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CSR-Circle „Stakeholder, Dialog und Wesentlichkeitsmatrix"

Witzelte man vor zwei Jahren noch über „Stakeholder ja! Steakholder nein!“ haben sich jetzt der Dialog und -noch sperriger- die Wesentlichkeitsmatrix dazugesellt.

Foto: Draper
vlnr: Sebastian Spaun, Cornelia Dankl, Reinhard Herok, Andrea Weber, Gabriele Slelzmüller, Leo Hauska, Sandra Majewski gruppe_c_draper_8787

Ohne Stakeholderdialog und Wesentlichkeitsmatrix kommt keine moderne Nachhaltigkeitsberichterstattung mehr aus. Was steckt dahinter? Welchen Nutzen haben Unternehmen, aber auch die Stakeholder vom Dialog? Was heißt "wesentlich"? Wie komme ich zum Wesentlichen? Und wo liegen die Stolpersteine?

Darüber diskutierten gestern unter der Moderation von Roswitha M. Reisinger, MBA, Chefredakteurin BUSINESSART und Mag.a Cornelia Dankl, CSR-Verantwortliche BONUS-CONCISA, Leo Hauska, CEO des Beratungsunternehmens Hauska & Partner Group, Mag.a Andrea Weber, Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement RZB-Gruppe, Dipl.-Ing. Sebastian Spaun, Stv. Geschäftsführer, Vereinigung der österreichischen Zementindustrie, Mag.a Gabriele Stelzmüller, Nachhaltigkeitsbeauftragte der htl donaustadt.

Impact-Management
Weite Teile der Gesellschaft sind überzeugt, dass Organisationen für die Auswirkungen ihrer Tätigkeit verantwortlich sind. Aber wer bestimmt welche Auswirkungen relevant sind und wie weit reicht der Verantwortungsbereich der Organisationen? Die Antwort darauf kann nur im Dialog mit der Gesellschaft, mit jenen Menschen, die mit der Organisation in irgendeiner Weise verbunden sind (Stakeholder) geklärt werden. Darüber sind sich die Podiumsgäste einig.

Foto: Draper
Mag.a Andrea Weber, Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement RZB-Gruppe. Foto: Draper weber2_c_draper_8616

Konstruktiv kontroversiell
Andrea Weber, Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement RZB-Gruppe, berichtet, dass das Unternehmen seit vier Jahren einen Stakeholder-Council durchführt: Das Top-Management tritt mit etwa 60 ausgewählten internen und externen Teilnehmern, darunter Mitarbeiter, Netzwerkbanken, Kunden, NGOs, Medien oder Vertretern aus Bildung und Forschung in Dialog. Erfolgreich ist das Format, weil es „keine Imageshow ist, sondern wirklich diskutiert wird“ erklärt Weber. „Es unterstützt langfristig unsere Weiterentwicklung, weil Themen reflektiert, Trends erkannt und Risiken abgeschätzt werden.“ Anfänglich gab es Bedenken aus Sicht des Managements. Es hat sich aber gezeigt, dass die Gespräche zwar kontroversiell, aber sehr wertschätzend und respektvoll geführt werden. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass die eigenen ManagerInnen zuhörend (und nicht verteidigend) auf die Stakeholder zugehen.

Mag.a Gabriele Stelzmüller, Nachhaltigkeitsbeauftragte der htl donaustadt. Foto: Draper stelzmueller_c_draper_8483

Warum stellt sich eine Schule diesem aufwändigen Prozess?
„SchülerInnen sollen lernen, wie es draußen zugeht“ ist Gabriele Stelzmüller, Nachhaltigkeitsbeauftragte der htl donaustadt,  überzeugt. Und da gehe es um CSR, und um Dialog. „Der Stakeholderdialog läuft nicht nur über facebook ab“. Stelzmüller hat bereits 2005 begonnen, Nachhaltigkeitsaktivitäten in der Schule zu setzen, und mit dem Konzept der ONR (ONR 192500 – ein Zertifizierungssystem) ist es notwendig, mit allen Stakeholdern in Dialog zu treten. Stelzmüller: „Ergebnis sind viele gute Ideen, die einen richtigen Motivationsschub unter SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern gebracht haben.“ Ziel des aktuellen Prozesses ist es, das Schulleitbild und das Nachhaltigkeitsleitbild zusammenzuführen.

