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CSR-Circle „Wofür arbeiten wir?“

Nachhaltiges Wirtschaften ist eine Frage der unternehmerischen Vernunft, und doch können nicht alle relevanten Faktoren rein betriebswirtschaftlich erfasst werden.

Foto: Draper
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Gleichzeitig kann kaum bestritten werden, dass nachhaltige Aktivitäten zu einem verminderten Geschäftsrisiko führen, die Partizipation der MitarbeiterInnen zu selbstverantwortlichem Umgang mit den täglichen Arbeitsabläufen und -prozessen motiviert, sowie das Recruiting von qualifizierten MitarbeiterInnen durch einen hohen CSR-Wert einfacher wird.

Unter der Moderation von Dr. Fred Luks, Leiter des WU-Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit, und Ronny Hollenstein, Geschäftsführer von ic2 concepts & trainings, diskutierten:

- Univ.Prof. Dr. Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien
- Reinhard Herok, Nachhaltigkeitsbeauftragter Kommunikationshaus gugler*
- Mag.a Sandra Majewski, Geschäftsführerin ROIDINGER MAJEWSKI
- Stephan Rabl, Direktion, Künstlerische Leitung DSCHUNGEL WIEN
- Roswitha Reisinger, MBA, Geschäftsführerin Lebensart Verlag
 

Hier finden Sie einen Ausschnitt aus der Diskussion

Foto: Draper
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Der Hausherr, Christoph Badelt, führt mit einem überraschenden Statement in das Thema ein: „Wenn man Wirtschaft neu denkt, kommt man automatisch auch zur Nachhaltigkeit. Dabei muss Nachhaltigkeit sowohl in die Lehre als auch in das Verhalten der Organisation einfließen.“ Konkret sichtbar sei das bereits beim neuen Campus, der sehr energieeffizient und offen angelegt ist, um die Kommunikation zu unterstützen, in der Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit und in der Lehrveranstaltung „Zukunftsfähiges Wirtschaften“, das allein im Sommersemester von 2.800 StudentInnen besucht wurde.

Was erwarten CSR-bewusste Unternehmen von künftigen Uni-AbsolventInnen? Und wie ticken diese Unternehmen?

Sandra Majewski braucht von ihren MitarbeiterInnen ein klares Commitment zu nachhaltigen Werten um gut arbeiten zu können. Der Großteil der BewerberInnen kommt eher aus dem Bereich der Geisteswissenschaften und Publizistik.

Bei gugler ist der Bedarf nach gut ausgebildeten Personen sehr groß, ein Großteil hat eine Fachhochschule absolviert (25%). Reinhard Herok: „Werbung ist Spiegelbild der Gesellschaft. Die Beschäftigung mit Werten, Reputation und Sinn ist in den Agenturen angekommen. Viele Unternehmen erkennen CSR als ihr Thema.“

Nachhaltigkeit und CSR zu transportieren ist Kernauftrag des Lebensart Verlags. Für Roswitha Reisinger ist daher wichtig, dass MitarbeiterInnen dem Thema positiv gegenüberstehen und Knowhow für ihren Bereich mitbringen. „Die inhaltliche Ausbildung erfolgt für unsere MitarbeiterInnen laufend. Wir lernen mit jedem Artikel dazu.“ Schwierig sei es, JournalistInnen zu finden, die gut schreiben können, aber auch beim Thema Nachhaltigkeit firm sind.

Für Stephan Rabl sind Kunst und Kultur per se nachhaltig: „Mit der Gründung des CSR Circle haben wir uns noch viel intensiver und systematischer gefragt, was Nachhaltigkeit für uns bedeutet. Bezogen auf die MitarbeiterInnen ist uns wichtig, dass sie die Bereitschaft haben, Komplexes zu denken, um Einfaches zu finden.“ Hochschulabsolventen seien darauf nicht vorbereitet, das kritische Denken nicht so ausgeprägt. Kunst brauche das irritierende Element und die laufende Weiterentwicklung.

Fehlt in der Wirtschaft der Impuls des Hinterfragens weil der Druck des Täglichen so stark ist? Und nervt kritisches Denken nicht auch ein wenig?

Sandra Majewski: „Wir brauchen Leute, die querdenken können. Absolventen mit minimaler Studienzeit lade ich nicht zu einem Bewerbungsgespräch ein.“ Hinterfragen, Werte leben und kritische Reflexion brauche Zeit.

