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Im Gespräch mit Johannes Gutmann

Johannes Gutmann, Sonnentor

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Wo liegen die größten Herausforderungen für Ihre Branche und für Ihr Unternehmen?
Die Lebensmittelproduktion und der damit verbundene Verbrauch von Energie, die damit verbundene Vernichtung und das Wegschmeißen von Lebensmitteln sind Haupttreiber der weltweiten Klimaerwärmung, Energie- und CO2 Problematik. Zusätzlich können ausgelaugte Böden keine Wetterextreme wie starke und kurzfristige Regengüsse oder Wind abpuffern. Es kommt zu großflächigen Erosionen, Bodenverdichtungen und Abschwemmungen. Die Hauptaufgabe der Landwirtschaft ist der langfristige ERHALT und eigentlich das VERMEHREN der Bodenfruchtbarkeit mit allen Nährstoffen, die in der biologischen Kreislaufwirtschaft vorhanden sein sollten.
Der Lebensmittelgroßhandel hat die Aufgabe diese Erträge nach Saison, Qualitäten und Mengen abzugleichen und über die vorhandenen Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte bestens zu verteilen. Alle sollten nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Grundkriterien handeln und regional, saisonal und biologisch bevorzugen.

Wo liegen die größten Chancen?
Die größten Chancen liegen in der Direktvermarktung und in den Nischen, natürlich am besten BIO! Österreich hat dazu ein hervorragendes Steuersystem in der landwirtschaftlichen Pauschalierung, wo ein gutes Leben leicht möglich ist. SONNENTOR hat sich Produktnischen wie Bio-Teekräuter und Bio-Küchenkräuter und Bio-Gewürze gesucht, um der alternativen und klein strukturierten Biolandwirtschaft Vermarktungsmöglichkeiten zu bieten. Die klein strukturierten Bio-Betriebe sind nur in der Spezialisierung überlebensfähig. Viele Konsumenten suchen wieder Kontakte zu authentischen Menschen, deren Werten und Produkten.

Kann ein Unternehmen ohne Wachstum (über-)leben?
Kein Wachstum bedeutet Stillstand und wenn ein Herz still steht, ist klar was passiert. Ein Betrieb, ein Unternehmen hat immer ein Herz und daher muss sich dieses bewegen. Es muss nicht um ein Mengen-Wachstum gehen, es gibt auch ein Qualitäts-Wachstum, ein Organisations-Wachstum und andere Entwicklungs-Wachstumsmöglichkeiten. Dazu braucht es allerdings Ideen und Freude an der Entwicklung.

Was kann und soll wachsen? Was wird zurückgehen?
Wo Sonnentor jetzt ist, ist die Luft oft schon sehr dünn. Wer nur in den Rückspiegel schaut verpasst die nächste Kurve und daher schauen wir lieber nach vorne! Meine Mutter sagt mir auch immer wieder… „auch Dein Baum wächst nicht in den Himmel!“ Da hat sie 100% Recht. Dafür pflanzen wir mit unseren Franchisepartnern neue Bäumchen und einige davon haben schon ordentlich Wurzeln geschlagen. Und mit diesen Herausforderungen wachsen wir wieder mit, es ist ein ständiges weiter entwickeln. Ich meine damit nicht unbedingt Wachstum, ich meine in erster Linie Erkenntnis: Was brauchen wir, was brauchen wir nicht, was bringt uns weiter und was müssen wir wieder verändern, um nicht verändert zu werden.