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Helios 2014

130 Einreichungen, vier Kategorie-Sieger, vier Anerkennungspreise und ein Hauptgewinner!

Foto: WKNÖ/Josef Bollwein
WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl, Christian Aichinger, Geschäftsführer von Georg Fischer Eisenguss GmbH, Tina Köhler, Kurt Wostry, Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav und EVN-Vorstandssprecher Peter Layr helios_neu

Der zum vierten Mal ausgeschriebene Energieeffizienzpreis "Helios" wurde heute in Wirtschaftskammer Niederösterreich in St. Pölten verliehen. Als Hauptpreisträger setzte sich das Unternehmen Georg Fischer Automotive mit Sitz in Herzogenburg durch. Neben vier Anerkennungspreisen wurden auch vier weitere Kategorie-Sieger vor den Vorhang geholt:

  • Die Windkraft Simonsfeld AG in Simonsfeld (Bez. Korneuburg) in der Kategorie "Energieeffiziente Gebäude und Infrastruktur"
  • Die Riess Kelomat GmbH in Ybbsitz (Bez. Scheibbs) in der Kategorie "Mobilität sowie Bewusstseinsbildung und sonstige Maßnahmen"
  • Die Fleischwaren Berger GmbH & Co KG in Sieghartskirchen (Bez.Tulln) in der Kategorie "Energieeffiziente Produktionsprozesse -große Unternehmen"
  • Die ATTE e.U in Groß Siegharts (Bez. Waidhofen an der Thaya) in der Kategorie "Energieeffiziente Produktionsprozesse – kleine Unternehmen" 
     

Die Träger des Helios
Mit dem Energieeffizienzpreis Helios zeigen die Wirtschaftskammer Niederösterreich, das Land Niederösterreich und der Energieversorger EVN, wie in den NÖ Betrieben Energiesparen und Maßnahmen zur Energieeffizienz erfolgreich umgesetzt werden.

1.300 Gigawattstunden eingespart
Die Jury-Vorsitzende, Klimaforscherin Prof. Helga Kromp-Kolb, hob die Vielfalt und Qualität der eingereichten Projekte hervor. "Es ist beindruckend, was sich in den letzten Jahren alles auf diesem Sektor in den Betrieben getan. Ging es früher nur um eine einzelne Maßnahme, wie etwa die Errichtung einer Solaranlage, so gehen die Unternehmen heute von einem umfassenden Ansatz aus."

Insgesamt werden durch die 133 zum "Helios 2014" eingereichten Projekte über 1.388 Gigawattstunden pro Jahr eingespart, die CO2-Reduktion liegt bei etwa 562.328 Tonnen im Jahr.

Investitionen doppelt verzinst
Energiesparen war auch beim Siegerprojekt des diesjährigen Helios Hauptpreisträgers Georg Fischer Automotive aus Herzogenburg die Hauptmotivation. "Die Reduktion des CO2- Ausstoßes ist sicher ein Motor für unsere Maßnahmen. Aber ebenso geht es  um Kosteneinsparungen mit denen wir über einen längeren Zeitraum unsere Position im internationalen Wettbewerb stärken können", sagt Christian Aichinger, Geschäftsführer von Georg Fischer Eisenguss GmbH.

Die Sieger des "Helios 2014":

GESAMTSIEGER:

Georg Fischer GmbH mit Standort in Herzogenburg (Bez. St. Pölten)

