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SozialMarie 2014

Gestern wurden in Wien die Preisträger 2014 geehrt

Foto: Anna Rauchenberger
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Der erste Preis ging an das österreichische Projekt Sozialnetz-Konferenz in der Bewährungshilfe. Das soziale Netz, das eine jugendliche Straftäterin, ein jugendlicher Straftäter für sich definiert, wird aktiviert, um in gemeinsamer Verantwortung einen guten Plan für die Zukunft zu erarbeiten und umzusetzen – sei es in einer Haftentlassungs-, einer Wiedergutmachungs- oder in einer 'Sorge'-Konferenz. Seit der Vergewaltigung eines Jugendlichen in Untersuchungshaft im Sommer 2013 in Wien werden vor allem U-Haft-Vermeidungskonferenzen direkt in der Haftanstalt durchgeführt, um die HaftrichterInnen in der Haftprüfungsverhandlung zu überzeugen, den Jugendlichen die U-Haft zu erlassen.

"Um eine U-Haft zu vermeiden, muss das soziale Netz schnell einen 'sicheren' Plan gegen einen Rückfall entwickeln. In rund 70% wirkte er auf den/die HaftrichterIn überzeugend, die U-Haft wurde aufgehoben. Auf sozial innovative Weise wird im Kontext von Straffälligkeit ein Paradigmenwechsel bei allen Beteiligten evoziert: Setzen wir auf das soziale Lösungspotenzial, das führt zu mehr Verbindlichkeit." - begründet die Jury. Der erste Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Das Projekt raumSchläuche schlauchRäume aus Wien erhielt den zweiten Preis und damit 10.000 Euro. Gemeinsam mit Architektinnen der TU Wien und ihrer Lehrerin für textile Werkerziehung kreieren Schülerinnen und Schüler der ersten bis vierten Schulstufe sogenannte 'raumSchläuche', vom Entwurf über den Schnitt bis zum Nähen mit speziellen Nähmaschinen, und können damit neue Räume für sich entdecken. Leicht transportier- und fast überall verwendbar bieten die dehnbaren Raumgebilde Schutz, sie verändern die räumlich-soziale Wahrnehmung und ermöglichen neue Begegnungen. " Die Kinder entwerfen und realisieren ihre Erlebnisräume selbst – drinnen und draußen, allein und als Gruppe. Sie unterscheiden nicht, egal ob Integrationsschülerin oder Schuldirektor, sie passen sich allen speziellen Bedürfnissen an. Innovativ nicht nur zur Integration von Kindern mit Handicap. Weit darüber hinaus zeigen sie die Bedeutung von Raumkonzepten für das gemeinsame Lernen, nicht nur von SchülerInnen."– lautet die Jurybegründung.

Der dritte Preis ging an das Projekt Nachbarinnen in Wien, das muttersprachliche Begleitung von migrantischen Frauen und deren Familien anbietet. Die aktuell zwölf 'Nachbarinnen' kommen aus der Türkei, aus dem Sudan, aus Ägypten, Somalia, Tschetschenien. Sie motivieren zurückgezogen lebende Frauen und deren Familien aus demselben Sprachkreis im 12., 2. und 20. Bezirk, an der Gesellschaft um sie herum teilzuhaben, und begleiten sie bei den ersten Schritten. Nach Meinung der Jury - "Die 'Nachbarinnen' verblüffen durch Gleichzeitigkeit: über den Zugang derselben 'fremden' Kultur eine Brücke in das aktuelle soziale und sprachliche Umfeld bauen, über die Sorge um die Familie die Frauen von dieser ein Stück emanzipieren, über ganz traditionelle Angebote die Frauen aus ihrer Zurückgezogenheit locken. Sozial innovativ auch die Umsetzung: es wird Beteiligung gehandelt, Ressourcen werden gesucht, vernetzt und neue aufgebaut, ein klarer Rahmen ermöglicht eine erfinderische Selbstorganisation der 'Nachbarinnen', viele erfolgreich begleitete Frauen bleiben im Projekt und die veränderten Bilder wirken im Kopf weiter." Für den dritten Preis gibt es 5.000 Euro.

Ehrenschutz 2014
Den Ehrenschutz übernimmt 2014 in Österreich Sima und Ahmad Porkar, Unternehmer, die das tschechische Projekt Patron begleiten. Der ungarische Ehrenschutz, Edit Sasvári, Direktorin des Kassák-Museums, hat sich für das Projekt Coalition against the criminalization of homelessness entschieden. Der tschechische Ehrenschutz, der Ökonom Tomáš Sedláček, wird das Projekt In Justice: legal aid for hate crime victims unterstützen. Die besondere Aufgabe des Ehrenschutzes der SozialMarie besteht darin, eines der Siegerprojekte im darauffolgenden Jahr in irgendeiner Weise zu begleiten.

Jury
Die 15 Preisträgerprojekte wählte die Fachjury aus 261 eingereichten Projekten aus. Mitglieder der Jury sind: Univ. Prof. Dr. Josef Hochgerner (Zentrum für Soziale Innovation), Anna Kaderabkova (Zentrum für Innovationsstudien, Prag), Habil. Doz. Dr. Éva Kovács (Institut für Soziologie Budapest, Wiener Wiesenthal Institut), Barbara van Melle (Journalistin und Moderatorin) und Mag. Marlies Sutterlüty (Lektorin in der Fachhochschule des Campus Wien).

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