Dipl.-Ing. Sebastian Spaun, Stv. Geschäftsführer, Vereinigung der österreichischen Zementindustrie. Foto: Draper spaun_c_draper_8748

Nachhaltigkeitsdialog als Lichtblick
Die Vereinigung der Zementindustrie erstellt bereits seit 2004 einen Nachhaltigkeitsbericht und zählt damit zu den Pionieren in Österreich. „Blut, Schweiß und Tränen haben wir damals vergossen“ meint Sebastian Spaun, stv. Geschäftsführer. „Aber für uns war das Konzept der drei Säulen – Ökologie, Ökonomie und gesellschaftliche Verantwortung – ein Lichtblick. Endlich konnte die Polarisierung– hier die guten Umweltschützer und dort die gewinnorientierte  Industrie – und das aneinander vorbeireden aufgelöst werden.“ Ein großer Meilenstein in der Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde 2013 mit der Befragung von 1.500 ExpertInnen und 500 KonsumentInnen  zu zehn Themen gesetzt. Beide Gruppen nannten als prioritäre Themen für die Zementindustrie Klimaschutz, Rohstoffknappheit und Energie. Auf dieser Basis wurden konkrete  Ziele und Maßnahmen abgeleitet.

Die richtige Vorgangsweise zum Stakeholderdialog
Wichtig sei es, laut Leo Hauska, sich folgende Fragen zu stellen:

  1. Wozu soll der Dialog dienen? Intensiv muss sich das Unternehmen mit der Frage auseinandersetzen, wie offen es kommuniziert.
  2. Es macht Sinn, sich einen Berater zu nehmen – eine neutrale Position kann den Prozess besser moderieren.
  3. Ein Stakeholderdialog ist keine Meinungsumfrage. Es muss geklärt werden, welche Beziehungen mit wem aufgebaut werden sollen bzw. können. Erst anschließend soll die Methode überlegt und das entsprechende Analysemodell gesucht werden.


Die besten Tipps

  • CSR proaktiv betreiben, nicht reaktiv
  • CSR ist primär für die Steuerung des Unternehmens wichtig, erst in zweiter Linie kommen die Anforderungen der Stakeholder (NGOs, Rating Agentur etc.)
  • CSR ist ein Instrument, die GAPs im Unternehmen zu entdecken und kann entsprechende Prioritäten setzen, ein Nachhaltigkeitsprogramm erstellen und abarbeiten
  • Nicht alle Stakeholder alles fragen
  • Die Wesentlichkeitsmatrix an den eigenen, relevanten Themen orientieren
  • Die gesamte Wertschöpfungskette abbilden
  • Integrierte Berichterstattung wird zunehmen, weil sie von der Finanzwelt getrieben wird: Es wird sichtbar, wie der Unternehmenswert abgesichert ist (von welchen Ressourcen hänge ich ab, welche Werte schaffe ich, welche Werte zerstöre ich, wie berücksichtige ich langfristige Wirkungen).
  • Trotz aller Komplexität: „fürchtet Euch nicht“ (Sebastian Spaun), einfach beginnen – so eröffnen sich neue Möglichkeiten und Spaß am Dialog haben" (Andrea Weber)

Über den CSR-Circle
Der CSR-Circle ist ein offenes b2b-Netzwerk für Menschen, die sich beruflich für Nachhaltigkeitsthemen und Corporate Social Responsibility interessieren. Der CSR-Circle wird getragen von der BONUS Vorsorgekasse AG, ROIDINGER MAJEWSKI, LEBENSART / BUSINESSART, Medienhaus Gugler cross media und dem DSCHUNGEL WIEN - Theaterhaus für junges Publikum.
www.csr-circle.at

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