Das international tätige Unternehmen Georg Fischer Automotive beschäftigt am Standort Herzogenburg mehr als 700 Mitarbeiter. Diese produzieren Bauteile aus Aluminium für PKWs, Nutzfahrzeuge und Industrieanwendungen. In den letzten Jahren erfolgte eine umfassende Modernisierung des Werks. Energieeffizienzüberlegungen standen dabei besonders im Vordergrund. So wurden die zwei energieintensivsten Aluminium-Schmelzöfen mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet. Die gewonnene Wärme wird zur Vorwärmung der Verbrennungsluft dem Produktionsprozess wieder zugeführt. In der Folge mussten auch die Schmelzbadbrenner erneuert werden, um die erhöhte Ansaugtemperatur bewältigen zu können. Diese Projektmaßnahmen wurden trotz anfänglich größter Bedenken der Herstellerfirma von den hauseigenen Technikern erfolgreich entwickelt und umgesetzt. Damit sind diese Maßnahmen auch beispielgebend für andere Anlagen. Auch die Druckluftkompressoren wurden mit einem Wärmerückgewinnungs System ausgestattet. Die Abwärme der Kompressoren wird mittels Wärmetauscher in das Raumheizungssystem eingespeist. Dadurch konnte der Energiebedarf für die Raumheizung wesentlich reduziert werden. Weiters wird die innerbetriebliche Abwärme, die beim Betrieb der Induktionsöfen, sowie in der Sandaufbereitung anfällt, mittels Wärmetauscher zur Betonkernaktivierung in einer neu errichteten Halle genutzt. Dabei wird über 16 Kilometer lange Rohrleitungen in 16 Kreisläufen das Wasser als Heiz-bzw. Kühlmedium verwendet. Insgesamt kann mit den Umbauten und der Optimierung der Produktionsprozesse Energie im Gesamtausmaß von mehr als 2,5 Mio. KWh jährlich eingespart werden, der CO2-Ausstoß verringerte sich um nahe zu  650 Tonnen. Dieses beeindruckende Ergebnis konnte durch ein optimales Zusammenspiel des Wissens von externen Energieexperten und dem Know-how engagierter Mitarbeiter erzielt werden.

KATEGORIESIEGER:

A)ENERGIEEFFIZIENTE GEBÄUDE UND INFRASTRUKTUR:

Windkraft Simonsfeld AG, Bez. Korneuburg

Die Windkraft Simonsfeld AG ist österreichweit einer der größten Windstromproduzenten. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet und hat seinen Firmensitz in Simonsfeld im Bezirk Korneuburg. Rund 1.650 Personen haben sich zusammengeschlossen und betreiben mit mehr als 60 Mitarbeitern gemeinsam 70 Windräder. Die Anlagen werden heuer knapp 360 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren und decken damit den Jahresbedarf von etwa 90.000 Haushalten. Mit der 2014 fertiggestellten Firmenzentrale wurde nun eines der modernsten und nachhaltigsten Firmengebäude offiziell in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um das erste betrieblich genutzte Plus Energie Gebäude Niederösterreichs, das heißt es produziert mehr Strom, als es verbraucht. Die Büros der neuen Zentrale, die optimal gedämmt ist, sind im nördlichen Teil untergebracht. Der Süden des Gebäudes ist zur Gänze verglast und leicht gekrümmt. Photovoltaik-Beschattungselemente schützen die Fassade vor zu starker Erwärmung. Eine thermische Solaranlage und eine Wärmepumpe sorgen für die Beheizung. Die Kühlung in den Sommermonaten gewährleistet ein ausgeklügeltes Belüftungssystem in Kombination mit einem aus Tiefenwasser gespeisten Kühlwasserkreislauf. Mit dem Einsatz von vier Elektroautos werden jährlich außerdem 3.000 Liter Benzin eingespart, was mithilft, den CO2-Ausstoß um sechs Tonnen pro Jahr zu verringern.

B)MOBILITÄT SOWIE BEWUSSTSEINSBILDUNG UND SONSTIGE MAßNAHMEN

Riess Kelomat GmbH, Ybbsitz, Bez. Scheibbs

Die Riess Kelomat GmbH ist österreichischer Marktführer bei Email-Kochgeschirr und einziger heimischer Kochgeschirr Hersteller. Das innovative Familienunternehmen in Ybbsitz im Mostviertel beschäftigt 115 Mitarbeiter. Produziert werden hochwertige Schnellkochtöpfe, Induktionsgeschirr, Spezialpfannen und Emailschilder, die weltweit in 35 Länder exportiert werden. Besonders am Herzen liegt dem erfolgreichen Unternehmen auch eine nachhaltige Arbeitsweise. Statt eine neue Maschine mit einem achtmal so hohen Energieverbrauch anzuschaffen, wurde eine Tiefziehpresse aus dem Jahre 1953 so umgebaut, dass nicht nur eine energieeffiziente Arbeitsweise gewährleistet ist, sondern auch die modernsten Sicherheitsstandards erfüllt werden. Der technische Überwachungsverein TÜV bestätigte, dass die Firma Riess mit diesem Projekt den Stand der Technik neu definiert hat. Es ist dies ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass Neuanschaffungen nicht immer die beste Lösung für Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sein müssen. Eine weitere Energieeffizienzmaßnahme ist die Nutzung der Abwärme des Brennofens zum Trocknen der Waren. Die im Trockenofen anfallende Abluft wird wiederum zur Trocknung der Waren in der nachgeschalteten Trockenlinie verwendet. Seit 1926 betreibt die Riess Kelomat GmbH darüber hinaus 3 Kleinwasserkraftwerke mit deren Hilfe 100%iger Ökostrom erzeugt wird und jährlich 4.600 Tonnen CO2 sowie 3,6 Tonnen Schwefeloxyd- und -dioxid eingespart werden.

