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CSR-Circle: Die Kunst den Mut nicht zu verlieren

Es gibt Expert*innen, denen seit Jahrzehnten die Luft am Weg zur Transformation nicht ausgeht. Mit ihnen haben wir am 23. März 21 gesprochen und ihre ganz persönlichen Geschichten erfahren.

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von links oben nach rechts unten: Sabine Schellander (Moderatorin), Ronny Hollenstein, Fred Luks, Barbara Wurzer, Johanna Mayer, Reinhard Friesenbichler, Nastassja Cernko (Moderatorin), Monika Auer, Nadja Noormofidi, Max Schachinger.

Hoffnungslosigkeit können wir uns nicht leisten.

Fred Luks, Nachhaltigkeitsexperte sieht Brüche grundsätzlich positiv: „Es braucht diese Umwege – sie erhöhen die Ortskenntnis.“ Dabei will er weder den Mut noch das Scheitern glorifizieren und warnt davor, beides zu individualisieren: „Man scheitert nie allein, man ist auch nie allein erfolgreich.“ Luks blickt auf zwei große Brüche im Lebenslauf zurück. „Da war ich echt verzweifelt, das war nicht cool. Aber letztlich war es gut und hat neue Chancen eröffnet. Das kann Mut befördern.“ Mut sei nicht nur eine Ressource zum Weitermachen, sondern auch zum Aufhören. „Ich weiß nicht was kommt, aber ich höre damit jetzt auf und wechsle die Bühne.“

Er sei letztlich nicht optimistisch, aber er habe Hoffnung was die Nachhaltigkeit betrifft. Denn es gäbe eine Community, die sich dafür einsetzt, und nur mit ihr könne es funktionieren. „Wenn eine Deadline kommt geht es sich immer aus.“ Das mache Mut.

Es ist nicht die Zeit, sich zurückzunehmen.

Johanna Mayer, element 8, hat sich Anfang 2020 mit element 8 selbstständig gemacht, gleich danach kam Corona. „Das hat uns ganz schön überrumpelt und viel Mut und Durchhaltevermögen gekostet und das braucht es noch immer.“ Nach dem Sommer 2020 sei es besonders schwer geworden, weil überhaupt nicht klar war, ob und wie es weitergeht. „Meine Erkenntnis war, dass ein wesentlicher Teil vom Mut die Angst ist. Dass man sie zulassen muss und dass sie zeigt, dass wir etwas Tolles machen, etwas Neues.“ Man müsse sie annehmen und in die eigenen Fähigkeiten und Motivation vertrauen. Es werde immer wieder Herausforderungen geben und man dürfe sich nicht entmutigen lassen. „Es ist beruhigend, wenn Fred sagt, es geht sich immer alles aus.“ In schwierigen Situationen sei es wichtig, einen Schritt zurückzutreten und die Dinge mit Ruhe anzugehen.

Miss Erfolg: Zwischen Erfolg und Misserfolg ist oft nur ein Leerzeichen.

Woher nimmt Monika Auer, ÖGUT, Mut und Energie? „Ich habe einen Antrieb, ein Urvertrauen mitbekommen, ein Ruder, das eingestellt ist, und dessen Kurs ich folge. Daher kommt mein Mut, auch Dinge zu tun, die Angst machen.“ Für Auer geht es eher darum, seine eigenen Kraft-Quellen zu suchen, und darauf zu achten, dass sie nicht verschüttet werden, sondern dass sie sich erneuern können. Wichtig sei auch, nach Erfolgen zurückzublicken, und sich zu fragen „Warum gelingen Dinge?“

Die Energie könne mal mehr, mal weniger sein, je nachdem, ob sich die unterschiedlichen Stakeholder in einem Prozess eher anfeuern oder behindern. Hilfreich sei zu erkennen, „dass ich Teil eines Prozesses bin, der vor mir begonnen hat und nach mir weitergehen wird.“

Distanz einnehmen – zu sich selbst und zu seinen Zielen. Das schärft den Blick zur nächsten Annäherung.

