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MICE-Business startet durch

Der Geschäftstourismus wächst jährlich um mehr als 10 Prozent. Christina Neumeister-Böck, Geschäftsführerin n.b.s. Marketing & Events, über Entwicklungen und Trends für Meetings, Seminare, Incentives und Geschäftsreisen.

Frau Neumeister Boeck
N.B.S. Klaus Ranger

BUSINESSART: Wie entwickelte sich die Branche in den letzten Jahren?

Neumeister-Böck: Die Entwicklung der MICE-Branche zu verfolgen ist für uns natürlich ganz besonders spannend und es freut uns, dass wir hier einen Aufwärtstrend beobachten.

Laut dem Meeting Industry Report Austria (MIRA) 2017 fanden, statistisch gesehen, in diesem Jahr 14 Kongresse, 31 Firmentagungen und 25 Seminare statt – und das pro Tag! Man sieht im Laufe der Jahre 2014 -2017 einen stetigen Anstieg an der Anzahl der stattfindenden Veranstaltungen. Im Jahr 2017 verzeichnete die österreichische Tagungswirtschaft ein Gesamtaufkommen von 21.641 Veranstaltungen. Dies entspricht einer deutlichen Steigerung von 11,9% bzw. einem Plus von 2.303 Veranstaltungen im Vergleich zum Vorjahr. Das wirkt sich auch auf die Nächtigungen aus, so gab es 2017 in Österreich 144.500.153 Tourismusnächtigungen, wobei etwas weniger als 3.500.000 aus der Tagungswirtschaft hervorgingen, das ist ein Anteil von 2,4% der gesamten Nächtigungen in Österreich.

Wir sind überzeugt, dass es in der MICE-Branche weiterhin ein stetiges Wachstum geben wird und die Eventbranche auch für den Tourismus wichtiger werden wird als sie ohnehin bereits ist. Wien ist hier Hauptschauplatz der meisten Veranstaltungen, allerdings lassen sich auch Linz und Salzburg nicht mehr aus den Top-Veranstaltungsstädten wegdenken. Deswegen haben wir uns auch vergangenes Jahr dazu entschieden nach 18 erfolgreichen Jahren mit der EVENTBIZ in Wien, die erste LIZZ – also die Länderedition der Eventbiz, in Linz zu veranstalten.

BA: Welche Trends zeichnen sich für die nächsten Jahre ab?
Neumeister-Böck: Bei der von uns veranstalteten Fachmesse Eventbiz haben wir vor allem in den letzten Jahren beobachtet, dass die Digitalisierung auch im MICE-Bereich mit großen Schritten Einzug hält. Musste man sich in der Vergangenheit nur über eine gelungene postalische Einladung Gedanken machen und den Event selbst erfolgreich organisieren, gilt es heutzutage wesentlich mehr zu beachten. So können sich EventorganisatorInnen einer breiten Klaviatur von Tools und Apps bedienen.

Begonnen beim elektronischen Einladungsmanagement, über Chatbots die das Leiten der Eventteilnehmer übernehmen und auch durch Integrationen mit Licht -und Tonbenachrichtigungen, die notwendige Aufmerksamkeit der Besucher in Ausnahmesituationen erreichen, bis hin zum interaktiven Programmplaner inklusive LIVE-Umfragen während der Veranstaltung.

Die Gäste wünschen sich immer mehr Interaktionen auf einer Veranstaltung. LED RFID Bänder also interaktive Armbänder zum Beispiel – durch diese Bänder kann man das Ende der Pause, Gewinnspiele, Stimmungen und Ende der Vorträge signalisieren in verschiedenen Farben. Mit einem zusätzlichen RFID-Chip kann man noch zusätzliche Funktionen einbauen – das Armband kann dann auch als Eintrittskarte gescannt werden.

Nicht zu vergessen, dass auch paralell zur Veranstaltung, TeilnehmerInnen und – eigentlich die ganze Welt - das Event über die Sozialen Medien mitverfolgen können. Instagram oder Facebook Stories sind mittlerweile A & O.

Weiter kommt sogar künstliche Intelligenz bereits Anwendung in der Event-Branche, zum Beispiel bei facial recognition – also der automatischen Gesichtserkennung. Diese kann bei Veranstaltungen am Check-In den Registrierungsprozess enorm verkürzen. Unsere Empfehlung: die eingesparte Zeit dann vielleicht für eine persönliche Begrüßung mit Händedruck verwenden. Denn bei all dem Trend zur Digitalisierung merken, wir aber trotzdem, dass der Mensch und das persönliche Zusammentreffen immer im Vordergrund stehen. Digitale Tools und Apps sind praktische Helferlein, sollen uns aber gerade im MICE-Bereich zusammenbringen und nicht das Zusammentreffen erschweren. Besser auf das eine oder andere Tool verzichten und dafür eine schöne Veranstaltung mit Menschlichkeit, Emotionen, Erlebnis- und Erinnerungsfaktor organisieren.

Zusammengefasst kann man sagen, dass Technologie, Automatisierungen, interaktive Programmpunkte und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden.

BA: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in der Branche?

Neumeister-Böck: Aus meiner Sicht liegen Green Meetings absolut im Trend, viele Häuser und Veranstalter haben die Zeichen der Zeit erkannt. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema und betrifft uns alle und mit verschiedenen Methoden lässt sich nicht nur was für die Umwelt tun, sondern wir sparen auch langfristig Geld bei unseren Veranstaltungen. Maßnahmen wie regionale und Fair-Trade- Produkte, Materialien aus recycelbaren Rohstoffen, erneuerbare Energien usw. sind in vielen Bereichen leicht umsetzbar und zeugen von Verantwortung. Im Wirtschaftssektor spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle.

Ein Punkt ist sicher, dass manche Erstanschaffungen etwas teurer sind, aber langfristig dann auch wieder Geld sparen. Anfangs ist der Aufwand auch etwas erhöht, da man die Kunden meist mehr informieren und aufklären muss, zum Beispiel, dass es keine Wasserflaschen gibt, sondern Spender und jeder einen Becher mitbekommt, den er immer wieder an den verschiedenen Stationen auffüllen kann, etc. Langfristig zahlt sich der Aufwand allemal aus und Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen ist ein absolutes Muss.

BA: Können Sie uns ein Beispiel für ein besonders gelungenes, nachhaltiges MICE-Projekt nennen?

Neumeister-Böck: Ein schönes best-practice-Beispiel für einen nachhaltigen MICE-Betrieb ist das Naturidyll Seminarhotel Hammerschmiede bei Salzburg. Aufgrund der naturnahen Lage des Hotels - mitten im Wald, aber nur 9km außerhalb der Stadt Salzburg - wird hier schon von jeher ein besonderes Augenmerk auf nachhaltiges und umweltbewusstes Wirtschaften gelegt. Bereits seit 1999 trägt das Hotel das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe, 2004 folgte die Auszeichnung mit dem EU Ecolabel (dem europäischen Umweltzeichen) und seit 2017 ist das Naturidyll Hotel Hammerschmiede auch Lizenznehmer für „Green Meetings & Events“. Damit können Seminare und Meetings hier direkt nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens zertifiziert werden und die Kunden werden bei der Planung und Durchführung eines umweltverträglichen Events ganzheitlich unterstützt. 

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