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Positionspapier an die Bundesregierung

respACT – austrian business council for sustainable development versammelt seit über 20 Jahren national und international erfolgreiche, österreichische Unternehmen, die sich zu verantwortungsvollem Wirtschaften bekennen.

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respACT

Die rund 300 Mitgliedsunternehmen tun dies in dem Wissen und aus der Überzeugung, dass langfristiger wirtschaftlicher Erfolg nur möglich ist, wenn sich Unternehmen und Politik ihrer Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt bewusst sind und dementsprechend handeln. Mit der Verpflichtung Österreichs zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) erwächst die Verantwortung der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Transformation bis 2030 ermöglichen, um die Umsetzung der Ziele in Österreich sicherzustellen. Es gilt Unternehmen als Gestalter der Zukunft zu verstehen, die durch verantwortungsvolle Handlungsmaßnahmen gesellschaftliche Innovation vorantreiben.

Die Lösung sozialer, ökologischer und ökonomischer Herausforderungen benötigt politische Rahmenbedingungen, die Unternehmen darin bestärken, die Chancen zu ergreifen, die eine Implementierung von Nachhaltigkeitsagenden in die Unternehmensstrategie mit sich bringt. Nicht zuletzt, weil die finanziellen, sozialen und ökologischen Kosten der Transformation hin zu einer resilienten Gesellschaft für alle Akteure weitaus höher sind, sollte deren Umsetzung sich weiterhin verzögern oder nicht umfassend vollzogen werden. Darüber hinaus sehen wir es als Aufgabe der Politik und ihrer VertreterInnen an, den Mehrwert von Corporate Social Responsibility (die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft und Umwelt, kurz CSR) für den Wirtschaftsstandort Österreich sowie die unerlässliche Umsetzung der SDGs einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen.

Deshalb erwarten wir uns von der Bundesregierung eine transparente und partizipative Umsetzung von Nachhaltigkeitsagenden. Bei diesem Prozess tragen die höchsten politischen EntscheidungsträgerInnen die Verantwortung, als VermittlerInnen von Strategie und Vision voranzugehen. Unternehmensnetzwerke wie respACT (rund 300 Mitgliedsunternehmen, darunter die führenden Unternehmen Österreichs) und das Global Compact Netzwerk Österreich (rund 100 teilnehmende Organisationen) leisten wichtige Beiträge zur Förderung und Sichtbarkeit von Nachhaltiger Entwicklung in Österreich und stellen ein Schlüsselelement auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft dar. Deshalb gilt es diese Plattformen zu fördern. Da es nur gemeinsam gelingen kann, die Chancen Nachhaltiger Entwicklung zu nutzen und Österreich zu einem verantwortungsvollen, innovativen und zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort zu machen, möchten wir die erfolgreiche Zusammenarbeit mit politischen EntscheidungsträgerInnen und Institutionen auch in Zukunft fortsetzen und ausbauen. Gerne stehen wir mit ebenso profunder wie weitreichender Expertise zur Verfügung, um Nachhaltige Entwicklung in Österreich auf allen Ebenen zu fördern.

Als Stimme verantwortungsvoll wirtschaftender Unternehmen Österreichs fordern wir:

  • Nachhaltiges Wirtschaften im Sinne der SDGs als Notwendigkeit für künftigen wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Stabilität im Rahmen der ökologischen Grenzen ansehen.
  • Wissen um die SDGs im unternehmerischen Kontext stärken, indem die finanziellen Chancen, das Innovationspotential sowie Risiken, die durch deren Umsetzung/Nicht-Umsetzung entstehen, aufgezeigt werden.
  • Einnehmen einer Vorbildrolle politischer EntscheidungsträgerInnen bei der Umsetzung Nachhaltiger Entwicklung und Anerkennung der Leistung verantwortungsbewusster Unternehmen. Orientierung für verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmen schaffen und ihre positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit stärken.
  • Ein umfassendes, ambitioniertes und strategisches Rahmenwerk zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu verfassen sowie
  • die Bereitstellung finanzieller Ressourcen zur Förderung und Stärkung von Netzwerken wie respACT, die den Stakeholderdialog im Kontext verantwortungsvollen Wirtschaftens forcieren und wichtigen fachlichen Input geben.