C)ENERGIEEFFIZIENTE PRODUKTIONSPROZESSE - GROSSE UNTERNEHMEN

Fleischwaren Berger GmbH & Co KG, Sieghartskirchen, Bez. Tulln

Der Fleischwarenspezialist Berger in Sieghartskirchen im Tullnerfeld produziert seit mehr als 120 Jahren qualitativ hochwertige Schinken- und Wurstspezialitäten. Dabei setzt das bereits in vierter Generation geführte Familienunternehmen vor allem auf den regionalen Ursprung der Rohstoffe. Mehr als 45 verschiedene Sorten hat der vielfach ausgezeichnete Schinkenproduzent im Angebot, das großteils über den Einzelhandel und die 4 eigenen Filialen vertrieben wird. Aber nicht nur hier gilt das Unternehmen mit seinen 450 Mitarbeitern als Trendsetter. So wurde, um ökonomischen und ökologischen Grundsätzen Rechnung zu tragen, am Standort Sieghartskirchen die österreichweit größte solare Prozesswärmeanlage errichtet. Herzstück ist ein mehr als 1.000 m2 großes Kollektorfeld mit einem 60.000 Liter Pufferspeicher für industrielle Prozesswärme. Die damit produzierte Wärmemenge dient in erster Linie für die Vorwärmung des Speisewassers zur Erzeugung von Dampf, der etwa zum Kochen der Schinken benötigt wird. Außerdem wurde eine Kälteanlage mit einer Wärmerückgewinnung installiert. Die anfallende Abwärme wird für die Beheizung der Garderoben und des Speisesaals genutzt, sie hilft aber auch mit , das Warmwasser aufzuheizen. Mit diesen Maßnahmen werden jährlich mehr als 62.000 Liter Heizöl eingespart und damit knapp 220 Tonnen an CO2-Emissionen. Der garantierte Solarertrag beträgt 500 MWh pro Jahr.

D)ENERGIEEFFIZIENTE PRODUKTIONSPROZESSE IM UNTERNEHMEN - KLEINE UNTERNEHMEN

Atte e.u, Groß Siegharts, Bez. Waidhofen/Thaya

Seit 2008 beschäftigt sich die ATTE in Groß Siegharts im Waldviertel mit der Produktion von technischen Spezialbändern für Transformatoren, Drosselspulen und Elektromotoren. Das Unternehmen liefert seine hochwertigen Bänder aus Glasfaser mit einer garantierten Lebensdauer von 30 Jahren bis nach Amerika und Asien. Zur Herstellung der Bänder betreibt ATTE eine spezielle Beschichtungsanlage. Im Zuge des Beschichtungsprozesses werden hier Kohlenwasserstoffe frei. Dem Zeitgeist und den Umweltauflagen entsprechend, wurde deshalb eine Abluftverbrennungsanlage installiert, in der die kontaminierte Luft auf etwa 850GradC erwärmt wird und die Kohlenwasserstoffe in der Brennkammer zur Oxidation gebracht werden. Da diese Kohlenwasserstoffe einen sehr hohen Heizwert aufweisen, läuft die Anlage nach dem einmaligen Aufheizen mit Fremdenergie autotherm, also ohne die Verwendung zusätzlicher Brennstoffe. Die dabei entstehende Abwärme wird mit Hilfe von Wärmetauschern einerseits zur Vorwärmung der Prozesszuluft und andererseits zur Unterstützung der Raumheizung herangezogen. Insgesamt konnte durch den Einbau dieser Verbrennungsanlage der jährliche Energieverbrauch um 90% gesenkt werden. Der CO2 Ausstoß wurde von 645 auf 76 Tonnen im Jahr reduziert.

