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Zotter Schokoladentheater in Shanghai

Chocolatier Zotter erobert China: Mit rotem Teppich, schwarzen Limousinen und traditionellem Drachentanz wurde das Schokoladen-Theater des Steirers 2014 offiziell eröffnet.

Foto: Zotter
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Noch kurz vor der Eröffnung klingelte das Mobiltelefon von Josef Zotter. „Was ziehen Sie denn an?“, wollte ein Adjutant des Gouverneurs wissen. Da Josef Zotters legerer Kleidungsstil mit Sakko, Hemd und ohne Krawatte schon aufgefallen war. Auch bei der offiziellen Eröffnungszeremonie betrat der Steirer in legerem Kleidungsstil die Bühne und begrüßte auf Chinesisch. Alle lachten, das Eis war gebrochen und die Stimmung sehr viel lockerer. „Eine Geschäftseröffnung wird in China sehr ernst genommen und wie ein Staatsakt gefeiert“,  berichtet der Steirer.  „Schwarze Anzüge und jede Menge Blumenkränze erinnern an eine Trauerfeier, doch in China sind das Glückwunschkränze. Der gesamte Ablauf wird minutiös vorbereitet und einen Tag lang einstudiert, nichts wird dem Zufall überlassen. Auf der Bühne hatten wir sogar Bodenmarkierungen, damit wir wussten, wo wir stehen mussten. Trotzdem gab es ein paar Überraschungen und der Gouverneur ließ sich sogar zu einer Rede hinreißen, obwohl das seit den Anti-Korruptionsgesetzen nicht mehr erlaubt ist.“, erzählt Josef Zotter. Silvia Neureuter vom Österreichischen Generalkonsulat in Shanghai nahm natürlich auch an der Eröffnung teil.

Anschließend wurde der traditionelle Löwentanz aufgeführt, der zu Geschäftseröffnungen, Neujahr, Hochzeiten und Staatsfeiertagen vorgeführt wird. Zwei Kung Fu Kämpfer verkleiden sich als Löwen, weil Löwen in China Glück, Erfolg und Gesundheit symbolisieren. Am Ende legt man den Löwen ein Geldkuvert ins Maul, um ihn zu zähmen.
Danach gab es Sekt und eine Riesenschokolade und natürlich noch eine gemeinsame Begehung des Theaters.
Am Ende gestand der Gouverneur, dass er hoffentlich mal in einer freien Minute privat mit Sonnenbrille, Kindern und ohne Krawatte das Schokoladen-Theater besuchen wolle.

Danach wurde das Theater für 250 geladene Gäste aus der Shanghaier Society geöffnet und bis am Abend feierte die bunte Expat-Community bei Schokolade, Apfelstrudel, Wiener Schnitzel und österreichischem Bio-Wein. Alle Mobiltelefone waren gezückt und die Riesenschokolade wurde gleich im Netz via WeChat geteilt. Am nächsten Morgen, am 1. Juni, dem Tag des Kindes, standen die Besucher schon Schlange vor dem Theater. „Das war wie bei uns am Tag der offenen Tür, überall nur Menschen.“, erzählt Frau Zotter. „Die Mundpropaganda und die Netzwerke funktionieren sehr gut in Shanghai.“

Das Schokoladen-Theater in Shanghai

Auf 2400 Quadratmetern der denkmalgeschützten Backsteinfabrik am Ufer des Huangpu-Flusses wird österreichische Schokokunst gezeigt, mit allem, was dazugehört: Eine kleine Produktion, wo Pralinen und Schokoladen "on demand" gefertigt werden, eine große Verkostungstour und natürlich ein Wiener Kaffeehaus mit Trinkschokoladen und "Apple Strudel".

Das Schokoladen-Theater in Shanghai wird von Tochter Julia Zotter geleitet (26). Die Schokoladen-Verkostungs-Erlebniswelt mit Shop wird mit Schokoladen aus Österreich beliefert. Die gesamte Produktion bleibt in Österreich. Alle Schokoladen sind Bio und Fairtrade zertifiziert und werden nach China importiert. Deshalb kostet die Zotter-Schokolade in China rund doppelt so viel wie in Österreich. Der Eintrittspreis für das Theater kostet 180 RMB, umgerechnet 21 EUR.

Die Investition beläuft sich auf 6 Millionen Euro. 40 Mitarbeiter hat das Theater derzeit. Die Mitarbeiterzahl wird sich in Kürze auf 80 verdoppeln, wenn das Theater an 7 Tagen in der Woche geöffnet hat. Ein bis zwei Mitarbeiter werden im Wechsel im ersten Jahr zwecks Know-how-Austausch von Bergl nach China reisen und für ein paar Monate dort arbeiten.