Maßnahmen zur Anerkennung verantwortungsvoller Unternehmen als Teil der Lösung

Die Einbindung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen soll in allen politischen Entscheidungen erfolgen, denn diese weltweit gültigen Ziele stellen die globale Zukunftsvision dar, die parteienübergreifend angestrebt werden muss. Wir sehen es als Aufgabe der Bundesregierung an, die durch die SDGs entstehenden Chancen für Gesellschaft und Wirtschaft aufzuzeigen und Nachhaltige Entwicklung als gesellschaftlichen Wert zu etablieren, der von allen öffentlichen Institutionen getragen wird. Parallel dazu erwarten wir uns von der Regierung ein Aufzeigen künftiger Risiken, die für Unternehmen entstehen, falls sie Nachhaltigkeit nicht in ihre strategische Ausrichtung einbeziehen. Hierbei muss auch auf das gestalterische Potenzial von Bund, Ländern und Gemeinden, beispielsweise im Bereich öffentlicher Vergabe oder Abfallwirtschaft, zurückgegriffen werden. Der Politik kommt hinsichtlich Nachhaltiger Entwicklung eine Vorbildrolle zu, wodurch Unternehmen Orientierung geboten wird. Unternehmen sind als Teil der Lösung hervorzuheben und sollten Wertschätzung und Anerkennung erfahren, sofern sie bereits jetzt Nachhaltigkeit über das gesetzlich geforderte Maß hinaus umsetzen. Diese Unternehmen gilt es in ihrer Vorreiterrolle zu stärken, denn sie besitzen die Möglichkeit, die von Marktpotentialanalysen prognostizierten Marktchancen auf internationalem Level wahrzunehmen und erweisen sich bereits als tragende Säulen des Wirtschaftsstandortes Österreich. Auszeichnungen, wie der Austrian Sustainability Reporting Award (ASRA) oder der TRIGOS, gilt es auch weiterhin zu fördern, da sie eine dynamische und nachvollziehbare Form der Anerkennung darstellen.

Vorbildfunktion – Anerkennung – Bewusstseinsbildung

  • Nachhaltige Unternehmen als aktive Gestalter zukünftiger Märkte anerkennen
  • Durch Bewusstseinskampagnen den Beitrag verantwortungsvoller Unternehmen für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort hervorheben, insbesondere durch Kooperationspartnerschaften mit etablierten Initiativen, wie etwa TRIGOS oder ASRA
  • Öffentliche Unternehmen der Republik Österreich fungieren als Vorbilder für eine nachhaltige Wirtschaftsweise und sollten daher in den Anwendungsbereich des NaDiVeG aufgenommen werden
  • Umfassende Datenerhebung zur Evaluierung der österreichischen Umsetzung der SDGs, welche u.a. eine internationale Vergleichbarkeit ermöglicht

Politische Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaften schaffen

Da Nachhaltige Entwicklung insbesondere im Rahmen staatlicher und wirtschaftlicher Zusammenarbeit eine tragende Rolle zukommt, müssen auch in Österreich vermehrt klare politische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Einerseits um Österreichs Unternehmen, die aktuell über keine Nachhaltigkeitsagenda verfügen, diesen wichtigen Anstoß zu geben, damit sie auch künftig im internationalen Vergleich hervorstechen. Andererseits um internationalen, in Österreich agierenden Unternehmen sozial und ökologisch förderliche Richtlinien zu geben und Verantwortungswerte zum Wohle der österreichischen Gesellschaft und Umwelt etablieren zu können. Unterstützend kann hier das Setzen nicht gesetzlicher Anreize zur Änderung von Verhaltensweisen, angewendet werden, um Nachhaltige Entwicklung weiter zu stärken.