ANERKENNUNGSPREISE:

Spreitzer GmbH, Ybbsitz, Bez. Scheibbs
Das Bauunternehmen Spreitzer mit Sitz in Ybbsitz im Mostviertel deckt eine sehr breite Angebotspalette ab, wie beispielsweise Baumeister-, Zimmerer- und Dachdecker-arbeiten. Bei der Modernisierung und Erweiterung des Betriebsgebäudes war es das Ziel, ein Zeichen für die Zukunft zu setzen. So wurde das Gebäude im Passivhausstandard errichtet, die erforderliche Wärmemenge wird aus Biomasse bereitgestellt, LED-Technik kommt zum Einsatz und eine extensive Begrünung der gesamten Dachfläche erhöht den thermischen Komfort. Darüber hinaus wurde besonders Wert gelegt auf den Einsatz von ökologischen Materialien und auf die gute Qualität der Arbeitsplätze.

B. Braun Austria GmbH, Maria Enzersdorf, Bez. Mödling
Betrieblicher Umweltschutz wird beim Spezialisten für Medizinprodukte schon seit vielen Jahren groß geschrieben. Das aktuelle Projekt beschäftigt sich mit dem Thema Mobilität. B. Braun kooperiert im Logistikbereich mit der Firma Paul Hartmann, ebenfalls Vorreiter im Bereich Medizinprodukte. Die Liefertouren der beiden Unternehmen sind fast ident. Darüber hinaus haben die Produkte von B. Braun meistens wenig Volumen und viel Gewicht und die Produkte von Paul Hartmann viel Volumen und meist wenig Gewicht. Also optimale Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit in der Logistik. Durch die Zusammenlegung konnten nicht nur die Touren, sondern auch die Auslastung optimiert werden. Diese Kooperation zeigt, dass intelligente Lösungen vielfach keine Kosten verursachen und sogar zu Kosteneinsparungen von fast 40 Prozent führen können.

Franz Oberndorfer GmbH & Co KG, Wöllersdorf, Bez. Wiener Neustadt
Das Familienunternehmen Franz Oberndorfer GmbH & Co KG ist Spezialist für groß dimensionierte Betonfertigteile. Am Standort Wöllersdorf wurde für die Trocknung der Spannbeton-Hohldielen, die beispielsweise als Deckenelemente zum Einsatz kommen, ein komplett neues Heizsystem entwickelt. Ursprünglich wurde der Beton mittels Extruder auf die Fertigungsbahnen aufgebracht, welche von unten zur Beschleunigung des Aushärtungsprozess des Betons beheizt wurden. Als Wärmeträger wurde Thermoöl eingesetzt. Beim neuen Verfahren wird nun die Hydratationswärme des Betons genutzt und Thermoöl durch Wasser ersetzt. Der Energieverbrauch konnte durch das neue System um 96 Prozent gesenkt werden und die Prozesstemperatur wurde von 120GradC/160GradC auf ca. 50GradC reduziert. Aufgrund der geringeren Vorlauftemperatur besteht zukünftig auch die Möglichkeit, solare Wärme einzubinden. Die Jury beeindruckte bei diesem Energieeffizienzprojekt der innovative, kreative und wissenschaftliche Ansatz. Das Heizsystem wird gemeinsam mit einer österreichischen Universität weiterentwickelt. Das Interesse von ausländischen Firmen an diesem Projekt bestätigt den eingeschlagenen Weg. 

Fritz Egger GmbH & Co. OG Holzwerkstoffe, Unterradlberg, Bez. St. Pölten
Die Firmengruppe Egger beschäftigt sich am Standort Unterradlberg seit vielen Jahren mit den Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energie. Umgesetzt werden beim Spanplattenproduzenten nicht nur innerbetriebliche Maßnahmen wie Druckluft- oder Beleuchtungsoptimierungen, sondern auch Kooperationsprojekte. So wurden 2009 zwei Biomassekraftwerke errichtet, die nicht nur vom Unternehmen selbst, sondern auch von den benachbarten Produktionsanlagen der Firmen Sunpor und der Privatbrauerei Egger genutzt werden. Beim Helios 2012 wurde das neu im Niedrigenergiestandard mit Passivhauskomponenten errichtete Technologiezentrum präsentiert.  Um den Mitarbeiter/Innen die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln zu erleichtern, wurde beispielsweise ein Bahnübergang errichtet. Auch das vorliegende Projekt beschäftigt sich mit Mobilität. So wurde nach einer zweijährigen Testphase die 8 Tonnen Staplerflotte von Gas- auf Elektroantrieb umgestellt. Das langjährige, kontinuierliche und vielseitige Engagement im Energieeffizienz- und Mobilitätsbereich der Firmengruppe Egger am Standort Unterradlberg hat die Jury zu dieser besonderen Anerkennung bewogen.

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