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Mehr Mitarbeiterinnen in internationalen Firmen

Eine aktuelle Studie von den WU Wissenschaftlerinnen Alyssa Schneebaum und Carolina Lennon zeigt, dass international tätige Unternehmen mehr Frauen anstellen, als ausschließlich national agierende Firmen. Einzig die Besetzung von Top-Jobs im Management bleibt davon unbeeinflusst.

Alyssa Schneebaum, WU (c)2018 WU Wien

Alyssa Schneebaum vom Institut für Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien ging in ihrer Studie gemeinsam mit ihrer Koautorin Carolina Lennon der Frage nach, ob sich die Globalisierung auch auf die Verteilung von weiblichen und männlichen Mitarbeitenden in Unternehmen auswirkt. Hierfür untersuchte die Wissenschaftlerin die Entwicklungen in über 30.000 Firmen in mehr als 100 Entwicklungsländern und Ländern mit mittlerem Einkommen zwischen 2006 und 2014.

Die Ergebnisse belegen deutlich den Zusammenhang zwischen Internationalität und der Verteilung von Mitarbeitenden nach Geschlecht. Alyssa Schneebaum erklärt: „Wir sehen hier einen ‚Race to the top‘, das heißt: Interagieren Unternehmen mit Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit, wirkt sich dies auch positiv auf die Geschlechterverteilung im Unternehmen aus. Umgekehrt gibt es aber keinen negativen Effekt, das heißt, dass Geschlechterungleichheit aus anderen Ländern nicht importiert wird.“ Als Länder mit hoher Geschlechtergleichheit werden von den Vereinten Nationen zahlreiche Europäische Länder eingestuft, allen voran u.a. die Schweiz, Schweden und Dänemark. Österreich rangiert gemäß Gender Inequality Index der UN auf Platz 14. Massive Ungleichheit wurde in zahlreichen Ländern Afrikas wie der Republik Tschad geortet, aber z.B. auch der Jemen sticht negativ hervor.

Übertragung sozialer Normen

Die Studienergebnisse zeigen, dass jene Unternehmen, deren Mutterkonzern in anderen Ländern ist bzw. die in andere Länder exportieren, generell einen größeren Anteil an weiblichen Mitarbeitern einstellen, als jene, die nur am nationalen Markt aktiv sind. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Firmen, deren InvestorInnen oder auch KundInnen in Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit sind: Sie stellen 6-7 Prozentpunkte mehr Frauen an als nationale Firmen, die nicht international tätig sind. Aber auch Eigentumsstrukturen spielen eine Rolle. „Unternehmen mit nationalen EigentümerInnen stellen 17-18 Prozentpunkte weniger Frauen ein, als jene mit EigentümerInnen in Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit, auch wenn beide auf dem gleichen Markt mit gleichen lokalen Geschlechternormen tätig sind“, so die Studienautorin.

Top-Jobs bleiben vorwiegend männlich

Die positiven Effekte der Globalisierung und Internationalisierung von unternehmerischen Aktivitäten zeigen sich allerdings nicht bei allen Arten und Ebenen von Unternehmen gleichermaßen. Besonders Produktionsjobs profitieren hinsichtlich Geschlechterverteilung von der Entwicklung, an zweiter Stelle stehen Angestellte (in klassischen Büro-Jobs). „Der Anteil von Frauen steigt dabei nur für die unteren und mittleren Ebenen der Organisationsstruktur. Top-Management-Positionen bleiben von der ‚Internationalität‘ ihrer Unternehmen unbeeinflusst“, so Schneebaum, „Wir sehen demnach einerseits, wie die Internationalität als Medium für Geschlechternormen fungiert und Ungleichheit reduzieren kann. Andererseits wird ganz klar deutlich, dass es auch andere Maßnahmen braucht, um Diversität in Management-Positionen zu erreichen und die Geschlechterungleichheit zu reduzieren.“

Über die Forscherinnen

Alyssa Schneebaum ist Assistenzprofessorin und stellvertretende Vorständin des Instituts für Heterodoxe Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie Wissenschaftlerin am Forschungsinstitut Economics of Inequality der WU.

Carolina Lennon ist Post-Doc-Wissenschaftlerin am Institut für Makroökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Arbeit, Entwicklung und internationale Wirtschaft.

Zur Studie

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