In den letzten Jahren wurde bereits die Grundlage geschaffen, auf welcher die Entwicklung einer ambitionierten SDG-Strategie möglich ist. Die „Beiträge der Bundesministerien zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung durch Österreich“ (2017) stellen eine gute Bestandsaufnahme ministerieller Maßnahmen zur Umsetzung der SDGs dar. Der „SDG-Aktionsplan 2019+“ (2019) des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit undTourismus ist insbesondere aufgrund der Methodik, die eine Ex-ante-SDG-Verträglichkeitsprüfung und einen SDG-Fitnesscheck beinhaltet, hervorzuheben. Auch bei der Außenwirtschaftsstrategie von BMDW, BMEIA und der WKO, welche im Dezember 2018 vorgestellt wurde, sind drei Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit und unternehmerischer Verantwortung enthalten, wobei die SDGs einen Schwerpunkt der Strategie bilden. Der „Voluntary National Review“ (VNR), der 2020 beim High Level Political Forum der Vereinten Nationen vorgestellt wird, sollte als Chance wahrgenommen werden, Österreich auf der Landkarte der nationalstaatlichen SDGUmsetzung auf hohem Niveau zu verorten. Hinsichtlich des Nationalen Energie- und Klimaplans (NEKP) gilt es, die Anregungen der Europäischen Kommission auf die vorgelegte #Mission 2030 (2018) bis Jahresende 2019 einzuarbeiten, sodass die Strategie den europäischen Anforderungen vollends entspricht.

Ausgehend von den bestehenden bzw. sich im Entstehen befindenden, genannten politischen Rahmenbedingungen muss der nächste Schritt nun die Formulierung einer umfassenden und ambitionierten SDG-Strategie sein. Die Erarbeitung sollte unter Einbezug des Parlaments geschehen, wobei die Verantwortung für die Umsetzung auf höchster politischer Ebene liegen muss. Hinsichtlich der inhaltlichen Ausrichtung müssen, abgestimmt auf das Reflexionspapier der Europäischen Kommission „Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Europa bis 2030“ (2019), Kreislaufwirtschaft, nachhaltigem Konsum sowie Energie und Mobilität größte Bedeutung zukommen und von horizontalen Faktoren wie Bildung, Forschung, Digitalisierung, Preisgestaltung und Steuern flankiert werden. Die Finanzierung betreffend gilt es den „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ (2018) der Europäischen Union verantwortungsvoll in nationales Recht zu überführen, um Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen zu lenken sowie finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimakrise ergeben, besser zu bewältigen und um Transparenz dazu zu schaffen.

Nachhaltige Innovationen zur Erreichung der UN Nachhaltigkeitsziele bis 2030

  • Investitionsanreize für Nachhaltige Entwicklung setzen
  • Besondere Berücksichtigung von umweltbezogenen, sozialen und innovativen Belangen bei öffentlichen Vergabeverfahren
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Unterstützung der Etablierung von Social Entrepreneurship als Geschäftsmodell
  • Innovation durch Kooperation fördern. Die Förderung von Kooperationen zwischen unterschiedlichen Stakeholdern unterstützt die ganzheitliche Umsetzung der SDGs

Umsetzung von Strategien und Initiativen zur Erreichung des Pariser Klimaabkommen

  • Aktionsschwerpunkte u.a. auf erneuerbare Energie, Energieeffizienz (bei Gebäudebestand und Produktion) sowie auf nachhaltiger Mobilität setzen
  • Klare Vorgaben hinsichtlich einer wirksamen CO2-Bepreisung
  • Roadmaps zur sektorspezifischen Dekarbonisierung entwickeln
  • Energietechnische und wirtschaftliche Verknüpfung von Strom, Wärme, Mobilität und industriellen Prozessen sowie deren Infrastruktur fördern

Ressourceneffiziente Produktion fördern

  • Entwicklung einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaftsstrategie unter Einbeziehen von Reduzierung, Wiederverwendung, Wiederverwertung und Recycling (von abfallenden) Rohstoffen
  • Förderung von Unternehmenskooperationen hinsichtlich Kreislaufwirtschaft
  • Maßnahmen setzen, damit Produktionsbetriebe weiterhin/wieder in Österreich produzieren (Reshore)

Inklusive Wirtschaft

  • Gestaltung eines inklusiven Arbeitsmarktes insbesondere hinsichtlich Geschlechtergleichstellung, LGBTQI, AsylbewerberInnen und Menschen mit Behinderung

Finanzen und Investment

  • Steuerliche Begünstigung nachhaltiger Anlageprodukte, um Kapitalströme in klimaschonende Investitionen zu lenken
  • Einführung des Green-Supporting-Faktors zur Begünstigung für Kredite, die ökologisch nachhaltige Projekte finanzieren
  • Steuerliche Begünstigungen für SDG-relevante Beiträge (Impact-Analyse)
  • Verabschiedung einer ökologischen Steuerreform

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