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Warum Österreichs Unternehmen kooperieren

Beweggründe, Erfolgsfaktoren und Chancen von Unternehmenspartnerschaften bei sozialen und ökologischen Themen.

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Das Institute for Business Ethics and Sustainable Strategy (IBES) der FHWien der WKW veröffentlichte Ende Jänner 2021 eine neue Studie zum Thema „Unternehmerische Verantwortung durch Kooperation: Beweggründe und Erfolgsfaktoren von Unternehmenspartnerschaften mit sozialen oder ökologischen Zielen“.

Die Ergebnisse der Studie zeigen unter anderem, dass

  • die befragten Unternehmen mit anderen Firmen kooperieren, um einen unmittelbaren Nutzen für das eigene Unternehmen zu generieren, z. B. durch Kosteneinsparungen oder Zugang zu Netzwerken, um sich von der Konkurrenz zu differenzieren oder um gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, der in dieser Form alleine nicht zu erreichen wäre, z. B. durch Emissionseinsparungen
  • die MitarbeiterInnen des eigenen Unternehmens eine wichtige Zielgruppe von Kooperationen mit sozialen Zielen darstellen, während sich Kooperationen bei Umweltthemen den Zielen Emissionsreduktion, Abfallreduktion und Ressourcenschonung zuordnen lassen
  • die rechtliche Ausgestaltung der Kooperation stark von der Branche, dem Zielmarkt des Partners, externen Förderungen und der Art des Zusammenschlusses (z. B. als Verein) abhängt.

Kooperationen bieten Unternehmen vielfältige Chancen

Kooperationen im Kontext unternehmerischer Verantwortung bieten einzelnen Unternehmen vielfältige Chancen, die über die Ziele der jeweiligen Kooperation hinausgehen:

  1. Umsetzung von schnellen und qualitativ hochwertigen Lösungen: Durch die Bündelung von finanziellen und personellen Ressourcen in einer Unternehmenskooperation werden übergreifende Programme wie die Förderung nachhaltiger Mobilitätslösungen in verkehrsbelasteten Regionen in angemessener Zeit und Qualität überhaupt erst möglich.
     
  2. Effizienter Aufbau von Wissen: Durch den Wissensaustausch zu unternehmerischer Verantwortung wird die Möglichkeit geschaffen, voneinander zu lernen und das eigene Unternehmen zielgerichtet und effizient in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen weiterzuentwickeln.
     
  3. Generierung neuer Aufträge: Durch die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen können Wirkung und Sichtbarkeit von gesetzten Maßnahmen deutlich erhöht werden, was von Kundinnen und Kunden häufig geschätzt wird und zu neuen Aufträgen führen kann.
     
  4. Steigerung der Attraktivität als Kooperationspartner: Eine gelungene zwischenbetriebliche Kooperation bietet die Chance, sich eine Reputation als fähiger Kooperationspartner auch außerhalb von Nachhaltigkeitsthemen aufzubauen.
     
  5. Schnelle und unbürokratische Umsetzung von Projekten: Zusammen mit anderen Unternehmen lassen sich im Vergleich zu politischen Regelungen deutlich schneller Rahmenbedingungen schaffen, z. B. durch die Einrichtung eines auf die spezifischen Herausforderungen in einer Region zugeschnittenen Gesundheitsprogrammes für MitarbeiterInnen der Partnerbetriebe.
     
  6. Verbesserung der Positionierung als Arbeitgeber: Unternehmensübergreifende Projekte im Kontext unternehmerischer Verantwortung ermöglichen es Unternehmen, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren.
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Österreichische Unternehmen nützen die Chancen von Kooperationen noch unzureichend

Obwohl die Zusammenarbeit zwischen österreichischen Unternehmen bereits vielfach dazu beigetragen hat, Herausforderungen im Zusammenhang mit unternehmerischer Verantwortung zu begegnen, zeigt die im Rahmen der Studie durchgeführte Untersuchung, dass die hier aufgeführten Chancen noch unzureichend genutzt werden. Die Studie bietet daher für an Kooperationen interessierte Unternehmen konkrete Gestaltungsempfehlungen in folgenden drei Kategorien:

  • einen Fahrplan mit klaren Prioritäten für das eigene Unternehmen festlegen (hierzu zählt die Definition von Werten und Zielen im Bereich unternehmerischer Verantwortung im Unternehmen)
  • die interpersonelle Zusammenarbeit fördern und fordern (z. B. durch Schaffen von Raum für UnternehmensvertreterInnen für informellen Austausch innerhalb der Kooperation)
  • frühzeitig flankierende Maßnahmen bestimmen (wie etwa Definieren von Abstimmungsregeln für Entscheidungen)

„Die Studie möchte österreichische Unternehmen dazu anregen, sich für die Übernahme unternehmerischer Verantwortung in Kooperationen zu engagieren und die genannten Empfehlungen zu nutzen, um Kooperationen erfolgreich durchzuführen“, erklärt FH-Prof. Dr. Markus Scholz, MSc, Leiter des IBES, anlässlich der Präsentation der Studie. „Das große Interesse der Wirtschaft am Thema Nachhaltigkeit zeigt, dass Unternehmen durchaus bereit sind, weitreichende gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Dies gilt es zu fördern und zu stärken“, betont Ing. Mag. (FH) Michael Heritsch, MSc, CEO der FHWien der WKW.

Analyse wurde durch ForscherInnen der FHWien der WKW durchgeführt

Die Studie entstand im Rahmen der Aktivitäten der Stiftungsprofessur „Microeconomics of Competitiveness“ in Kooperation mit dem Team des Josef Ressel Zentrums für Collective Action und Responsible Partnerships (JR-Zentrum CARe). Mit der Stiftungsprofessur „Microeconomics of Competitiveness“, die von der Wirtschaftskammer Wien (WKW) finanziell unterstützt wird, soll die anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit von Standorten an der FHWien der WKW gestärkt und ausgebaut werden. Das JR-Zentrum CARe erforscht Entstehung, Management, Erfolgsmessung und Legitimität sogenannter Collective-Action-Initiativen und wird von der Christian Doppler Forschungsgesellschaft sowie den Unternehmenspartnern Josef Manner & Comp AG, Kapsch TrafficCom AG und SIMACEK Facility Management Group GmbH finanziert.

Die Praxisstudie basiert auf einer qualitativen Untersuchung von Unternehmen in Österreich. Im Zeitraum von Juni bis September 2020 wurden dafür 23 teilstrukturierte Interviews geführt. Die Unternehmen wurden nach den folgenden Kriterien ausgewählt:

  • Das Unternehmen ist Partner in einer Kooperation mit mindestens einem weiteren Unternehmen.
  • Die eingegangene Kooperation bietet einen sozialen oder ökologischen Mehrwert. Die Kooperationspartner übernehmen dadurch also unternehmerische Verantwortung.

Die Branche und die Unternehmensgröße waren keine Auswahlkriterien. Das befragte Sample enthält Unternehmen aus allen sieben von der Wirtschaftskammer Österreich definierten Sparten, nämlich Handwerk, Industrie, Handel, Banken und Versicherung, Transport und Verkehr, Tourismus und Beratung. Die Anzahl der MitarbeiterInnen reicht von vier bis zu über 20.000 Personen.

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