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Markus und Iris Kaufmann, MOBIL 60plus

„Das Schönste ist, unseren Pensionist*innen den Alltag bequemer, flexibler und sicherer zu gestalten“.

Iris und Markus Kaufmann, Foto: Alexander Pak

Viele Senior*innen sind noch rüstig und wollen aktiv sein. Manche brauchen Hilfe, vor allem, wenn sie von A nach B kommen wollen. Markus und Iris Kaufmann haben für sie ein Angebot in ihrem Heimatort Kaprun entwickelt. Freiwillige Senior*innen melden sich zum Fahrtendienst und bringen immobile 60+ Senior*innen per E-Auto zu ihrem Termin und anschließend wieder zurück nach Hause. Das alles um einen geringen Mitgliedsbeitrag und Fahrtkostenzuschuss. 2021 wurden 2.400 Fahrten durchgeführt.

BUSINESART: Was war das Schlüsselerlebnis dafür, dass Sie MOBIL 60plus geründet haben?

Markus Kaufmann: Ich habe einen Teil meiner Firma verpachtet, dadurch hatte ich ein freies Zeitbudget. Ein Fernsehbericht über ein ähnliches Projekt hat mich auf die Idee dazu gebracht.

Was war die größte Herausforderung?

Es hat keine großen Herausforderungen gegeben, abgesehen von vielen Gesprächen mit meiner Frau und dem Umfeld. Vielleicht noch die Entwicklung eines neuen Grafik-Designs und die Beschaffung des Fahrzeuges. Die Preisfindung ist natürlich auch immer so ein Thema. Ich denke da ist ein guter Mittelweg gelungen. Natürlich immer mit dem Hintergrund, dass das Projekt erfolgreich sein sollte.

Wie haben Sie das geschafft?

Das erste Jahr habe ich alle Fahrten alleine durchgeführt. So habe ich das System und den Ablauf gelernt und kleine Optimierungen machen können. Jetzt nach drei Jahren kann ich mit Stolz sagen: das Projekt finanziert sich mit einer Einmalunterstützung für das Auto, Sponsorbeiträgen, dem Fahrtgeld und den Mitgliedsbeiträgen. Das ist auch der Grund warum wir uns entschlossen haben, das Projekt anderen Gemeinden und Personen zu präsentieren und diese im Aufbau und in der Abwicklung zu unterstützen.

Wie war das mit der Akzeptanz zu Beginn und wie wird das Angebot heute angenommen.

Die anfängliche Schwellenangst, Mitglied zu werden, ist nun schon fast nicht mehr vorhanden. Interessant ist auch das sich die Männer länger nicht getraut haben mitzufahren. Das hat natürlich auch etwas mit dem männlichen Stolz zu tun. Ich habe im März 2019 mit einem Mitglied gestartet, derzeit haben wir schon rund 90 aktive Mitglieder. Gesehen auf unsere Einwohnerzahl von 3.150 ist das eine sehr gute Beteiligung.

Was sind die häufigsten Gründe für Fahrten?

Vor allem zum Arzt, in die Apotheke, zum Einkaufen, für Bankgeschäfte und Amtswege, zum Friseur oder zur Fußpflege, zum Schrebergarten, um Freunde zu treffen und im Sommer zum Baden. Wir sehen uns auch als Entlastung für die Angehörigen der Pensionist*innen. Es muss keine Tochter und kein Enkerl mehr gefragt werden, um zu den diversen Terminen gebracht zu werden.

Gibt es genügend freiwillige Senior*innen für den Fahrtendienst?

Ja, es gäbe noch viele weitere Freiwillige, die uns unterstützen würden, aber so wie es derzeit ist passt das perfekt. Wir haben aktuell in unserem voll motivierten Team einen Kassier, einen Koordinator und zwölf Fahrer*innen, die sich abwechseln, jeweils zwei Tage pro Schicht. Nach dem ersten Jahr habe ich eine Struktur eingeführt, um den Tagesablauf zu automatisieren. Wir treffen uns alle sechs Wochen und planen dabei die Einteilung der Fahrer*innen für die nächste Periode. Viele haben ein gutes Gefühl geholfen zu haben. Der soziale Kontakt im Auto ist immer wieder ein Erlebnis. Wir hatten in den letzten drei Jahren noch niemanden im Team, der aufgehört hat – in Zeiten wie diesen sehr erfreulich!

Wie sieht es mit Versicherungen aus?

Das Auto ist vollkaskoversichert und die Fahrer*innen haben über das Land Salzburg eine Rechtsschutzversicherung.

Die lokalen Taxiunternehmen werden keine Freude mit Ihrem Angebot haben.

Stimmt nicht, ganz im Gegenteil. Da ich bei uns im Ort eine Tankstelle betreibe, kenne ich natürlich alle Taxler und habe auch mit allen über meine Ideen gesprochen. Sie sind dem Projekt gegenüber positiv eingestellt, da wir ja nur Fahrten im Ortsgebiet von Kaprun durchführen. Wenn jemand in einen anderen Ort muss, braucht er natürlich ein offizielles Taxi. Das soll auch so sein.

Was war Ihr bisher schönstes Erlebnis?

Dass ich - nach anfänglichen skeptischen Blicken und Wortmeldungen - das Projekt zu einer sehr begehrten Einrichtung im Ort geführt habe. Das schönste dabei ist natürlich die Wertschätzung und Freude unserer Pensionist*innen, denen wir den Alltag bequemer, flexibler und sicherer gestalten.

Wie wichtig ist Ihnen selbst das Thema Nachhaltigkeit?

Wir haben selbst drei Jungs 14, 19 und 22. Die Diskussionen zum Thema Nachhaltigkeit sind für beide Seiten befruchtend. Unser mittlerer Sohn zum Beispiel sagt er ist voll für Nachhaltigkeit, jedoch muss es für ihn klare Anweisungen und Verbote geben.

Ich selbst habe seit sieben Jahren unseren gesamten Betrieb auf Grundwasserheizung umgestellt, also kein Gas, kein Öl, sondern nur etwas Strom für den Wärmetauscher. Derzeit bin ich fast fertig mit der zweiten Ausbaustufe unserer Photovoltaikanlage auf 280KW/Peak Leistung. Bei uns an der Tankstelle habe ich einen Supercharger für Elektrofahrzeuge installiert, der nächstes Jahr zu einem Lade Park mit einem 300KW Lader und fünf 150KW Lader ausgebaut wird.

Was ist das Leitmotiv Ihres Lebens?

Offen und interessiert in alle Richtungen. Dinge tun und nicht nur davon sprechen. Zeit für „Menschlichkeit“ überhaben und einplanen. Helfen wenn es möglich ist. Wir haben als Beispiel seit drei Monaten einen jungen Ukrainer bei uns in der Wohnung, wir organisieren seine Deutschkurse, wecken ihn um fünf Uhr auf, damit er rechtzeitig in die Arbeit kommt. Das macht Spaß, ist sinnvoll und ein Ausgleich zum täglichen Berufsalltag. Wie man sieht ändern sich die Aufgaben bzw. Möglichkeiten etwas zu unterstützen oft einmal von einem Tag auf den anderen.

MOBIL 60plus GmbH, Kaprun

Branche: Mobilitätsdienstleister

Anzahl der Mitarbeiter*innen: 14, überwiegend ehrenamtlich.

www.mobil60plus.at