Woher weiß man, dass es sich auszahlt, ein Risiko einzugehen wird Reinhard Friesenbichler, rfu, gefragt. Da müsse man zuerst einmal anfangen zu debattieren, was „sich auszahlen“ heiße meint er. Aber grosso modo: „Man weiß nicht, ob es sich auszahlt. Das kann man sich nicht einmal statistisch ausrechnen. Ich persönlich folge meiner Arbeitshypothese, ohne zu hinterfragen, ob das Sinn macht oder nicht.“ Das stehe über den Gefühlen wie Angst oder Sorge. „Das was wie Mut aussieht ist in meiner Biographie eher Naivität. Im Nicht-Wissen darüber, was da alles schief gehen könnte. Mir ist vieles sehr jung passiert. Wäre ich älter gewesen hätte ich mich vielleicht nicht mehr getraut.“ Wichtig sei auch die Transzendenz der Ziele: „Die 17 SDGs werden noch immer nicht erreicht sein, wenn der Jüngste aus unserer Runde hier abgetreten ist. Wir arbeiten an etwas, das größer ist als wir.“

Ich will Sinnspuren im Leben hinterlassen.

Nadja Noormofidi, AT&S: Nadja Noormofidi, AT&S: „Man ist nie fertig. Man ist Teil eines größeren Ganzen. Das motiviert mich.“ Um das Ziel zu erreichen sei Resilienz ein zentrales Wort. Manches Mal habe sie sich eine blutige Nase geholt und sich gefragt, „Warum tue ich mir das an?“ „Aber wenn dann die Nachhaltigkeitsstrategie vorliegt, und es die Nachhaltigkeit auf die erste Seite der Investorenpräsentation schafft, dann sieht man, dass es sich lohnt.“ Wichtig ist dabei auch, Lob und Wertschätzung für sich selbst zuzulassen. 

Krone richten und weiter geht’s.

Wo nimmt Barbara Wurzer, Caritas, die Kraft her? „Ich steh hinter dem; was ich tue.“ Die Krise habe Menschen in Armut gestürzt, die das nie geglaubt haben. Deshalb hätten sich viele Unternehmen bereit erklärt, zu helfen. „Man muss ehrlichen Herzens 'bitte' sagen können. Die Caritas gibt es seit 100 Jahren und wird es in 100 Jahren leider auch noch brauchen.“ Und wenn es mal nicht klappt: „Krone richten und weiter geht’s.“

Mut ist Kraft vom Herzen

Wieso will Max Schachinger, Schachinger Logistik, die Transportbranche nachhaltig machen? „Das Wichtigste sind die Erfahrungen, die ich in der Kindheit, Jugend, in der Natur gemacht habe. Das habe ich erlebt, wie reichhaltig das Leben sein kann.“ Das bewirke ein ‚getragen sein‘ in der Selbstvergessenheit des wirtschaftlichen Tuns. Wenn man das tiefere Leben erkannt hat, das eingebettet sein in etwas Größeres, Spirituelles, dann kannst du auch Erfolge richtig feiern. Sonst bleibt nur etwas flaches, ausgequetschtes übrig.“

Die Dosis macht das Gift.

Ronny Hollenstein, Berater & Coach, über die wichtigsten Parameter um durchzuhalten:

  • Zusammenhalten hilft. Wenn man soziale Ressourcen hat, im Austausch bleibt, etwas teilt, dann man ist nicht allein.
  • Es gibt keine geraden Linien zum Ziel. Ob eine Entscheidung gut ist oder nicht, das weiß man erst später. Wichtig ist, falsche Entscheidungen einfach zu korrigieren.
  • Wesentlich ist die intrinsische Motivation. Wenn das „warum“ klar ist, dann ist das „wie“ auch erträglicher.
  • Ärger ist ein Gefühl, das in Verruf geraten ist. Ich kann mich nur ärgern, wenn mir etwas wichtig ist. Fragen Sie sich: Was wurde in mir drinnen jetzt verletzt? Daraus kann ich wieder einen Antrieb gewinnen um etwas besser zu machen.
    Wichtig: Bleiben Sie nicht im Ärger: Sich ärgern ist wie Gift trinken und hoffen, dass der andere stirbt.
  • Misserfolge sind wichtige Informationsquellen: ich müsste, ich sollte, … will ich das wirklich? Oder will das jemand anderer?
  • Genauso bewusst wie mit Niederlagen/schwierigen Situationen sollte man auch mit Erfolgen umgehen. Oft können Menschen eher mit Niederlagen leben, versemmeln es aber, ihre Erfolge adäquat zu nutzen. Analysieren Sie Ihre Erfolge! Meist geht es um immaterielle Dinge wie Hoffnung und Zuversicht und nicht um Budgets.
  • Bleiben Sie bei den Dingen, die Sie bewegen können. Fragen Sie sich: Was kann ich tun, um in meinem Weg ein, zwei Schritte weiterzukommen.

Moderiert wurde der CSR-Circle von Sabine Schellander, Semperit und Nastassja Cernko, OeKB.

Zusammenfassung: Roswitha M. Reisinger.

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