Auch Badelt betont die Bedeutung kritischen Denkens. Es gehe darum, aufzuzeigen, welche Nachteile eine Entscheidung habe – aber es müsse Entscheidungen geben und ein Bewusstsein dafür, dass dabei auch Nachteile in Kauf zu nehmen seien. „Ich wundere mich über das Kriterium der Personalauswahl der Kollegin. Menschen organisieren ihr Leben unterschiedlich. Lang studieren heißt nicht automatisch, geistig reifer zu sein.“

„Kritik um der Kritik willen bringt nichts. Es geht um den Kontext“ ist Stephan Rabl überzeugt. Der Dschungel suche Mitarbeiter, die die Bereitschaft haben, sich selbst weiterzuentwickeln. „Das bringt dann auch dem Unternehmen etwas.“

Reisinger plädiert ebenfalls für eine differenzierte Sichtweise und sieht vor allem die Führungskräfte in ihrer Kompetenz gefordert: „Als Führungskraft muss ich mich fragen, wo wir gerade stehen. Muss ich irritieren, um etwas in Bewegung zu bringen, oder muss ich einen kreativen Prozess wieder einfangen und Ruhe hineinbringen?“ Dazu komme, dass Österreich keine diskursfreudige Tradition habe. Kritik und Beziehungsebene würden zu sehr vermengt.

Mit der Wirtschaftskrise 2008 wurde auch die betriebswirtschaftliche Lehre infrage gestellt. Was wurde aus der Krise und den Folgen gelernt? Gibt es universelle Werte?

„Wir wollen mit den Dingen, die wir machen, Sinn stiften“ erklärt Herok. Die meisten MitarbeiterInnen stellten sich diese Frage ebenfalls. „Manche wollen aber nur 9 to 5. Das ist auch richtig und wichtig, wenn sie super arbeiten.“
Lebensfreude und die Würde des Menschen seien die Basis für die Konzeption des CSR-Circle gewesen, erzählt Majewski: „Wir wollen dem Thema Nachhaltigkeit mit Leichtigkeit begegnen und nach Lösungen zu suchen. Darum geht es.“

Dass die betriebswirtschaftliche Lehre grundsätzlich infrage gestellt sei, bestreitet Badelt: „Es ist nicht so, dass man damals etwas Falsches unterrichtet hat und darin die Ursache der Finanzkrise liegt. Am Anfang stand auch unmoralisches Verhalten.“ Wichtig sei daher, dass jeder Absolvent und jede Absolventin die Nachhaltigkeit mitdenke, egal, woran er gerade arbeite.

Für moralisches Verhalten sei aber nicht nur die Einzelperson verantwortlich, ist Reisinger überzeugt, die Systeme definierten den Rahmen, in dem sich ethisches Verhalten abspielt. „Vor ethischen Dilemmata steht man schneller, als man glaubt.“ Wenn es etwa darum gehe, für einen Auftrag Schmiergeld zu zahlen oder andere Gefälligkeiten zu erbringen. „Wie bereitet die WU ihre AbsolventInnen auf diese Entscheidungen vor?“

„Die Universität soll dafür sorgen, dass es eine Konfrontation mit Werten gibt.“ erklärt Badelt. Er kämpfe für ein möglichst breites Wertespektrum.

Wie die WU mit dem wirtschaftlichen Wandel umgehe, will Reisinger wissen: „Es gibt große wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen und kein Konzept, wie sie zu lösen sind.“ Gerade Österreich habe eine vielfältige Wirtschaftsstruktur, die viele Chancen bietet. Die WU könne maßgeblich an neuen Konzepten forschen. Reisinger: „Es muss möglich sein, zwei einander scheinbar widersprechende Herausforderungen zu verbinden. Es gibt immer eine dritte Lösung.“

Eine Universität sei frei in ihrer Forschung und Lehre. Eine öffentliche Finanzierung bedeute auch eine besondere Verantwortung, so Badelt: „Daher muss sich die Universität als Ort der Wissensproduktion und Weitergabe der Fragen annehmen, die die großen Probleme der Gesellschaft betreffen.“ Den Professorinnen und Professoren komme hier eine Schlüsselrolle zu. Der inhaltliche Einfluss eines Rektors sei begrenzt, die Freiheit der Wissenschaft sei selbstverständlich zu achten.

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