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CSR-Circle: Warum sind CSR und Nachhaltigkeit noch immer Fremdwörter?

Nachbericht CSR-Circle vom 12. März 2015

Foto: Draper
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Ästhetik, Politik, Bildung, Demokratisierung: Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb bietet unterschiedliche Anknüpfungspunkte und viel Luft nach oben. Dass jedoch nicht alles der ökologischen Prämisse unterstellt werden kann, zeigte der CSR-Circle am 12. März 2015 im Konservatorium Wien.

Dass Kulturbetriebe wie Unternehmen wirtschaften müssen, war eine Lektion der vergangenen Jahrzehnte. Doch wie steht´s um das nachhaltige Bewusstsein in der Szene? Der CSR-Circle erkundigte sich nach den Herausforderungen, denen sich Führungskräfte in der Kulturwelt hinsichtlich CSR stellen müssen. Die DiskutantInnen stellten sich dieser Frage:

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Nachhaltigkeit ist mehr als ein Umweltthema
Dinge anders tun, als gewohnt, ist ein Credo von Feimatta Conteh, Sustainability Manager des Arcola Theatre London, dem einzigen CO2 neutralen Theater weltweit. Ihre Aufgabe sei es, Bewusstsein für den Nachhaltigkeits-Diskurs zu schaffen – bei Mitgliedern der Produktionsteams sowie bei BesucherInnen. Es sei wichtig, dass Kulturbetriebe mitteilen, woran sie glauben, so Conteh. „Wir zeigen den Menschen, dass wir probieren etwas zu verändern – und das ist wirkungsvoll.“

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Es geht um mehr, als nur den Vorhang hoch zu ziehen
„Mittlerweile sind die Türen offen und Kulturmanager stehen dem Thema Nachhaltigkeit nicht mehr ablehnend gegenüber“, weiß die Unternehmensberaterin Anett Baumast aus ihren Projektarbeiten mit Kulturbetrieben. Auch wenn der Tenor ʻNachhaltigkeit habe mit uns nichts zu tunʻ passé sei, sei das Potential in der Kunst- und Kulturbranche riesig. Die Essenz der Kunst müsse aber erhalten bleiben: Es könne nicht darum gehen, dass sich Produktionen ausschließlich dem Nachhaltigkeitsthema widmen. „Aber hinter den Kulissen gibt es viel, was man tun kann – auch ohne große Investitionen.“

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Kulturelle und biologische Diversität
Der Rektor des Wiener Konservatoriums Franz A. Patay sprach von der abnehmenden kulturellen Diversität. In einem angelsächsisch dominierten Kulturmarkt gelänge österreichischen Künstlern kaum der Sprung ins Ausland. „Die Welt steht uns nicht offen. In diesem Haus müssen wir junge Menschen ausbilden, damit sie in dieser oligopolistischen Welt überleben können.“ Diese Situation langfristig zu verbessern, ist für Patay die Herausforderung. Dass dies bestmöglich energiesparend passiert, sei im Konservatorium inzwischen eine Selbstverständlichkeit.

Keine Zeit zu verstauben
Energiesparmaßnahmen waren auch für Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper, die ersten Schritte ökologisch zu arbeiten – auch wenn Alter und Größe des Gebäudes herausforderten. Dass die heutige Ästhetik weniger Aufwand, zum Beispiel beim Bühnenbild verlange, komme dem Nachhaltigkeitsgedanken ebenfalls zu Gute. Für Meyer sei die soziale Komponente der Nachhaltigkeit ein besonderes Anliegen: „Wir wollen die Oper in die Pampa bringen, Menschen überall auf der Welt sollen Oper erleben können“, neue Technologien und Medien seien Lösungen. Kindern den Zugang zur Oper ermöglichen und Kooperationen mit Schulen sind weitere Wege, um Interesse an der Oper in der nächsten Generation zu schaffen.

Zugang, Inklusion, Ausbildung und Bewusstseinsbildung
„Kein Budget für CSR“, diese Ausrede war einmal. Der Nachhaltigkeitsgedanke mit seinen drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales hat in der Kulturbranche Eingang gefunden. Vor allem die soziale Komponente wurde hervorgehoben: Mitarbeiter sensibilisieren, Studierende zukunftsfit machen und vielen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur ermöglichen. Durch die Berücksichtigung von nachhaltigen Faktoren könne auch eine ganz andere Zielgruppe erreicht werden, so Feimatta Conteh.

Die Politik in die Pflicht genommen
Dass Nachhaltigkeit kein Zustand sondern ein Prozess sei, strich Dominique Meyer hervor „Es ist nie alles in Ordnung“. Unterstützen sollte dabei auch die Politik und sich nicht durch das Erteilen oder nicht Erteilen von Genehmigungen in den Weg stellen. Wenn diese aber an Nachhaltigkeitskriterien gekoppelt wären, wäre das ein weiterer Schritt in die gewünschte Richtung, so Anett Baumast.

Nicht alles unter der ökologischen Prämisse sehen, kam noch als Publikumsmeldung von Bettina Leidl, Leiterin des Kunsthaus Wien. Sie nannte internationale Leihgaben oder das Einfliegen von Künstlern. Nachhaltigkeit und Kulturvermittlung dürfen sich demnach nicht gegeneinander ausspielen.

Dieser CSR-Circle zeigte ein weiteres Mal auf, dass CSR ein allumfassendes Thema ist. Und dass für die Glaubwürdigkeit immer den Worten Taten zu folgen haben. Die Kunst- und Kulturbranche tastet sich vor.

Am Podium waren:

Annett Baumast
Gründerin und Geschäftsführerin baumast kultur & nachhaltigkeit Lenzburg, Schweiz
Feimatta Conteh
Sustainability Manager, Arcola Theatre London, Großbritannien
Dominique Meyer
Direktor der Wiener Staatsoper
Prof. Dr. Franz A. Patay
Rektor Konservatorium Wien Privatuniversität

Moderation:
Mag.a Cornelia Dankl, BONUS Vorsorgekasse AG
Jan-Willem van Kruyssen, Executive Producer Leeuwarden - European Capital of Culture 2018

Der nächste CSR-Circle findet am 4. Mai im ARS – Akademie für Recht, Steuern & Wirtschaft statt. Ronny Hollenstein hält einen Vortrag zum Thema „Von der Zukunft her führen“.

http://www.csr-circle.at/

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