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CSR-Circle: Macht und Ohnmacht der Medien

„Blood, Sex und Crime“ – das sind die Zutaten für erfolgreiche Zeitungen und TV-Formate. Ist „CSR“ dazu das Salz oder das Haar in der Suppe? Inwieweit passt CSR in das mediale Rezept? Darüber diskutierten JournalistInnen und MedienmacherInnen beim CSR-Circle am 23. November im Dschungel Wien.

Foto: Draper Martina
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Medienbranche im Umbruch

Reinhard Herok, gugler cross media und Mag. Cornelia Dankl, BONUS CONCISA leiteten ihre Moderation mit düsteren Nachrichten ein: Die Medienbranche befindet sich im Umbruch. Gratiszeitungen, Internet und Social Media bringen die altgedienten Geschäftsmodelle ins Wanken. Die Verlage kämpfen um AbonnentInnen und WerbekundInnen. JournalistInnen arbeiten zu einem Bettellohn oder werden gekündigt, Zeitungen werden eingestellt oder zusammengelegt, um die Kosten zu reduzieren. Herok „Was bedeuten diese Entwicklungen für die Zukunft von unabhängiger Information? Und haben Informationen über CSR und Nachhaltigkeit in diesem Rahmen noch Platz?“

Foto: Draper Martina
Mag. a Barbara Eppensteiner dra_5950_eppensteiner2kl

Offener Zugang und Vielfalt

„Unsere Programmrichtlinien sind quasi ein selbst definierter öffentlicher Auftrag“ schildert Mag.a Barbara Eppensteiner, Programmintendantin von OKTO ihren Ansatz. „OKTO steht für Gemeinwohl, Weiterentwicklung der Demokratie und die Darstellung gesellschaftlich relevanter Themen, die in anderen Medien zu kurz kommen. Grundsatz unseres Konzeptes ist der offene Zugang für die Programmmacher. Das bringt eine Vielfalt von Themen die ganz nahe an den Bedürfnissen der Betroffenen sind.“

Foto: Draper Martina
Roswitha Reisinger, MBA, Mark Perry dra_6400_reisinger_perry_1kl

Unabhängige Information braucht Leidenschaft und Menschen, die dafür bezahlen

Roswitha Reisinger, MBA, ist Eigentümerin und Geschäftsführerin des Lebensart-Verlages, der mit LEBENSART und BUSINESSART zwei Nachhaltigkeitsmagazine herausgibt. „Die Basis unserer journalistischen Arbeit liegt in unserer persönlichen Leidenschaft für das Thema, treuen AbonnentInnen und einem nachhaltigen Netzwerk.“ Die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung sei für die LeserInnen und damit für Reisinger ein ganz zentraler Wert. Aber: „Bisweilen wird Druck ausgeübt, Inserate mit PR Beiträgen koppeln zu wollen. Das ist ein Versuch von Korruption, auch wenn das vielen gar nicht bewusst ist“. Unabhängige Berichterstattung brauche jetzt und in Zukunft Menschen, die dafür bezahlen. So wie man sich auch für Bioprodukte oder fair produzierte Kleidung entscheidet, könne man sich auch für unabhängige Information entscheiden.

„Mein Herz schlägt für die Natur und den Umweltschutz“

Für Mark Perry, Journalist der Kronen Zeitung und Buchautor ist es ebenfalls die persönliche Leidenschaft für das Thema Natur und Umweltschutz, für die er seit 25 Jahren in die Tasten klopft. „Damals, als die Hainburger Au besetzt wurde, war die Krone die einzige Tageszeitung auf der Seite der Aubesetzer, während alle anderen die Regierungslinie gebracht haben. Darüber hinaus haben wir viele Kampagnen gefahren, gegen Gentechnik und Atomkraft und für die Biobauern. Ich schreib mir die Seele aus dem Leib, weil mein Herz für diese Themen schlägt.“

Es braucht visionäre Kraft und Mut

Während Eppensteiner und Reisinger von einem selbst erteilten ‚öffentlichen Auftrag‘ sprechen, arbeitet Mag. Johannes Kaup als Journalist und Moderator für Ö1 tatsächlich beim öffentlich rechtlichen Rundfunk. „Es ist auch bei uns nicht leicht, nachhaltige Themen unterzubringen. Denn es sind nicht die Journalisten, die das Unternehmen führen, sondern Leute, die auf die Reichweite schauen.“ Beim Thema Nachhaltigkeit gehe es um so wesentliche Fragen wie unsere Zukunft, ob unsere Welt enkerltauglich ist. Und das werde dann in Schwerpunktwochen oder Sonderbeilagen abgehandelt. „Die Medienmacher haben keinen Kontakt zu diesen Themen und Politik-Berichte bilden ja längst nicht mehr die Gesellschaft ab. Es gibt in der Politik auch keine visionäre Kraft und keinen Mut, eine wirkliche Wende einzuleiten, die nachhaltiges Handeln bevorzugt.“

Foto: Draper Martina
Herok, Kaup dra_6045_herok_kaupkl

Einig waren sich alle in der Skepsis darüber, dass die großen Medienhäuser den Wandel unterstützen, weil sie selbst Wirtschaftsunternehmen geworden sind. Eppensteiner: „Es geht letztlich darum, was die Aktionäre rausbekommen und nicht um die gesellschaftliche Verantwortung. Wir füllen lediglich eine Lücke in einem System, das falsch läuft.“ Kaup: „Ich habe den Verdacht, dass die Medien nicht mehr die vierte Macht im Staat sind, sondern sich selbst abschaffen, weil sie more of the same produzieren und nicht die wirklich wichtigen Fragen thematisieren. Damit ist unsere Branche in einer großen Krise.“ Reisinger: „Nachhaltige Magazine und Formate handeln hier anders. Sie sind an den wesentlichen Themen dran, bieten eine Plattform für gesellschaftlichen Diskurs und führen ihn kontinuierlich weiter.“

Christian Brandstätter

Zum Spot der TAZ zum Thema Qualität und Bezahlung. Die TAZ hat eine Art freiwillige Paywall für ihre online Ausgabe eingeführt. Sie will damit ihre NutzerInnen als mündige BürgerInnen ansprechen und sie überzeugen, zur Finanzierung und damit zur Sicherstellung der Unabhängigkeit beizutragen.


 

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