfen uns Kooperationen mit nachhaltigen Transportunternehmen.

Für den Aufbau auf allen Kontinenten habe ich gute Partner gefunden, die dort seit Jahren aktiv sind. Welche Barrieren es gibt wird sich noch herausstellen. Aber es schaut gut aus, dass wir es schaffen werden. Es wird ja auch von Politik gefordert, dass Ressourcen länger genutzt werden und alles CO2-neutral wird. Da muss man Early Adopter sein. Unser Vorteil ist, dass wir schon beweisen können, dass unser Konzept funktioniert.

Was können Sie anderen Manager*innen aus Ihrer Erfahrung mitgeben?

Ein gutes Geschäftsmodell muss einen Mehrwert für die Gesellschaft haben. Die Verbindung aus Wirtschaftlichkeit und Mehrwertschaffung ist die einzige Möglichkeit langfristig ein Business aufzubauen. Denn wenn es der Welt schlecht geht, wird es auch dem reichsten und erfolgreichsten Manager schlecht gehen. Wir haben nur diesen einen Planeten und eine gesellschaftliche Verantwortung.

Haben wir genug Ressourcen um die Welt mit der notwendigen Menge an Batterien auszustatten? Nein. Aber genügend Möglichkeiten und Ressourcen um noch viele Jahrzehnte an Alternativen zu forschen.

Welche Managementsysteme, Zertifizierungen sind für Ihr Unternehmen wichtig?

Klare Vorgaben für Inverkehrbringer was mit den ausrangierten Batterien passieren muss. Erste Ansätze gibt es bereits: Automobiler habe eine Recyclingquote auferlegt bekommen. Das fördert Batteriedesigns, die einfach und kostengünstig recycelt werden können.

Es sollte auch aufgeklärt werden was 2nd Life Batterien tatsächlich bedeuten und dass es gute Gründe für die Weiterverwendung gibt.

Was ist der Leitsatz Ihres Lebens?

„Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun.“ (Steve Jobs)

Man muss mutig sein, etwas zurückgeben, mit seinen Möglichkeiten, Teil der Lösung sein. Mit viel Hausverstand. Dann überzeugt man auch viele Leute vom richtigen Weg. Natürlich muss es auch kommerziell umsetzbar sein. Aber da gibt es noch so viele unberührte Flecken, die man angehen kann. Die Politik ist gefordert die jungen Wilden mit viel mehr finanziellen Mitteln zu fördern.

e.battery systems GmbH, Wolfurt (Vorarlberg)

Branche: Batterien und erneuerbare Energien

Anzahl Mitarbeiter*innen: 50

www.e-batterysystems.at