Menschenrechte

„Den Gedanken der Mitarbeiterwertschätzung tragen wir nach China wie auch den Fairtrade-Gedanken und legen ihn einmal als Samenkorn ab. Vielleicht entwickelt es sich weiter“, erklärt Julia Zotter.
Sobald es um China geht, fällt sofort das Schlagwort Menschenrechtsverletzungen. Zotter: "Wir sind nicht nach China gegangen, um diese Situation auszunutzen. Wir haben unsere Produktion nicht ausgelagert, sondern in Österreich belassen. Wir sind nach China gegangen, um zu zeigen, dass es auch anders geht. Man kann das Land entweder verdammen oder eben von Innen heraus verändern. Chinesen begeistern sich für westliche Luxusgüter und wir importieren in China nicht nur österreichische Luxusschokoladen, sondern auch die Philosophie dahinter und unsere öko-soziale Weltsicht. Alles was im Westen hip ist, wird auch gern von den Chinesen übernommen, Bio und Fairtrade kann auch in China Mode werden, davon sind wir überzeugt. Wir zahlen natürlich auch in China faire Löhne und bieten gute Arbeitsbedingungen. Wie in Bergl gibt es ein kostenloses vegetarisches Mitarbeiteressen. Zuerst waren die Mitarbeiter skeptisch, weshalb das Essen vegetarisch sei, doch mittlerweile haben viele gesagt, dass sie dadurch das erste Mal über Fleischessen und Tierhaltung nachgedacht hätten."

Chinesischer Geschmack

Worauf steht das chinesische Publikum? Sojaschokolade oder Insektenschoko – weit gefehlt! Das chinesische Publikum liebt hochprozentige dunkle Schokoladen, Sojaschokolade wird so gut wie gar nicht nachgefragt.
Besonders skeptisch reagieren die Besucher auf den Schoko-Schocker - Schokoladen mit Insekten. „Das ist etwas für Touristen“, da sind sich die chinesischen Besucher einig. Und es stimmt, an den Straßenständen, die frittierte Skorpione und Heuschrecken anbieten, stehen eigentlich nur Touristen. Die Insektenverkäufer verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Fotos, wer ein Bild schießt, muss zahlen. Dadurch wird das Bild von den insektenessenden Chinesen am Leben gehalten.

Am besten kommen die handgeschöpften Schokoladen an, so etwas hat man in China noch nicht gesehen. Das Running Chocolate ist ein Highlight, weil die Chinesen es kennen, aber erstmalig erleben, dass am Running-Förderband etwas Süßes serviert wird. „Am Running Chocolate lachen die Chinesen sehr viel, das ist ein echtes Highlight der Verkostungsshow“, erzählt Josef Zotter.

Austria – Australia

Die Verwechslung liegt nahe, weil Australien und Neuseeland sehr präsent in Shanghai sind. Zotter: "Aber sobald man Sissi erwähnt, wissen alle Chinesen Bescheid. Sissi ist in Shanghai noch populärer als bei uns. Deshalb haben wir auch einen Sissi-Gugelhupf gemacht. Extrem beliebt ist auch der Apfelstrudel, den wir in unserem Wiener Kaffeehaus anbieten. Wir kommen kaum mit der Produktion hinterher." Im Wiener Kaffeehaus gibt es Kaffee aus der Zotter-Rösterei, ein kleines Teesortiment, österreichische Bio-Weine und Bio-Säfte.

Direkt am Wasser im Fashion Center

Große Frachter ziehen direkt am Schokoladen-Theater vorbei. Das neue Theater liegt am Huanpu-Fluss, der durch ganz Shanghai fließt. Unweit vom Schoko-Theater ist die berühmte Huanpu Bridge, die der Golden Gate Bridge ziemlich ähnlich sieht und auch der neue Shanghai Tower mit einer imposanten Höhe von 632 Metern und 128 Etagen, ein Wahrzeichen für die Expansion der Megametropole. Höher, schneller, weiter: Keine Metropole auf der Welt ist so schnell gewachsen wie Shanghai. Shanghai („Stadt am Meer“) war einst ein kleines unbedeutendes Fischerdorf und ist nun zu einer Weltmetropole mit 23 Millionen Einwohnern angewachsen.

Weitere Informationen: www.zotter.cn
 

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